Parchim : Mit 90 in die Wohngemeinschaft

In der Küche der Wohngemeinschaft: Irmtraud Maltzahn (76), Erika Müller (90), Margot Blöhe (78) und Anni Schünemann (87) mit Geschäftsführerin Katrin Vlachojannis (r.) und Petra Schulz (l.), die vieles in der Gemeinschaft organisiert.
In der Küche der Wohngemeinschaft: Irmtraud Maltzahn (76), Erika Müller (90), Margot Blöhe (78) und Anni Schünemann (87) mit Geschäftsführerin Katrin Vlachojannis (r.) und Petra Schulz (l.), die vieles in der Gemeinschaft organisiert.

Parchimer Seniorinnen fühlen sich in neuer WG wohl. Erste von drei Zwölfer-Gemeinschaften ist so gut wie ausgebucht.

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18. August 2016, 05:00 Uhr

Erika Müller ist 90 Jahre. Mit diesem Alter ist die Parchimerin wie eine junge Studentin in eine Wohngemeinschaft (WG) gezogen. Ihre Adresse: Scharnhorststraße/Ecke Putlitzer Straße, gleich neben dem Einkaufsmarkt. Dort wohnen u. a. auch Anni Schünemann (87), Margot Blöhe (78) sowie Irmtraud Maltzahn (76).

Zehn von zwölf Zimmern in der ersten von drei Wohngemeinschaften sind belegt. Als wir die Frauen treffen, hat sich ein elfter Interessent gefunden. Es muss erst noch eine Mieterversammlung stattfinden, sagt Geschäftsführerin Katrin Vlachojannis. Denn vor einem Einzug wird jeweils ausgelotet, ob die Chemie stimmt.

Die Bewohnerinnen von Parchims besonderer WG, mit denen wir sprechen, sind offensichtlich begeistert. Vor über zwei Monaten sind Anni Schünemann und Erika Müller als die Ersten eingezogen. Sie hatten vorher schon im selben Haus gewohnt und sich u.a. zum gemeinsamen Kochen und Essen getroffen.

Als Anni Schünemann über die Zeitung erfahren hat, dass in der Putlitzer Straße Wohngemeinschaften eröffnet werden, hat sie sich sofort angemeldet. „Ich möchte meinen Kindern nicht zur Last fallen“, sagt die 87-Jährige. Sie schwärmt von ihrem neuen Zuhause. „Mir gefällt es sehr gut.“ Als ihre Nachbarin Erika Müller, die wegen Krankheit nicht mehr so mobil ist, von den Plänen hörte, stand für die 90-Jährige fest: „Ich komme mit.“

Irmtraud Maltzahn wohnt seit neun Wochen in der WG. „Ich bereue nicht, den Schritt gemacht zu haben“, sagt die 76-Jährige. Ihr Kinder kümmern sich gut um sie, erzählt sie. Als die Diabetikerin einmal bewusstlos in der Diele lag, stand fest, dass sie nicht mehr in ihrer Wohnung alleine bleiben kann. 25 Jahre lang hatte sie in der Parchimer Weststadt gewohnt. Ihre Enkelin hatte sie auf die neue WG aufmerksam gemacht.

Vor vier Wochen ist Margot Blöhe aus Stralendorf in die Wohngemeinschaft gezogen. „Ich habe es nicht bereut“, sagt die 78-Jährige. Einer helfe dem anderen. Voll des Lobes ist sie auch für die Frau, die als sogenannte Präsenzkraft alles lenkt und leitet in der WG, vom nötigen Schriftverkehr bis zum Einkauf: Petra Schulz. „Unsere Petra ist für jeden da“, sagt Margot Blöhe. „Sie ist immer einsatzbereit.“

Petra Schulz verwaltet u.a. auch das Wirtschaftsgeld. Auf 150 Euro im Monat pro Bewohner haben sich die Mieter vorerst für diejenigen geeinigt, die zu allen Mahlzeiten kommen. Gemeinsam mit Petra Schulz beraten sie über den Einkauf. Beim Kochen helfen alle, so gut sie können. Anni Schünemann ist die Chefin am Kochtopf, Irmtraud Maltzahn die Spezialistin beim Backen.

Die jüngste Bewohnerin ist 47 Jahre. „Ich war mir unsicher, ob das klappt mit Alt und Jung“, so Katrin Vlachojannis. Aber es funktioniere sehr gut. Auch der erste Mann möchte einziehen.

Ist es in einer solchen WG nicht zu eng, wollen wir von den Frauen wissen: „Wir haben uns vergrößert“, so Anni Schünemann. Sie verweist auf die große Küche, in der zusammen gegessen, gekocht und geklönt wird. Es gibt für die Gemeinschaft einen großen Wohnraum und ein kleines Zimmer, in das man sich zurückziehen kann. Dazu kommen die separaten Zimmer mit Sanitärtrakt, die jeder selbst eingerichtet hat. Insgesamt umfasst eine WG für zwölf Bewohner eine Fläche von 400 Quadratmetern.

(Weitere Informationen finden Sie in der Printausgabe und im E-Paper)

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