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Denkmalbereich : Mestlin will kein Musterdorf sein

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gemeindevertreter lehnen Denkmalschutzbereich „Sozialistisches Musterdorf“ mit Mehrheit ab

von
erstellt am 13.Dez.2014 | 16:00 Uhr

Die Mestliner Gemeindevertreter haben der Ausweisung eines Denkmalbereichs „Sozialistisches Musterdorf Mestlin“ eine Absage erteilt. Die entsprechende Verordnung wurde bei 3 Ja-Stimmen, einer Stimmenenthaltung und 4 Nein-Stimmen abgelehnt. Dabei ging es im Prinzip um die Erweiterung des denkmalgeschützten Bereichs im Dorf etwa bis Lindenstraße und Fritz-Reuter-Straße (Karte rechts).

Damit bleibt es beim Status als Denkmalschutzgebiet nach DDR-Recht rund um das Kulturhaus. Die Gemeinde Mestlin hatte 2012 die Initiative ergriffen, das größer gefasste Ensemble um den Marx-Engels-Platz zum Denkmalbereich zu machen. Eine entsprechende Verordnung – sie regelt auch die Auswirkungen auf die betroffenen Bürger – sollte der Landkreis erstellen. Das gelang nicht, so dass das Amt Goldberg-Mildenitz das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege um Unterstützung bat. Dieser mit „Sozialistisches Musterdorf Mestlin“ betitelte Entwurf stand jetzt zur Abstimmung.

Dabei geht es um den westlichen Teil des Ortes, der 1952 projektiert und bis 1966 als neues Dorfzentrum errichtet wurde. Das Areal sei bedeutend für die jüngere deutsche Geschichte. Ziel der Verordnung ist es, auch „die Luft zwischen den Baudenkmalen zu schützen“, also den städtebaulichen Grundriss zu erhalten, wie Dr. Bettina Gnekow vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege ausführte. Schutz mit Augenmaß bedeute aber auch, dass die berechtigten Interessen der Einwohner berücksichtigt werden. So beziehe sich der Schutzgedanke auf den historischen Grundriss und das historische Erscheinungsbild der baulichen Anlagen und Strukturen.

Aber Mestlin ist eben auch das einzige erhaltene DDR-Musterdorf. Gemeindevertreterin Claudia Stauß (Bündnis für Mestlin) bedauert deshalb die Entscheidung der Gemeindevertretung: „Wir bemühen uns, das Ensemble nicht nur zu erhalten, sondern gleichzeitig auch zu beleben.“ Sie setzt jetzt auf Bürgermeister Uwe Schultze (Unabhängige Wählergemeinschaft), der ankündigte, die Sache noch einmal anzugehen. Claudia Stauß: „Diese Einzigartigkeit als Musterdorf ist die Chance für Mestlin.“ Der Gedanke des Musterdorfs lasse sich durchaus in die Gegenwart tragen – vielleicht im Bereich der eigenständigen Energieversorgung.

Die Gegner des „Sozialistischen Musterdorfs“ macht eine Auflistung von Umbauten, die das Erscheinungsbild beeinträchtigen, misstrauisch. Das Landesamt listet geänderte und wärmegedämmte Fassaden am Kindergarten und an Wohnbauten auf. Auch hoch gewachsene Nadelbäume vor der Schule würden die Erscheinung „des Baukörpers“ beeinträchtigen. Ob das alles rückgebaut werden müsse, blieb unklar. Da liegt es nahe, wie Günter Philipowitz (UWM) zu fragen, welchen Vorteil denn die Menschen im Jahre 2014 von einem „Sozialistischen Musterdorf Mestlin“ hätten.

 

 

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