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Parchimer Zeitung

18. Dezember 2017 | 00:30 Uhr

Siggelkow : Moosterzwerge im Sammelfieber

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Rotary Club Parchim bringt Projekt des Vereins „Deckel drauf“ in die Region. Vom Erlös werden Impfungen gegen Polio finanziert .

von
erstellt am 27.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Unter den Moosterzwergen in Siggelkow ist das Sammelfieber ausgebrochen: So gut wie täglich bringen die Jungen und Mädchen Deckel aus Kunststoff von Getränkeflaschen oder Milchkartons, von Zahnpastatuben oder Shampooflaschen sowie gelbe Kunststoffhüllen der Überraschungseier mit in ihre Kita, wo sie sofort in einen großen Sammelbehälter wandern.

Die Einrichtung in Trägerschaft des DRK-Kreisverbandes ist eine von mehreren Sammelstellen in der Region, die den Verein „Deckel drauf“ e. V. unterstützen: Dieser bundesweit tätige Verein organisiert über die Rotary Kampagne „End Polio Now“ die Verwertung der Kunststoffverschlüsse, um von dem Erlös weltweit Impfaktionen gegen Kinderlähmung (Polio) mitfinanzieren zu können. 500 Deckel aus Polyethylen, einem hochwertigen recyclingfähigen Material, reichen bereits für ein Leben ohne Kinderlähmung aus. Wie das sein kann? Ein einzelner Deckel wiegt rund zwei Gramm. 500 Deckel ergeben etwa 1 kg Material, der Erlös deckt die Kosten einer Impfung. Seit dem Start der Aktion konnten bereits 50 Millionen Deckel verarbeitet und allein aus diesem Erlös 100 000 Schluckimpfungen finanziert werden.

Als die Architektin Carina Zwerschke zum ersten Mal im Rotary Club Parchim, dem sie seit dem Sommer vergangenen Jahres angehört, auf diese Sammelaktion aufmerksam gemacht wurde, stand für sie sofort fest: Diesem sozialen Projekt würde sie gern persönlich in unserer Region zum Erfolg verhelfen. Vor allem der Ansatz, dass es so einfach ist und jeder, der möchte, mitmachen kann, habe sie an dieser Aktion so begeistert. Total gefreut hat sie sich, dass gleich mehrere Einrichtungen als Sammelstellen zur Verfügung stehen: „Wir sind dabei, weil wir als Kindereinrichtung etwas für andere Kinder bewirken können“, spricht Uta Hoffmann, Erzieherin in der Kita „Moosterzwerge“ im Namen des gesamten Teams. Kita-Leiterin Rita Schlottmann schwärmt: „Es ist so schön zu sehen, wie viele Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten und sogar Firmen sich bereits von unseren Kindern anstecken ließen und fleißig mitsammeln.“ In der Siggelkower Kita haben sechs Erzieherinnen derzeit 37 Kinder in drei Gruppen unter ihrer Obhut. Insgesamt können in dem Haus 45 Jungen und Mädchen betreut werden.

Weitere Sammelbehälter stehen im CAP-Markt in Dobbertin, in der Küche im  Kloster Dobbertin, in der Marnitzer Schule sowie direkt in Parchim in der Paulo-Freire-Schule, in der Kanzlei Streit & Partner sowie im Psychosozialen Wohnheim am Voigtsdorfer Weg 20. Die Tonnen hat freundlicherweise der Entsorger Alba Nord zur Verfügung gestellt, die Aufkleber brachte AO-Design an. Als großes Zwischenlager dürfen die Unterstützer der lokalen Aktivitäten Räumlichkeiten bei Landwirt Jürgen Fokuhl in Stralendorf nutzen. Dort sowie in den erwähnten Sammelstellen können auch Einwohner aus der Region gern ihr Sammelgut abgeben. Das von den Parchimer Rotariern angepeilte Minimalziel ist es, in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen vier ca. 1 Kubikmeter fassende Kunststoffsäcke (sogenannte Bigbags) randvoll mit Kunststoffdeckeln zu füllen. Jeder Sack bringt es dann auf ein Gewicht von ca. 180 bis 200 kg.

Die Ausrottung der Kinderlähmung gehört seit vielen Jahren zu den humanitären Hauptprojekten der Rotary Clubs in aller Welt. 1985 riefen Rotary International und die Weltgesundheitsorganisation WHO die Global Polio Eradication Initiative ins Leben. Durch die enormen Fortschritte der letzten Jahre und die vielfache Unterstützung weiterer großer Organisationen und Spender rückt das Ziel 2018 in greifbare Nähe: Bis dahin soll die Übertragungskette weltweit unterbrochen sein. Die Krankheit existiert heute noch in Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Experten sind aber auch sensibilisiert: Durch den Rückgang der Impfungen in Europa kann eine Rückkehr von Polio nicht ausgeschlossen werden.

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