Parchim : Mieten steigen in der Kreisstadt

Beliebte Wohngegend: die Innenstadt von Parchim.
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Beliebte Wohngegend: die Innenstadt von Parchim.

Kaltmieten liegen teilweise weit über fünf Euro pro Quadratmeter. Mieterverein zieht Bilanz und wählt neuen Vorstand.

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11. Juni 2016, 05:00 Uhr

Eine Reihe von Mietern im Altkreis Parchim soll mehr Geld für ihre Wohnungen zahlen, auch wenn überhaupt nicht modernisiert wurde. Das beobachtet der Mieterverein Parchim-Lübz und Umgebung.

„Mehrere größere private Vermieter, vor allem in Parchim, verlangen von den Mietern Zustimmungen zu Mieterhöhungen”, heißt es im jüngsten Bericht, den Geschäftsführerin Catharina Möller-Federau bei der Mitgliederversammlung in der Kreisstadt vorstellte, und den die Vereinsvorsitzende Gertrud Schulz erläuterte. Dabei laufe es meist auf eine individuelle Einigung hinaus.

Die Vermieter haben theoretisch das Recht, die Preise bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete anzuheben, wobei die Steigerung begrenzt ist. Da es allerdings keine Mietspiegel gibt, die man als Grundlage nehmen könnte, ziehen große Wohnungsanbieter den eigenen Bestand zu Rate. Dabei werden nach Ansicht des Mietervereins aber zuweilen gerade die Wohnungen hinzugezogen, die bereits im oberen Preissegment liegen, sagt Gertrud Schulz.

Insgesamt gibt es im Altkreis Parchim nach Einschätzung des Vereins einen ausreichenden Wohnungsbestand. Leerstände teurer, neu gebauter Wohnungen in Plau und Parchim seien rückläufig. Die Mietpreise liegen teilweise weit über fünf Euro pro Quadratmeter.

Plau am See scheint das teuerste Pflaster im Altkreis Parchim zu sein. Zumindest hat das Jobcenter für seine Kunden, die Hartz-IV-Empfänger, hier neben Boizenburg im Durchschnitt die höchsten Mietkosten im Landkreis-Ludwigslust Parchim ermittelt, weiß Gertrud Schulz aus ihrer Arbeit im Sozialausschuss des Kreises.

In den Dörfern seien die Mieten durchschnittlich noch günstiger, in nicht sanierten Plattenbauten liegen sie teilweise noch bei drei bis vier Euro je Quadratmeter. Es sei aber nur ein knappes Wohnungsangebot von preiswerten und kleineren Wohnungen für Hartz-IV-Empfänger, besonders in den Städten, vorhanden.

Dabei sieht die Mieterverein mit Blick auf die Jobcenter noch viel Potenzial, zum einen, um weitere Mitglieder zu gewinnen, zum anderen um der Verschwendung von Steuergeldern entgegenzuwirken.

„Hartz-IV-Empfänger brauchen zunehmend unsere Hilfe, um ihre Rechte bei Mängeln der Wohnung und Mietminderung durchzusetzen“, so Schulz. Die Beseitigung von Mietmängeln sei nur schwer zu erreichen, da die Jobcenter keine völlig berechtigen Mietkürzungen akzeptieren würden. Hier werden nach Ansicht des Vereinsvorstandes ebenso öffentliche Gelder verschwendet wie durch ungeprüfte Betriebskostenabrechnungen. Die Jobcenter schicken auch Menschen mit hohen Nachforderungen von Betriebskosten zum Mieterverein. Aber die Betroffenen können häufig nicht den geringen Sozialbeitrag aufbringen, um eine Mitgliedschaft im Verein zu begründen.

Gertrud Schulz lobt ein Modell in Neubrandenburg mit einer Kooperationsvereinbarung zwischen Jobcenter und Mieterverein, wodurch Hilfesuchende Rat bekommen und gleichzeitig auch dafür ein Obolus an den Verein gezahlt wird. Gerade bei strittigen Betriebskostenabrechnungen lassen sich teilweise mehrere hundert Euro pro Fall sparen, weiß der Verein aus seiner Arbeit. Die wiedergewählte Vereinsvorsitzende Gertrud Schulz sieht in der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter ein Aufgabenfeld für das kommende Jahr.

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