zur Navigation springen

Parchim International Airport : Mr. Pang vom Radar verschwunden

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Parchim nach Meldungen über Schieflage des Flughafenbetreibers verunsichert. Landkreis schließt Rücknahme aus.

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Ausgerechnet gestern übte die Landesfeuerwehrschule Malchow auf dem Flugfeld des Parchim International Airport. Dabei gibt es auf dem Flughafen vielleicht bald nichts mehr zu löschen. Meldungen über eine finanzielle Schieflage des Inhaberunternehmens Link Global Logistics machten gestern die Runde. Der NDR berichtet von 2,8 Millionen Euro Schulden ohne Vermögensrücklagen. Der Landrat von Ludwigslust-Parchim Rolf Christiansen (SPD) schloss gestern eine Rücknahme des Flughafens aus: „Angesichts der Finanzlage von Kreis und Gemeinden verbieten sich solche Überlegungen.“

Nach Recherchen unserer Zeitung ist aus informierten Kreisen zu hören, es sehe „sehr schlecht“ aus. Zwar ist die Kurzarbeitsphase der 25 Beschäftigten, die den Flughafen am Laufen halten, seit Sommer vorbei. Allerdings komme Link Global neuerdings seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nach. Nicht bezahlte Rechnungen in Größenordnungen stapeln sich, heißt es. Und auf Lohn sollen die Beschäftigten auch warten. Mietzahlungen für das ehemalige Büro in der Walter-Hase-Straße stehen ebenfalls noch aus.

Dass Jonathan Pang nicht mehr Geschäftsführer des Parchimer Flughafens ist, sei nur „bedingt neu“, wie Landrat Rolf Christiansen sagt. Auch Parchims Bürgermeister Dirk Flörke (CDU) bestätigt, dass der Wechsel in der Geschäftsführung bekannt sei. Im Internetauftritt wird die jetzt genannte Yongsheng Ren allerdings schon seit 2008 neben Pang aufgeführt. Der Posten soll in den vergangenen Jahren mehrfach neu besetzt worden sein. Schwägerin und Bruder von Jonathan Pang kamen und gingen. Pang selbst hatte im Interview mit unserer Zeitung bereits im Mai 2016 bestätigt, dass er andere Aufgaben im Unternehmen übernommen habe. Er hatte 2015 einen Ausstellungsraum namens Parchim Mall für deutsche Produkte in Peking eröffnet – eine Brücke zwischen „China und Germany“.

Sollte dem Flughafenbetreiber die Luft ausgehen, wäre das „bedauerlich“, so Landrat Rolf Christiansen. Wenn es zu einer Insolvenz käme, müsste geprüft werden, was auf dem Flughafen möglich ist. Gewerbe- und Industrieansiedlungen wären denkbar: „Wir begleiten alles, was zu einer positiven Entwicklung beiträgt. Die Fläche ist für die wirtschaftliche Entwicklung interessant.“

Bei einer Insolvenz des Betreibers fällt der Flughafen nicht an den Landkreis zurück. Der Kaufpreis ist bezahlt. Nach eigenen Angaben habe Link Global seit der Übernahme vor zehn Jahren 60 Millionen Euro in den Standort Parchim investiert. Dazu kommen monatliche Betriebskosten von 200 000 Euro. Zwar habe der Landkreis ein Rückkaufsrecht. Eine Übernahme schließt Christiansen allerdings aus.

Kontakte zwischen Flughafenbetreiber und Landkreis habe es zuletzt so gut wie keine mehr gegeben. Nur auf Arbeitsebene, wenn es um Munitionsbergung und Kerosinentfernung geht, hätten die Experten zusammengearbeitet. Rolf Christiansen: „Ich habe Herrn Pang drei Mal im Büro empfangen. Jedes Mal hatte er ein anderes Konzept. Mir ist nie klar geworden, welche Interessen im Hintergrund eine Rolle gespielt haben.“ In den letzten Jahren hat der Flughafen seine Einnahmen hauptsächlich durch Trainingsflüge der Lufthansa-Pilotenschule erzielt. Auch für die sechs abgestellten Airbus A 340 Großraumflieger gibt es sicher Geld. Hier steht bereits das nächste Problem: Wenn die vierstrahligen Verkehrsflugzeuge sechs Monate nicht bewegt werden, gelten sie als nicht mehr flugbereit. Das soll bei einigen Maschinen der Fall sein. Ein neuer Flughafen-Besitzer könnte auch den Landkreis in Schwierigkeiten bringen. Nach dem noch im Altkreis Parchim abgeschlossenen Kaufvertrag zahlt der Landkreis für die Munitionsberäumung. Der Flughafen Parchim wird also mit oder ohne Jonathan Pang weitere Schlagzeilen liefern...

Schriftliche Anfragen an Link Global in Peking blieben unbeantwortet. Auf dem Parchimer Flughafen durfte man keine Auskunft geben.

 

Anwalt: Unternehmer Pang weiter Geschäftsführer von LinkGlobal

Der chinesische Betreiber des Flughafens Parchim, Jonathan Pang, hat verwundert auf Medienberichte reagiert, wonach er nicht mehr Geschäftsführer der Logistik-Firma LinkGlobal in Deutschland sein soll. Der Vertreter des Unternehmens in Deutschland, der Rechtsanwalt Helmut Naujoks, erklärte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag: „Pang hat mir ganz klar gesagt, dass er weiterhin Geschäftsführer von LinkGlobal ist.“

Im Geschäftsbericht von LinkGlobal taucht Pangs Name nicht mehr auf. Als Geschäftsführer wird Ren Yongsheng aufgeführt. Naujoks sagte, er selbst und Pang könnten sich das nicht erklären. Pang sei die gesamte vergangene Woche geschäftlich in Deutschland gewesen. „Er weiß von nichts“, sagte Naujoks.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen