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Parchimer Zeitung

20. November 2017 | 22:24 Uhr

Wildpflanzen : Natur-Heilmittel aufgespürt

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Wildpflanzen aus der Umgebung schmecken und können Wohlbefinden fördern

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 13:44 Uhr

Was unsere Vorfahren wussten und fast alltäglich nutzten, scheint vielfach in Vergessenheit geraten zu sein. Damit fanden sich allerdings Jugendliche und Betreuer vom Kinder- und Jugendpark Greven nicht ab und machten ihr aktuelles Projekt „Zeitenspringer“ anschaulich sowie unerwartet schmackhaft. Eine Naturheilpraktikerin mit Biologie-Diplom bestätigt ihre Wiederentdeckungen.

Unmittelbarer Anknüpfungspunkt des „Zeitenspringer“-Projekts sei die Geschichte des Rittergutes Greven nahe Lübz gewesen, auf dem vor fast hundert Jahren sowohl die Gutsherrschaft nebst illustren Gästen als auch deren abhängig beschäftigte Diener und Landarbeiter nebeneinander aber „quasi in zwei verschiedenen Welten“ gelebt hätten, erzählt Projektbetreuerin Antje Gojek. Davon zeugten heutzutage nur noch Passagen der Ortschronik sowie einige wenige vergilbte Fotografien vom damaligen Gutshaus, Wirtschaftshof und Park, welche seit 2006 die Produktionsschule Westmecklenburg und die Betreute Wohngruppe in Trägerschaft des Jugendfördervereins Parchim-Lübz beherbergen.

Besonders spannend an dem Grevener Landleben vor fast hundert Jahren fanden die Produktionsschülerinnen Melanie, Marie-Luise und Nancy aus dem Werkstattbereich Vermarktung-Veredlung-Hauswirtschaft die damals überaus unterschiedliche Ernährung der Gutsbewohner. Die interessierten Mädchen suchten und fanden in ihrer Freizeit sogar Originalrezepte, welche sie anlässlich des Grevener Hoffestes so authentisch wie nur möglich nachkochten. Dabei gelang die herrschaftliche Kartoffelsuppe mit Lachseinlage noch relativ leicht, während das ausgewählte Arme-Leute-Essen zur Herausforderung geriet.

Bei ihren Recherchen waren die Grevener „Zeitenspringerinnen“ nämlich auf eine seinerzeit unter der armen Landbevölkerung weit verbreitete Brennnesselsuppe gestoßen, deren frische Zutaten sie im Umfeld ihrer Wohngruppe tatsächlich reichlich fanden. Mit Handschuhen und langen Ärmeln gewappnet, wurde das wehrhafte „Unkraut“ mutig geerntet, gewaschen und schließlich zerkleinert, so dass daraus eine gewöhnlichem Spinat ähnliche Masse als Suppengrundlage entstand.

Zur großen Freude der Jugendlichen war die fertige Suppe gar „der Renner“ bei der öffentlichen Verkostung während des Hoffestes und schlug die ländliche deftige Lachs-Creme um Längen. Kein Wunder eigentlich, lautete ihr Fazit, denn die heutzutage treffender als Wildkräuter bezeichneten Zutaten gelten mittlerweile als ernährungsphysiologisch wertvoll und immer mehr Leute seien bereit, so etwas mal auszuprobieren – besonders gern natürlich, wenn es so sympathisch serviert wird.

Die Internet-Recherche ergab unerwartet auch noch Hinweise auf viele weitere nützliche Einsatzgebiete des vermeintlichen Unkrauts etwa als schädlingsbekämpfende Brennnesseljauche im biologischen Gartenbau, vielfach gesundheitsfördernder Brennnessel-Tee oder gar Potenzmittel. Letzteres bestätigte auch Naturheilpraktikerin Ursula Schönfeld auf einer ihrer beliebten Wildkräuter-Wanderungen. Seit Alters her gelte beispielsweise der herbstlich reife Brennnesselsamen als „allgemeines Stärkungsmittel“ und könne quasi kostenlos gewisse Stimulanzien ersetzen, welche oft chemisch, voller Nebenwirkungen oder sogar aus guten Gründen verboten seien. Die Diplom-Biologin plädiert leidenschaftlich dafür, dass sich ihre Zeitgenossen wieder mehr auf die Kräfte der heimischen Natur besinnen, anstatt industriellen „Wundermitteln“ nachzujagen.

Sogar Kinder kämen auf den Geschmack, wenn sie beispielsweise frisch zubereiteten Tee probieren, in dem die Kräuter schwimmen, welche sie zuvor beim Spaziergang unter freiem Himmel gepflückt hatten.


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