„Kunst offen“ : Mit Kunst die Mülllawine stoppen

Noch ein Modell, aber am Pfingstwochenende mitten im Dorf sicher nicht zu übersehen: Der „Müll-Wal“ von Hans-Eike Müller.
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Noch ein Modell, aber am Pfingstwochenende mitten im Dorf sicher nicht zu übersehen: Der „Müll-Wal“ von Hans-Eike Müller.

Kunst- und Kulturverein „Quelle“ bereitet für Pfingsttage Projekt „Der Kunst-Stoff Kunststoff“ vor. Viele Partner sind wieder mit im Boot.

svz.de von
31. Mai 2017, 05:00 Uhr

Müll und Kunst, wie passt das zusammen? Der in Parchim geborene Aktionskünstler HA Schult hat mit seinen „Trash People“ (Müll-Menschen) weltweit Millionen Menschen in den Bann gezogen, um mit Mitteln der Kunst auf das zunehmende Abfallproblem aufmerksam zu machen. Zur diesjährigen Aktion „Kunst offen“, bei der an 229 Orten in Mecklenburg-Vorpommern 374 Profi- und Laienkünstler kunstinteressierte Gäste einladen, greifen die Mitglieder des Kultur- und Kunstvereins „Quelle“ aus Grebbin dieses Thema auf. „Wir leben im Plastikzeitalter. Plastik kann töten und Plastik kann Leben retten. Plastik kann krank machen. Plastik kann aber auch heilen“, meint der Vereinsvorsitzende Maik Kindler und konnte damit zahlreiche Mitstreiter von den Kindern der Kita „Pfiffige Füchse“ in Friedrichsruhe, Sechstklässer der „Paulo Freire“ Schule in Parchim, Profikünstler und Mitgliedern sowie Sympatisanten des Kunstverein für seine Idee gewinnen. „Für uns gilt, jeder Mensch ist ein Künstler“, meint Kindler.

An den drei Pfingsttagen (3./4. und 5. Juni) dreht sich in Grebbin alles um das „Müllprojekt“. Vis-a-vis der gerade neu gestalteten Warnow-Quelle mitten im Dorf wird ein riesiger Wal die Blicke auf sich lenken. Hans-Eike Müller, der in der denkmalgeschützten Mühle wohnt, hat eine Grebbiner Familie für sein Projekt gewonnen. Sie hat ein halbes Jahr lang für ihn den Abfall, der sonst in Gelben Säcken oder der Tonne landet, gesammelt. „Damit gebe ich meinem sechs mal zwei Meter großen Wal sein Aussehen. Ich hoffe, es regt zum Nachdenken an“, so Müller.

In der Grebbiner Kirche zeigt Bildhauer Herbert W.H. Hundrich seine „fürchterlich, authentischen Augenmerk“, der den Bogen von der Plastikflut bis zur Flüchtlingsflut spannt. „Ziel ist es, zu interessieren, zu faszinieren, aber nicht zu schockieren oder zu kritisieren“, sind sich die Akteure einig. Jeder bringt ein, was er am besten kann : Julia Ginsbach (Malerei), Ilse Blümel (Kunsthandwerk/Klöppeln), Conny Gomolog (Dekoration), Thomas Kolb (Grafik/Design), Hans Eike Müller (Gestaltung), Fred Dott, Björn Heckendorf, Tom Sellbach (Fotografie), Maik Kindler und Yves Müller (Kunsthandwerk sowie Karola und Werner Friedhoff (kreative Unterstützung).

Am Pfingstmontag stehen in Grebbin die Kinder und Familien im Mittelpunkt. Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem kindgerechten Gottesdienst in der Kirche. Auch dabei wird es um das Thema „Müllvermeidung“ gehen. Im benachbarten Pfarrhaus sind die Jungen und Mädchen zum Kunst mitmachen eingeladen. Töpfer Dirk Fiebig zeigt, was aus Ton gemacht werden kann, den er quasi vor er Haustür gewonnen hat. Ab 13 Uhr wird zum Mitmach-Theater unter dem Motto „Kinder haben ein Recht auf Spielen“ ein geladen. „Die drei Tage fordern alle Beteiligten stark. Wir haben uns deshalb entschlossen, ein zunächst geplantes Finale mit internationaler Musik nun doch nicht stattfinden zu lassen“, so Maik Kindler.  

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