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Persönlich : Mit der Vespa einmal Italien umrundet

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Nati Rasch aus Parchim berichtet in ihrem Buch „Ragazza motorizzata “ von einem ganz besonderen Abenteuer / Am 5. März Lesung in „Der Buchladen“

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 15:59 Uhr

14 Wochen am Stück ließ Nati Rasch aus Parchim das Leben auf sich regnen*. Mit ihrer Vespa namens „Mimi“ umrundete sie von Mitte Juli bis Ende Oktober 2012 ganz Italien. Auf ihrer 8800 Kilometer langen Reise bei einer Höchstgeschwindigkeit von nicht einmal 50 km/h immer am Meer entlang verweilte sie – mal für eine Nacht, mal für ein paar Tage – an etwa 30 verschiedenen Orten, von denen sie viele am Morgen noch gar nicht auf dem Schirm hatte, wenn sie ihren feuerroten Motorroller für die nächste Etappe startklar machte. Die Abenteurerin lernte schon ganz zu  Beginn ihrer Wegstrecke  auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen, das ihr fortan zuverlässig im richtigen Moment am richtigen Ort ins Ohr flüsterte:  „Hier ist aber ein schönes Fleckchen. Hier gefällt es dir. Such dir ein Quartier.“

Fünf Notizbücher voller  Erinnerungen

Ihre Erlebnisse, Begegnungen  und Beobachtungen, die sie wie einen Schwamm aufsaugte,  hat Nati Rasch regelmäßig nach einem fest in den Tagesablauf eingebundenen Ritual aufgezeichnet. Als wertvollstes Urlaubssouvenir brachte sie fünf prall gefüllte Notizbücher mit nach Hause. Nun sind die Abenteuer der „Ragazza motorizzata“, des motorisierten Mädchens, auch als Buch erhältlich: Am 2. März erscheint es offiziell im traveldiary.de  Reiseliteratur-Verlag. Und Nati Rasch hat sich mit 35 Jahren ihren Lebenstraum erfüllt. Sie wollte immer mal ein Buch schreiben. Als Schülerin der achten Klasse verfasste sie ihre erste Kurzgeschichte. Seitdem ist dieses Genre ihr Hobby. „Ragazza motorizzata“  sorgt mit lockerer,  humorvoller, pointierter Feder für Urlaubslaune, verkürzt die Wartezeit auf den nächsten Sommer und ist nicht zuletzt ein sehr persönliches  Plädoyer der Autorin, seinen Träumen Raum zu geben.

Nati Rasch erinnert sich jedenfalls noch sehr genau an jene hundekalte Herbstnacht, als sie mit ihrem Motorroller von einer Vorstellung, in der sie als Orchestermusikerin mitwirkte, heimwärts knatterte. Seitdem war sie wie beseelt von dem Gedanken, „Mimi“ einmal italienische Luft schnuppern zu lassen. Ihre Eltern kommentierten ihren verwegenen Plan entspannt mit den Worten „Wenn du meinst“ und statteten sie mit zwei Dosen Pfefferspray aus. Ihre beiden großen Schwestern beflügelten sie mit der Reaktion: „Toll mach das“. Positive Reaktionen und eine weitere Dose Pfefferspray gab es  auch von den engsten Freunden.  Nati Rasch verkaufte ihr Auto, um für die Reise flüssig zu sein, regelte einige Formalitäten und ließ „Mimi“ noch einmal auf Herz und Nieren durchchecken, bevor das große Abenteuer begann. Klamottentechnisch war die Sache ohnehin klar, wenn nur Platz für eine zierliche Gepäckbox ist: Die großen Zauberworte für die nächsten 14 Wochen hießen: tägliche Handwäsche mit Rei in der Tube. Auch sprachlich fühlte sich Nati Rasch gut gerüstet: Englisch spricht sie ohnehin, den italienischen Grundwortschatz hatte sie sich vor der Reise mit einer Lern-CD beigebracht.  Auf  Sizilien  besuchte  sie noch einen Sprachkurs, zuvor hatte sie bereits in Kalabrien an einem einwöchigen  „heiteren Sprachtraining“  teilgenommen.  Kalabrien wird sie später in ihrem Buch als ihren „Herzort auf dieser Reise“ beschreiben.

Palermo: Der Gipfel des Traffico Intenso

Das  Pfefferspray kam während  der dreieinhalb Monate übrigens nicht einmal zum Einsatz.  „Mimi“ lief die gesamte Tour treu und brav wie ein Bienchen.  Motorroller und seine Fahrerin meisterten die Abenteuerreise pannen- sowie unfallfrei.  Es gelang ihnen sogar, den verkehrstechnischen Supergau  in Palermo unbeschadet zu überstehen. „Ich dachte, nach guten 5000 km auf italienischem Asphalt wären Mimi und ich abgehärtet, doch Palermo ist der Gipfel des ‚Traffico Intenso‘“,  bekommt  Nati Rasch  Pulsrasen, wenn sie daran zurückdenkt. Alle anderen Großstädte seien nur eine Vorstufe, ja reinster Kinderfasching gegen Palermo.  Jenen, die schon alle Extremsportarten durchprobiert haben und den ultimativen Kick suchen, kann Nati Rasch nur empfehlen, sich in Palermo eine Vespa zu mieten und ein Stündchen hin und her zu fahren…. 

„Es war eine coole Reise und ich würde sie jederzeit wieder machen“, steht Nati Rasch die pure Abenteuerlust in den Augen geschrieben. Auf  ihre zuverlässige Reisebegleiterin „Mimi“ wird sie allerdings verzichten müssen: Die feuerrote fünfziger  Piaggio ZIP hat zwar fast 9000 Kilometer in Italien schadlos überlebt, aber Parchim nicht:  Sie wurde vor einem Jahr in der Eldestadt gestohlen. Nati Rasch besitzt inzwischen ein neues Gefährt auf zwei Rädern. Es heißt „Kiki “.

Wer neugierig auf das Buch und eine persönliche Begegnung mit der Autorin ist, sollte sich folgende Termine vormerken: Am 5. März liest und erzählt sie ab 18.30 Uhr in „Der Buchladen“ in der Parchimer Blutstraße. Der Abend hält eine doppelte Premiere parat: Nati Rasch stellt ihr erstes Buch vor, Tilo Tambach lädt zu seiner ersten Lesung in der vor wenigen Tagen von ihm neu eröffneten Buchhandlung ein. Am 19. März und 1. Mai ist die Autorin außerdem jeweils ab 19.30 Uhr zu Gast im Café Melange.  Ein weiteres Abenteuer steht Nati Rasch am zweiten Märzwochenende bevor: Ihr Verlag organisierte für  sie drei Auftritte mit „Ragazza motorizzata“ im Rahmen der Leipziger Buchmesse – zwei innerhalb von „Leipzig liest“ und einen am 14. März zur Mittagszeit direkt auf dem Messegelände. „Ich freue mich tierisch drauf“, gesteht Nati Rasch. Für sie steht schon jetzt fest, dass „Ragazza motorizzata“ nicht ihr einziges Buch bleiben wird. „Schreiben ist ein tolles Hobby. Man wird vom Gehetzten zum Beobachter und bekommt Abstand zu vielen Dingen. Das beruhigt und ist meditativ“, hat Nati Rasch ihren Ausgleich zum Alltag seit langem gefunden.

 

*Nati Rasch stellte ihrem Buch folgenden Aphorismus der deutschen Schriftstellerin und Salonniére Rahel Antonie Friederike Varnhagen von Ense (1771-1833) voran: „Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.“

 

 

Die Autorin

Nati Rasch, 35, war zwölf Jahre lang als Orchestermusikerin hauptsächlich in Chemnitz an der Robert-Schumann-Philharmonie tätig. Das Horn-Spiel erlernte sie bereits als Kind an einer Kreismusikschule und fand daran so viel Gefallen, dass sie es später zum Beruf machte. 2012 gönnte sie sich eine berufliche Aus-Zeit. Tief im Innern war da auch immer der Wunsch, wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zurückzukehren, wo sie aufgewachsen ist.

Der Zufall wollte es, dass ausgerechnet an der Regionalen Schule „Fritz Reuter“ in Parchim eine Musiklehrerin gesucht wurde: Seit dem Sommer 2013 unterrichtet sie nun auf dem Mönchhof dieses Fach. Nati Rasch fühlt sich in Parchim angekommen und an ihrem neuen Arbeitsplatz sehr wohl.

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