Parchim : Menschen, Feen und Gnome

Froh über diese gelungene Ausstellung (v.r.): Carsten Kremke, Britta Kremke und die Ehefrau des Künstlers Inge Klein im Gespräch mit Gästen der Vernissage
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Froh über diese gelungene Ausstellung (v.r.): Carsten Kremke, Britta Kremke und die Ehefrau des Künstlers Inge Klein im Gespräch mit Gästen der Vernissage

Skurriler Irrationalismus: Parchimer Galerie ebe zeigt Retrospektive des Universalkünstlers Carlo Cazals.

svz.de von
06. März 2018, 12:00 Uhr

Der März hat gerade begonnen und die Parchimer Galerie „ebe“ präsentiert bereits ihre zweite Ausstellung in diesem Jahr. Mit der Carlo Cazals Retrospektive ist dem Galeristen Eckhard Bergmann erneut ein interessanter Wurf gelungen. Malerei und Zeichnungen aus den Jahren 1975 bis 2017 zeigen die große Bandbreite und auch die Entwicklung dieses außergewöhnlichen Künstlers.

„Kein Sonderling, aber ein Besonderer“, bringt es Eckhard Bergmann in seinen Begrüßungsworten auf den Punkt und erklärt weiter: „Aus gesundheitlichen Gründen kann der Maler heute nicht körperlich anwesend sein, aber sein Geist ist in seinen Bildern hier.“

Und das Gefühl hat man wirklich, wenn man als Betrachter vor „Ich such dich unter vielen“, „Eindruck der Umwelt“ oder „Wahlkampfplakat o.T.VI“ steht, das den Maler persönlich zeigt.

„Skurriler Irrationalismus“ nennt Carlo Cazals seinen Stil und man ist geneigt, sich diesen Begriff im Geiste und beim Betrachten der Bilder zu erschließen. Ironie lässt sich erkennen, aber auch Gesellschaftskritik und eine bestimmte Form der Auseinandersetzung, die er auf Papier und Leinwand bringt. Körper, in sich verschlungen, verfremdet, überzeichnet, Fabelwesen, Feen und Gnome.

Als spiegeln all seine Werke das Innerste seiner Seele wider, eigenwillig und in seiner ganz eigenen, typischen Handschrift. Kraftvoll wirken Cazals großformatige Bilder, in starken Rot-, Grün- und Schwarztönen, lassen einen mitunter nicht mehr los.

Und dann sind da seine Zeichnungen, in denen er einen ganz feinen, filigranen Strich führt und die die leisen Töne in einem zum Schwingen bringen. Und immer hat man das Gefühl, als würde sein Innerstes hin – und her gerüttelt, mal auf laute, kräftige Weise und dann wieder in vollkommener Sanftheit.

„Der Mensch ist auch nur ein Tier, ein Raubtier. Fürchte den Homo Sapiens“, hat der Künstler Carlo Cazals einmal gesagt und das auch in einem seiner Bilder speziell zum Ausdruck gebracht. Und in der Tat scheinen viele Geister in ihm zu toben, wilde Gedanken, die dem Leben versuchen zu trotzen. Sein Malen sei wie eine Therapie, sagte Carsten Kremke während der Vernissage. Und: „Malen ist sein Schutz vor den eigenen Dämonen.“

Britta und Carsten Kremke aus Garwitz verwalten seit 2012 treuhänderisch einen Großteil von Cazals Arbeiten und sind seitdem bestrebt, sie einem breitem Publikum zugänglich zu machen.

In etwa zwei Monaten erscheint zudem ein Buch über sein Leben und seine Kunst, das in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Ulrich Rudolph vom Kunstraum Testorf entstanden ist. Und vielleicht wird es uns den Künstler und Menschen Carlo Cazals noch ein Stück näher bringen, so wie die aktuelle Ausstellung bei „ebe“. Bilder und Zeichnungen, die länger in dem Betrachter nachhallen, als nur einen Besuch lang.
 

Hintergrund: Maler und Tenor in einer Person

Der Maler und Tenor Carlo Cazals wurde 1948 als Udo Klein in Hamburg geboren. 1967 begann er ein Kunststudium an der Kunstfachhochschule Hamburg. Studienreisen führten ihn 1975 nach Italien und Frankreich. Ein Jahr später ging er für ein Studium nach Paris und München.

1997 entwickelte Carlo Cazals den „Skurrilen Irrationalismus“. 2002 zog er mit Ehefrau Inge Klein nach Parchim, wo er bis heute lebt. Seit April 2015 ist er Mitglied im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern.  Ausstellungen des Künstlers waren unter anderem in Hamburg, Ratzeburg, Mölln, Berlin und Mannheim zu sehen. Der Großteil seiner Arbeiten wird treuhänderisch von Britta und Carsten Kremke aus Grawitz verwaltet.

Die Retrospektive ist bis 29.April in der Galerie zu sehen.

Lübzer Chaussee 7, 19370 Parchim

Öffnungszeiten: Di., Do., So. 14 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung (Tel. 0151/18004308)

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