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Parchimer Zeitung

18. November 2017 | 17:16 Uhr

Landkreis LUP : Nach der Südbahn das Bustaxi?

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Kreistag entscheidet morgen über Zukunft der Strecke Parchim-Malchow. Der Landkreis favorisiert Rufbussystem als Pilotprojekt.

svz.de von
erstellt am 08.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Ist der Zug für die Südbahn abgefahren? Morgen entscheidet der Kreistag endgültig über die Zukunft der Verbindung Parchim – Malchow. Anstelle von Zügen will der Kreis ein regelmäßiges Rufbussystem installieren. Damit sei es möglich, innerhalb eines Zwei-Stunden-Taktes aus der Rufbuszone an die Hauptlinien und weiter nach Parchim, Plau oder Malchow zu fahren. Allerdings hat der Haushalts- und Finanzausschuss diesen Vorschlag bereits abgelehnt. Auch die Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ bleibt skeptisch und favorisiert wie der Fahrgastverband Pro Bahn MV eine andere Variante aus der Machbarkeitsstudie, nämlich das Zusammenspiel von Bus und Bahn.

BI-Sprecher Clemens Russell begrüßt zwar die Rufbus-Regelung, doch zur durchgängigen Erhaltung der Bahn gebe es keine Alternative. „Wir sehen den Abschnitt Parchim – Malchow immer im Gesamtzusammenhang“, so Russell. 2017 müsse die Strecke Malchow – Waren neu ausgeschrieben werden, zwei Jahre später Hagenow – Parchim. Schon dann könne es soweit sein, dass alles geschlossen wird: „Ein fataler Domino-Effekt.“

Linken-Politiker Rainer Raeschke kritisiert, die Machbarkeitsstudie habe die Erhaltung der Bahn nicht zum Thema gemacht. Die Bahn-Infrastruktur sei kein Risiko, sagt BI-Sprecher Russell, weil die Hanseatische Eisenbahngesellschaft im Gespräch mit ihm angeführt habe, für fünf Jahre keinen Investitionsbedarf zu sehen. „Und wenn, dann wäre sie beziehungsweise die RegioInfra als Eigentümer der Gleise dafür verantwortlich“, so Russell. Strittig sei Rainer Raeschke zufolge auch, wie die Fahrgast-Einnahmen verrechnet werden. Sie tauchten nirgends auf. Mit rund 425 000 Euro halte die BI den im Gutachten genannten Fehlbetrag daher für zu hoch angesetzt.

Die von der BI favorisierte Lösung nutze einerseits die Vorteile beider Verkehrsmittel für die Menschen in der Region und man setze sich dafür ein, dass teure, mit viel Steuergeldern geschaffene Infrastruktur erhalten bleibe. So sei beispielsweise erst vor wenigen Jahren in Lübz ein barrierefreier Bahnhof geschaffen worden. Während der Haushalts- und Finanzausschuss des Kreistages die Variante Bus und Rufbus ablehnt, hat der Wirtschaftsausschuss eine Rufbusvariante (plus Bus oder Bahn) favorisiert.

Das Rufbussystem teilt die Region entlang der Hauptbuslinie in sechs kleinere Räume. Wer beispielsweise aus Groß Pankow nach Lübz will, ruft eine Stunde vor Abfahrt eine Telefonnummer an. Die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim VLP organisiert je nach Nachfrage das Fahrzeug. Von Bus bis Taxi ist alles möglich – zum Bustarif, heißt es vage. Der Fahrgast kommt so zur Hauptstrecke. Damit könnten allein im Südbahnbereich 16 000 Menschen zusätzlich Anschluss an das Personenverkehrsnetz bekommen, rechnet VLP-Geschäftsführer Stefan Lösel vor. Deshalb soll das System auch den Charakter eines Pilotprojekts für den gesamten Landkreis haben. Landrat Rolf Christiansen: „Davon profitierten nicht nur die direkt an der Bahnlinie liegenden Orte.“ Der Landkreis Nordwestmecklenburg führt das System zum 1. Januar 2016 ein.

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