Parchim : Multikulti für jedermann

Schnell verschönert – die provisorische Graffiti-Wand
Schnell verschönert – die provisorische Graffiti-Wand

Alternatives Jugendzentrum und Schüler organisierten gemeinsamen Abend

svz.de von
24. Juni 2018, 21:00 Uhr

Wenn Toleranz tanzt, dann auf jeden Fall im Schwarzen Weg. Das alternative Jugendzentrum in Parchim lud ein, um „Flagge gegen rechts zu zeigen“, so Vorstandsvorsitzende Franciska Scheirer. Das von Schülern des Eldenburg-Gymnasiums Lübz und der Freien Schule Güstrow zusammen mit dem Rostocker Verein „Soziale Bildung“ und der Alternativen Jugend organisierte Fest wollte „wachrütteln und die Gesellschaft offener machen“, sagte Scheirer. „Außerdem nutzen wir die Gelegenheit, um etwas zurückzugeben, denn Stadt und Land haben hier sehr viel investiert.“ So wurde samt DJ und Tanzfläche, Candybar und einer Buttonmaschine eine Vielfalt unterschiedlicher Aktivitäten angeboten, um sich kennenzulernen und gemeinsam auszuprobieren.

Ebenfalls am Start: eine meterlange Graffitiwand aus Plastik, die prompt mit einer geballten Ladung Farbe von zahlreichen Jugendlichen elegant verschönert wurde. Des Weiteren lud ein Siebdruckstand dazu ein, Taschen zu bedrucken. Hier werkelte Aboubacar Camara aus Guinea zusammen mit der Güstrower Lehrerin Hanka Gatter an einem weißen „Peace“ auf blauem Hintergrund. Der junge Mann wohnt in Mestlin und genoss das Fest sichtlich. „Ich finde es schön, mich hier mit Leuten aus anderen Ländern zu treffen“, so der 18-Jährige, der zusammen mit Freunden aus Syrien in Parchim war. „Als Flüchtlinge haben wir sonst viel Stress im Kopf. Hier dagegen ist es toll.“ Auch die achtjährige Anamae aus Techentin hatte bereits eine Tasche per Druck verschönert. Zusammen mit Mama Nanette Mittelstädt und Bruder Owen war sie auf dem Gelände unterwegs, besonders angetan hatte es ihr „das Trampolin!“

Wer hüpfend, tanzend und bastelnd irgendwann ein Loch im Bauch bekam, dem bot sich der Grillstand an. Steffen Drews servierte Rindsbratwürste, vegetarische Spieße und Tomatenbutter. Alkoholika wurden übrigens nirgends ausgeschenkt – das Fest sollte friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Die hatte es bedrückenderweise schon gegeben. Hanka Gatter, die an der Güstrower Schule den Kurs „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ leitet, bat aus diesem Grund darum, Gesichter der Schüler auf den Fotos nicht zu zeigen. Denn nach der Ankündigung in der Zeitung kam es zu zahlreichen Hass-Mails und seltsamen Anrufen rechtsgerichteter Natur, die Schule und Schüler erreichten. Hanka Gatter dazu: „Wir sind geschockt von dem Ausmaß der Reaktionen. Doch es stärkt unsere Schüler. Nun kommen sie her – frei nach dem Motto ,Jetzt erst recht!’“. Zudem waren drei Polizisten in zivil auf dem Gelände zugegen, um die Veranstaltung abzusichern. Dabei waren alle eingeladen, an dieses friedliche Miteinander mitzuerleben. Franciska Scheirer: „Die Leute sollen am eigenen Leib erfahren, dass nicht jeder, der anders ist, anders ist.“

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