zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

19. November 2017 | 02:21 Uhr

Parchim : Nepal lässt Mediziner nicht ruhen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Seit über 15 Jahren freiwillige Einsätze in Südasien: Parchimer Chefarzt Dr. Rüdiger Wenzel leistet Entwicklungshilfe in Nepal

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2017 | 05:00 Uhr

25. April 2015: Dieses Datum vergisst der ärztliche Direktor der Asklepios Klinik, Dr. Rüdiger Wenzel nicht. Vor knapp zwei Jahren war er einer der ersten deutschen Ärzte, die nach Nepal reisten, um nach den Erdbeben Soforthilfe zu leisten. Für den Parchimer war es damals ganz klare Sache, den Nepalesen so schnell wie möglich unter die Arme zu greifen. Unmittelbar nach dem ersten Beben griff der Unfallchirurg und Orthopäde zum Hörer und organisierte eigenständig einen Hilfstrupp. Die Fäden in der Hand, stellte Dr. Rüdiger Wenzel in kürzester Zeit ein Ärzteteam auf die Beine, besorgte massenweise Hilfsgüter wie Verbandszeug, Medikamente, Zelte, sowie Jeeps und Flugtickets. Mit der nächsten Maschine ging es nach Kathmandu. „Der gesamte Einsatz hat uns viel Kraft gekostet, da wir dann zweieinhalb Wochen lang von Dorf zu Dorf zogen, teilweise zu Fuß, um den Menschen in den eingeschlossenen Gebieten zu helfen“, erinnert sich der Mediziner heute.


Es geht an die Nieren, wenn man so etwas sieht


Neben der ärztlichen Versorgung, stand im Fokus, die Menschen ohne Obdach in Zelte unterzubringen und z.B. die Wasserversorgung wieder herzustellen. Schließlich wurde der Parchimer Arzt Zeuge vom zweiten Beben: „Alles bewegte sich horizontal, egal wo man hinschaute. Ein komisches Gefühl. Nach einer Minute hörte es auf und man hörte nur noch wie die Häuser zusammenfielen“, berichtet Dr. Wenzel weiter.

Doch der selbstlose Einsatz auf dem Dach der Erde war kein Neuland für Dr. Rüdiger Wenzel. Seit über 15 Jahren kümmert sich der zweifache Vater in dem weit entfernten Gebirgsland um medizinische Hilfsprojekte des deutschen Vereins Nepalmed. Im Februar war er zuletzt in dem Entwicklungsland. In Amppipal, dem Ort, in dem er hauptsächlich zugegen ist, begleitet der Arzt den Neubau eines Krankenhauses: „Hier baut Nepalmed in eine Gegend, die nur von Landwirtschaft geprägt ist, eine moderne Klinik. Im August ist die Übergabe“, erzählt der Klinikdirektor. Ziel nach der Fertigsstellung ist es, das Haus in die Hände der nepalesischen Kollegen zu übergeben.

Bei seinem letzten Aufenthalt in Nepal habe Dr. Rüdiger Wenzel auch eine Schule für Waisenkinder besucht. Hier schrieben die Kinder mit Bleistift in ihre Hefte, so dass sie die Inhalte ausradieren und das Papier neu beschreiben könnten. Dr. Wenzel brachte den Mädchen und Jungen neue Materialien mit. „Das hat ein Mädchen so gerührt, dass sie weinen musste. Das geht einen schon an die Nieren, wenn man das so sieht“, sagt er sichtlich berührt.


Reisen haben mentale Einstellung geändert


„Allein die Tatsache, dass jemand da ist und die Lebenssituation der Menschen versteht, ist viel wert“, beschreibt Dr. Rüdiger Wenzel das Miteinander mit der nepalesischen Bevölkerung. Von ihr könne er nur Gutes sagen. Die Einheimischen seien stets freundlich und lustig. Statt sich zu bedauern, würden sie sich freuen, wenn es trotz prekärer Lage vorangeht. Die Reisen nach Nepal haben seine mentale Einstellung geändert: „Man bekommt einen ganz anderen Blick und eine innere Distanz zu den Problemen, die die Menschen in Westeuropa umtreiben“, sagt Dr. Wenzel.

Ferner schwärmt er für das ferne Land am Fuße des Himalayas. „Das Land macht süchtig, wenn man einmal da war. Nepal hat eine unglaubliche kulturelle Vielfalt“, sagt er. Dr. Rüdiger Wenzel liebt Herausforderungen und hat Spaß daran, neue Aufgaben zu übernehmen - der Grund, warum er begann, sich für Nepalmed zu engagieren. „Das Positive in dem Hilfsprojekt ist, dass man dort die Möglichkeit bekommt, in der gesamten Breite des Berufes zu arbeiten. Das ganze medizinische Spektrum muss man abdecken können“, meint der Chefarzt der Asklepios Klinik. Mentale Stärke für die harten beruflichen Aufgaben, die ihn auch in Parchim fordern, erlangt der freundliche Arzt durch Meditation. Neben Sport und Lesen, mag Dr. Wenzel Fotografie. Einige selbst geschossenen Bilder hängen in seinem Parchimer Chefarztzimmer. Auch sie zeigen seine fantastischen Eindrücke von dem schönen Nepal. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen