Suckower Agrar KG : Mit Mähdrescher-Trainer in die Gerste

<fettakgl>Die Sonne steht hoch,  ein leichter Wind geht </fettakgl>- optimale  Bedingungen  für den Gerstendrusch. Trotzdem  ist  die Ernte in diesen Tagen ein Wettlauf  gegen die Zeit und das Wetter.
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Die Sonne steht hoch, ein leichter Wind geht - optimale Bedingungen für den Gerstendrusch. Trotzdem ist die Ernte in diesen Tagen ein Wettlauf gegen die Zeit und das Wetter.

Die Getreideernte hat begonnen: Die Suckower Agrar KG erwartet in diesem Jahr einen durchschnittlichen Ertrag. Und der Münsteraner Mähdrescher-Trainer macht momentan die vier Fahrer fit für die Ernte.

svz.de von
11. Juli 2012, 04:05 Uhr

Suckow | Dass die Technik immer nur so gut ist, wie die Leute, die sie bedienen, ist zwar eine Binsenweisheit. Rainer Hromada, Geschäftsführer der Suckower Agrar KG nimmt sie dennoch ernst und hat zum Start der Getreideernte einen Mähdrescherfahrer-Trainer engagiert. "Uns geht es darum, das Maximum aus unserer Technik und den Flächen herauszuholen", sagt der Landwirt. Allein bei der Gerste sind es 120 Hektar, auf denen seit Sonntag Mittag zwei Mähdrescher unterwegs sind - im Wettlauf gegen die Zeit und gegen das Wetter, gecoacht von Martin Reichelt. Der Münsteraner ist in diesen Wochen tageweise nicht nur auf deutschen Äckern unterwegs, sondern weltweit. Selbst im fernen Kanada sind die Qualitäten des gelernten Landwirts, der sich auf die Kniffe der Acker-Giganten spezialisiert hat, gefragt. Wie ein Trainer seine Sportler beobachtet und immer wieder korrigiert, hat er die Mähdrescher im Auge und das, "was sie fallen lassen". Den Verlust. Möglichst unter 1,5 Prozent soll der liegen. Obwohl erfahren, kann auch Reichelt das nicht mit bloßem Auge sehen. Eine orange Wanne mit diversen Skalierungen, die er bei den fahrenden Mähdreschern zwischen die riesigen Hinterräder und den Strohauswurf schieben muss, hilft ihm. Und sagt ihm "es geht noch besser". Immer wieder instruiert der Coach die Suckower Fahrer, verrät ihnen Kniffe, lässt sie ausprobieren, korrigiert erneut. "Wir wollen das Optimale aus der Technik rausholen", sagt er, "und die Jungs machen sich."

Hromada weiß die Gage für den Coach gut angelegt, zu schnell sind etliche Doppelzentner Verlust eingefahren oder besser gesagt, bleiben auf dem Acker liegen. Zuviel, denn die Suckower wollen in diesem Jahr insgesamt ihre 2600 Tonnen Getreide ernten - Gerste, Weizen und Roggen.

Wenn das Wetter mitspielt, zwischen etwa 12 und 22 Uhr gedroschen werden kann, dann könnte die Gerste heute komplett eingefahren werden. Zeit wird es, denn sie ist mehr als reif. Längst hat Hromada erste abgeknickte Ähren entdeckt. Weil die vom Schneidwerk nicht mehr erfasst werden können, sieht er es mit Sorge: "Dagegen kommen wir auch mit optimierter Druschtechnik nicht an, da zählt einfach nur die Zeit." An guten Tagen mit intensiven neun bis zehn Druschstunden sind das etwa 30 Hektar pro Mähdrescher. Am Montag, als um 19.30 Uhr der Regen kam, schafften beide Maschinen 48 Hektar.

Wenn die Gerste vom Halm und das Stroh für die KG-eigenen 280 Milchkühe und nochmal soviele Jungrinder zu Quaderballen verpresst und eingelagert ist, kommen die nächsten Kulturen dran. Hromada: "In aller Regel zuerst der Raps, dann der Weizen, zum Schluss der Roggen. Der Geschäftsführer der Hromada Agrar KG Suckow, die Mitglied der Erzeugergemeinschaft "Qualitätsgetreide" Parchim ist, geht von einem etwas unter dem Durchschnitt liegenden Ernteertrag aus. "Im April, Mai und Anfang Juni hatten wir nur sehr wenig Regen, in den letzten Wochen dafür aber einen ständigen Wechsel von Sonne und Feuchtigkeit. Das hat das Getreide schneller abreifen lassen, mürbe gemacht." Wenn das so weiter geht, muss vielleicht umdisponiert, der Weizen vor dem Raps eingebracht werden. "Entscheidend ist die Fallzahl, die in der Qualitätskontrolle darüber entscheidet, ob der Weizen als Basis für einträglicheres Backmehl oder doch nur als Futtermittel verkauft werden kann", sagt Hromada.

Die Suckower müssen sich darum nicht selbst kümmern, das besorgt die Erzeugergemeinschaft, die die Kontakte zu den Käufern hält, Preisabfragen macht, Tagespreise im Auge behält. "Heute verkaufen wir Landwirte das ganze Jahr hindurch - ein Drittel vor, eins während und eins nach der Ernte. Das hängt ganz einfach mit den volatilen Märkten zusammen", sagt der Geschäftsführer und erklärt, "die Getreidepreise sind ständig in Bewegung, verändern sich." So haben die Suckower zum Beispiel ihre erste Gerste bereits im März verkauft. Damals für 175 Euro die Tonne. Im Juni erzielten sie 195 Euro, aktuell bekommen sie 235 Euro. Ähnlich ist es mit den anderen Kulturen. Kein schlechtes, kein gutes, eben ein durchschnittliches Jahr. "Na klar ärgert man sich, dass man so früh abgeschlossen hat, denn momentan sind die Preise am Steigen. Aber das ahnt man ja vorher nicht", sagt Hromada und weiß, dass der Verkaufspoker in diesem Jahr wohl wieder funktionieren wird - vorausgesetzt, die Ernte läuft glatt. Und da bringen seine Jungs mit ihrem Extra-Drusch-Training immerhin beste Voraussetzungen mit.

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