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Ende Einer Walz in Zölkow : Nach 1644 Tagen glücklich und um Erfahrungen reicher

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Anika Papke ist am Sonnabend begeistert in ihrem Heimatdorf Zölkow empfangen worden - glücklich und um viele Erfahrungen reicher.

von
erstellt am 24.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Am 21. Januar 2013 zog Anika Papke aus Zölkow in die Welt hinaus – als „Fremder Tischler und Aspirantin im FBS“ (Freier Begegnungs-Schacht), auf den ersten Kilometern begleitet von mehr als 20 Wandergesellen. Ihr Ziel: eine mindestens drei Jahre und einen Tag andauernde Walz. Geworden sind es vier Jahre, sechs Monate und zwei Tage. „Ich habe mich so auf die Rückkehr gefreut. Endlich bin ich wieder bei der eigenen Familie, ich komme nach Hause“, so Anika Papke überglücklich bei der Rückkehr am Sonnabend in Zölkow.

So wie der Abschied im kalten Januar 2013 gestaltete sich auch die Ankunft an diesem Julitag nach traditionellem Brauch: Die Eltern Simone und Bodo Bremer, Schwester Franziska sowie viele weitere Angehörige und Freunde erwarteten die 29-Jährige am Ortseingang. Florian, der damals bereits zwei Jahre auf der Walz war und die junge Tischler-Gesellin in den ersten drei Monaten begleitete, hatte sich ebenfalls hinzugesellt. Die letzten Meter säumten Willkommenschilder: „Nach 1644 Tagen zu Hause“ und „Noch 1,5 Kilometer“ war darauf u. a. zu lesen.

Endlich tauchte die Gruppe in der Ferne auf: Anika und elf weitere Wandergesellen. Doch das „Empfangskomitee“ musste sich weiter in Geduld üben: Im Zickzackkurs, mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen und den Charlottenburger (Gepäck) über der Schulter kamen sie dichter, um dann kurz vor dem Ortseingangsschild Halt zu machen für den großen offiziellen Moment. Auf den quer gehaltenen gedrehten Wanderstöcken der Tippelbrüder ging es hoch hinaus zum Ortsschild.

Dann konnte sich Anika Papke im wahrsten Sinne des Wortes in die Arme der Familie und Freunde fallen lassen. Die Emotionen beim Wiedersehen kannten keine Grenzen. Mutter Simone Bremer schloss eine Tochter in die Arme, die von den Lebenserfahrungen der vergangenen vier Jahre definitiv geprägt wurde. „Jetzt ist die Wanderschaft zu Ende und nun muss sie wieder in das normale Leben“, wünscht Simone Bremer ihrer Tochter, dass der Übergang reibungslos klappt.

Kaum war die Wiedersehensfreude ausgekostet, wartete noch eine besondere Aufgabe auf die Rückkehrerin: Anika Papke hatte im Januar 2013 zwei Flaschen in den harten Frostboden versenkt - exakt eine Körperlänge vom Ortsschild in Richtung Dorf entfernt. Diese wurden nun ans Tageslicht befördert und von allen Anwesenden sogleich geleert. Ihre Wanderschaft führte Anika Papke kreuz und quer durch Deutschland, nach Ungarn, Rumänien, Dänemark, Frankreich, Österreich, Irland, Schweiz und Hawaii. „Die schönste Zeit war auf Hawaii, jeden Tag Sonne. Das macht glücklich“, sagt sie. Dennoch war die 1644-tägige Walz kein Urlaub, sondern eine weitere Lehrzeit. „Handwerklich hat es mich weiter voran gebracht. Jeder Meister arbeitet anders, jede Region arbeitet anders – das lernt man in dieser Intensität nur auf der Walz“, findet die Tischlerin.

Ihr nächstes Ziel: Der Meisterbrief

Zwei Mal hat sie die maximal mögliche Aufenthaltszeit von drei Monaten bei einem Meister ausgeschöpft, ansonsten zog sie meistens nach drei Wochen weiter. Neben vielen interessanten und schönen Erlebnissen bleiben aber auch Situationen haften, die nachdenklich stimmen. In Rumänien beispielsweise wurde sie zum Teil mit großer Armut konfrontiert. „Doch die Menschen vor Ort sind sehr herzlich und haben einen stets sehr gut aufgenommen“, erzählt die Tischlerin.

Und wie geht es jetzt für sie weiter? „Ich möchte gerne meinen Meister machen, vielleicht irgendwann auswandern nach Hawaii. Das wäre mein Traum.“ Letzteres ist noch Zukunftsmusik. Nun wird die Rückkehrerin erst einmal das Familienleben genießen und den Luxus, nicht mehr auf dem Boden schlafen zu müssen.
 

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