Parchim : Nach Säureunfall Kanal untersucht

Mittwochmorgen, Kamerabefahrung des Regenwasserkanals, in den die Säure gelangt war.: Rainer Burmeister vom Parchimer Kanalservice steuert die Kamera unter der Erde.
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Mittwochmorgen, Kamerabefahrung des Regenwasserkanals, in den die Säure gelangt war.: Rainer Burmeister vom Parchimer Kanalservice steuert die Kamera unter der Erde.

Parchimer Firma setzt Kamera zur unterirdischen Kontrolle in der Wallallee ein. Mögliche Folgen des Unglücks werden weiter untersucht.

svz.de von
02. März 2016, 21:00 Uhr

Gibt es Langzeitschäden durch die hochkonzentrierte Schwefelsäure, die am Dienstag in Parchim ausgelaufen war? Darauf richten sich weitere Untersuchungen. Der Abwasserbetrieb der Stadt ließ am Mittwoch den Regenkanal in der Wallallee unter die Lupe nehmen. Hier war Säure eingelaufen (SVZ berichtete). Wasserproben wurden aus dem Burggraben entnommen. Dort münden die Kanäle, und von hier könnte belastetes Nass in Richtung Müritz-Elde-Wasserstraße fließen.

„Im Moment gibt es keine Hinweise auf gravierende Schäden“, erklärte gestern Mittag Landkreissprecher Andreas Bonin auf Anfrage unserer Zeitung. Punktuelle Schäden könne man noch nicht ganz ausschließen. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und die Stadtwerke Parchim hätten „alles mögliche getan, um Schaden abzuwenden.“

Mitarbeiter vom Parchimer Kanalservice steuerten am Mittwochmorgen Kameras durch den Regenkanal in der Wallallee. Fred Eggert vom städtischen Abwasserentsorgungsbetrieb erklärte: „Wir gucken, ob unsere Kanäle Schaden genommen haben.“ Eine Erklärung auf Übernahme der Kosten für den Schadensfall liege vom Verursacher vor.

Am Tag des Unfalls wurde der Kanal mit Wasser gespült. Danach sollte untersucht werden, ob Schwefelsäure die Rohre aus Beton oder die Dichtungen angegriffen hat. Wie hoch die Säurekonzentration im Regenwasserrohr war, lässt sich schwer sagen, da sich Reste von Wasser im Kanalnetz befinden können, erfuhr SVZ. Erst nach der Auswertung der unterirdischen Videoaufzeichnungen zeigt sich, ob Handlungsbedarf besteht.

Rainer Burmeister von Kanalservice, der die Kamera steuerte, hatte übrigens nicht zum ersten Mal mit Folgen eines Chemienufalls zu tun. Vor zwei bis drei Jahren waren große Mengen Heizöl bei einem Unfall in Ludwigslust in das Regenwasserkanalnetz gelaufen, berichtete er.



Polizei ermittelt gegen den Lkw-Fahrer

Gegen den Kraftfahrer, der am Dienstag 750 Liter Schwefelsäure in der Wallallee von seinem Laster verlor, ermittelt die Polizei. Wie Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust bestätigt, wurde eine Verkehrsunfallanzeige aufgenommen und der Kraftfahrer wird demnächst vorgeladen. Eine erste Auswertung der digitalen Fahrerkarte ergab keine Auffälligkeiten an diesem Tage. Vermutet wird seitens der Ermittler, dass die Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert war und die Fässer in Kurvenfahrten ins Rutschen gerieten. Möglicherweise hat ein Klemmbrett die Fässer beschädigt.

Der Kraftfahrer selber hatte gegenüber der Feuerwehr und unserer Redaktion am Dienstag vor Ort bestätigt, dass er „die Ladung nicht richtig gesichert“ hat, weil er „nur von Spornitz nach Domsühl unterwegs war.“

Ein Bußgeldverfahren nach Gefahrgutrecht ist eingeleitet worden. Auch wird geprüft, ob unter Umständen eine Straftat vorliegt. „Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung sowie der Gefährdung durch Freisetzung von Giften“, so Wiechmann gegenüber unserer Redaktion.

Aus dem Laster waren 750 Liter 96prozentige Schwefelsäure ausgelaufen. Der Fall hatte für eine siebenstündige Vollsperrung der Wallallee und einen umfangreichen Feuerwehreinsatz gesorgt.

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