Naturschutzgebiet Darzer Moor : Moor ein Refugium botanischer Kostbarkeiten

<fettakgl>Das Darzer Moor</fettakgl> vor den Toren der Kreisstadt lädt zu jeder Jahreszeit zu einem erlebnisreichen Spaziergang ein.<foto>Thomas Zenker</foto>
Das Darzer Moor vor den Toren der Kreisstadt lädt zu jeder Jahreszeit zu einem erlebnisreichen Spaziergang ein.Thomas Zenker

Das Große Moor ist ein typisches Hochmoor mit einer spezifischen Flora und Fauna. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit und ist besonders, weil es auch gut zu erreichen ist, für jeden Naturfreund interessant.

svz.de von
23. November 2012, 06:39 Uhr

Darze | Das Große Moor ist ein typisches Hochmoor mit einer spezifischen Flora und Fauna, das ca. 150 Hektar groß ist. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit und ist besonders, weil es auch gut zu erreichen ist, für jeden Naturfreund interessant. Einige Hinweisschilder im Eingangsbereich des Moores geben Auskunft über Verhaltensregeln und wichtige Informationen zum Naturschutzgebiet selbst. Schon dort fallen besonders im Frühjahr die reichlich blühenden Bestände der Wasserprimel oder Wasserfeder (Hottonia palustris) auf. Hier findet man auch eine Orchidee, den Breitblättrigen Sitter(Epipactis helleborine), die noch bis in den Herbst hinein ihre Samenkapseln entwickelt. Eigentlich ist sie aber eine Waldorchidee, die aber auch sehr variabel andere Biotope besiedelt. Sie kommt erst neuerdings dort vor und steht wie die Wasserfeder unter Naturschutz. Entlang dem Naturlehrfad bei den Fischteichen blühen das Sumpfveilchen (Viola palustris), Sumpf-Vergissmeinicht (Myostis palustris), Sumpfscharfgabe (Achilea ptarmica), aber auch Binsen, Seggen, Farne und Gräser und überall ist das Sumpf-Torfmoos (Sphagnum). Mit etwas Glück kann man hier Graugänse, Rohrdommel, Rohrweihe sehen. Den Kranich, der schon von weitem zu hören ist, ist im Moor Brutvogel und darf nicht gestört werden. Man kann ihn auf den Wiesen um das Naturschutzgebiet beobachten.

Dann ist man schon bei den alten Torfstichen, dem Kernstück des Hochmoores. Hier ist neben vielen seltenen Pflanzen und Tieren, auch die scheue Kreuzotter zu finden. Bei der Kreuzotter werden im August, September 5-18 Jungtiere lebend geboren. Die Otter ist im Naturschutzgebiet eher selten und sehr scheu, sodass Schlangenbisse unwahrscheinlich sind.

Die zum Teil voll Wasser gelaufenen Torfstiche sind reich an Beständen der Sumpf-Calla (Calla palustris) oder auch Schlangenwurz genannt. Sie steht unter Naturschutz! Sumpf-Blutauge(Potentilla palustris), Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Schmalblättriges Wollgras (E.angustifolium), Wasserschwertlilie (Iris aquatica), Scheinzypergrassegge (Carex pseudocyperus), letztere selten, runden das Vegetationsbild ab. Die Bestände des Wasserschlauches (Utricularia vulgaris) sind seit Jahren nicht stabil, eher rückläufig. Eine Ursache hierfür könnten der saure Regen und zunehmende Umweltverschmutzung sein. Moore reagieren sehr empfindlich und zeigen uns damit, wie sorgsam wir mit unserer Natur umgehen müssen. An den Rändern dieser wassergefüllten Torfkuhlen gedeiht eine fleischfressende Pflanze, die aber auch auf reinem Torf sowie auf lebenden Torfmoosen wächst, der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia). Er fängt mit seinen klebrigen Drüsenhaaren kleinere Insekten, die dann verdaut werden. Der Sonnentau blüht im Sommer und ist geschützt! Die Bestände des Sonnentaus im Naturschutzgebiet sind seit Jahren mehr oder weniger gleichbleibend.

Auf den Torfstichen wächst noch eine andere botanische Kostbarkeit, die kleine und unscheinbare Moosbeere (Oxycoccus palustris). Sie ist in der Roten Liste der Gefährdeten Arten mit dem Gefährdungsgrad 3 eingestuft worden. Die Blätter sind immergrün, die Beere ist rot und die Kronzipfel der rosa Blüten zurückgeschlagen. Die Moosbeere blüht von Juni bis August. Man muss schon genau hinschauen, um sie zu finden. Hier in diesem Biotop fand ich auch den Lindenschwärmer, während der Rauschbeerschwärmer nur an der Futterpflanze vorkommt. Im August fliegt in der zweiten Generation der Große Schillerfalter, der bei einfallendem Licht blau schillert. Er bevorzugt die Eichen im Naturschutzgebiet und kommt nur morgens zum trinken auf die Erde, um wieder in den Baumwipfeln der älteren Eichen spurlos zu verschwinden. Der Große Schillerfalter ist selten und ist geschützt! Sein Vorkommen im Moor ist wohl durch das benachbarte Wockertal begünstigt, wo ich ihn auch beobachten und fotografieren konnte. Streift man weiter durch das Moor, kann man zwei Bärlapparten finden, den KolbenBärlapp und den selteneren Wacholder-oder Schlangen-Bärlapp. Diese beiden Relikte aus einer längst vergangenen Zeit kamen schon vor mehreren Millionen von Jahren vor. Reich ist das Große Moor auch an Moosen und Pilzen. Bemerkenswert ist die Beobachtung der Turteltaube und des Bruchwasserläufers in den Siebziger Jahren. Beide Beobachtungen sind im Ornithologischen Rundbrief für Mecklenburg vermerkt. An Libellen gibt es die Kleine Moosjungfer, verschiedene Heidelibellen, Smaragdlibelle, Plattbauch, Vierfleck, Herbst-Mosaikjungfer, Azurjungfern, Adonislibelle, Pechlibelle und andere Arten, deren Auswertung noch nicht abgeschlossen ist. Für die Zukunft des Naturschutzgebietes Großes Moor bei Darze sind Gespräche wichtig, um das gesamte Moor, eine Fläche von 300 Hektar, unter Schutz zu stellen. Denn nur der Schutz des ganzen Biotops ist ein wirksamer Schutz! Wer mehr über das Naturschutzgebiet erfahren möchte, sollte die Stadthalle in Parchim besuchen, wo bis zum 31. Dezember eine Naturfotoausstellung stattfindet. Gezeigt werden auch Bilder aus dem Moor.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen