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Ausgrabungen in Siggelkow : Mistwetter macht Archäologen froh

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Herbstliche Feldbegehung ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger ergänzte erfolgreich diesjährige Grabungskampagne

Tagelang hatte es bei nachts schon teilweise frostnahen Bodentemperaturen in der Region geregnet und auch jener Oktobermorgen hüllte sich in zähes Nebelgrau, als insgesamt 15 Mitglieder und Freunde der Kulturbund-Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte auf Äckern bei Siggelkow und Karbow ausschwärmten. Das vorherige „Schietwedder“ hatte nach Einschätzung des Archäologen Rolf Schulze – welcher die beiden diesjährigen Forschungsgrabungen an Ort und Stelle leitete (SVZ berichtete) – günstige Bedingungen für erfolgversprechende Flurbegehungen geschaffen.

Auch die selbstverständlich konsultierten Eigentümer bzw. Bewirtschafter besagter Flächen hatte grünes Licht zum Betreten der teilweise bereits neu bestellten Äcker gegeben. So suchten die eilig aus der Umgebung von Lübz, Ludwigslust und der Landeshauptstadt Schwerin mobilisierten ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger die Areale nach sogenannten Oberflächenfunden ab. Denn das allgemein als unfreundlich empfundene Herbstwetter hatte solche Relikte vergangener Epochen womöglich auf der frisch umbrochenen Ackerkrume freigelegt.

Und tatsächlich trog sie ihr Gespür auch diesmal nicht, freuten sich die Hobbyarchäologen um Ramona Ramsenthaler, als sich in der am Feldrand formierten Suchkette bereits nach den allerersten Schritten die meisten Teilnehmer bückten, um etwas Interessantes näher zu betrachten. Die Schweriner Fachgruppenleiterin und langjährige Gymnasiallehrerin für Geschichte sowie der professionelle Archäologe Rolf Schulze waren augenblicklich von allen Seiten gefragt: „Was ist uralte Keramikscherbe und was ist bloß ein flacher Stein?“

Dem ersten Anschein nach unterscheiden sich beide hier kaum in ihrem erdigen Grau. Doch die erfahrenen Sucher zeigen die feinen Unterschiede (etwa durch Fingernagelkratzen am Rand zu erfühlen) gern den „Neulingen“, welche diesmal sogar zu fünft waren.

Auch Jessika Knepper aus Karstädt zählt sich dazu, obwohl sie schon einmal bei einer Feldbegehung mitgeholfen habe, wie sie erzählt. Die junge Frau arbeitet die Woche über in Hamburg als Sozialversicherungsfachangestellte und ist durch Freunde auf diese heimatliche Fachgruppe gestoßen. Diesmal ist ihr gleich zu Beginn des Tages Fundglück beschieden, denn bei jenem rundlichen Klümpchen, das sie Rolf Schulze zeigt, handelt es sich doch um ein Stück vom Henkel eines vermutlichen Kruges sogenannter grauer Irdenware. Diese Art Töpferware war typisch für die frühesten deutschen Siedler in der Zeit, nachdem die Eroberer um Heinrich den Löwen die Slawen Ostelbiens im 12. Jahrhundert besiegt hatten.

Daneben entdecken die Suchenden auch noch viele Scherben typisch slawischer Ausformung und Bemusterung, was wohl zu erwarten war, weil die seinerzeit Besiegten auch weiterhin die Bevölkerungsmehrheit des Landstrichs repräsentierten und sich erst allmählich über Jahrhunderte mit den Einwanderern mischten. Das darauf folgende Mittelalter und die frühe Neuzeit ließen sich auf dem herbstlichen Acker anhand von Keramikfunden ebenfalls gut nachweisen.

Aber auch Volkmar Menck hatte nicht umsonst seinen Metalldetektor eingesetzt, obwohl die Sonde ziemlich oft durch Pieptöne etwas anzeigte, was sich meist als „neu moderner Schrott“ entpuppte. Manchmal aber lohnte das vorsichtige Aufkratzen der „fundverdächtigen“ Ackerkrume aber doch, weil sie dann neben einer eisernen Messerklinge und einem noch undefinierten, gemusterten Teil aus demselben Material u.a. eine Gürtelschnalle und etliche, meist miniaturische Fragmente aus Bronze ans Licht brachte.

Mit Spannung hörten die Hobbyarchäologen den Erläuterungen Rolf Schulzes zum bisherigen Erkenntnisstand über das historische Areal um den „Mons Sancti Michaelis“ (Michaelsberg) bei Karbow zu. Dieses Gebiet umfasse nicht nur das sagenhafte Dorf Cesemowe. Auch die einstige Lüneburger Michaelis-Wallfahrtskirche gehöre dazu sowie eine mittelalterliche Burganlage nebst Siedlung namens „Stübendorf“.

Das alles zusammen sei größer als Parchim zu jener Zeit gewesen und müsse einmal ziemliche Bedeutung gehabt haben. Diese allerdings liege noch immer im Dunkeln, genau wie der Grund, warum es nach schriftlichen Quellen schon 1430 wüst gefallen war. „Vielleicht wissen wir ja bei unserer Jahrestagung der Archäologischen Landesgesellschaft am 14. November schon ein wenig mehr“, verabschiedete sich der Forscher von seinen Helfern. SVZ bleibt an dem spannenden Thema dran.

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