Kinderkrankenhaus Parchim : Mehr Platz für Kinder in Not

Silvio Winkler und Cornelia Gomollok vor dem Haus in der Fichtestraße, in dem Kinder und Jugendliche betreut werden.
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Silvio Winkler und Cornelia Gomollok vor dem Haus in der Fichtestraße, in dem Kinder und Jugendliche betreut werden.

DRK investiert in Erweiterung des früheren Kinderkrankenhauses in der Kreisstadt . Eine Mädchenwohngruppe entsteht in Parchim.

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08. August 2016, 05:00 Uhr

Kräftige Investitionen für die Jugendhilfe in Parchim: Der DRK-Kreisverband steckt fast 400 000 Euro in die Erweiterung und den Umbau des früheren Kinderkrankenhauses in der Fichtestraße. Auf dem Hof entsteht ein Anbau.

Seit zehn Jahren hat die DRK-Jugendhilfe hier ihre Heimstatt. Es gibt derzeit eine Wohngruppe, in der neun Kinder und Jugendliche betreut werden, sowie den Kinder- und Jugendnotdienst mit sechs Plätzen. „Der Bedarf ist in letzter Zeit gestiegen“, sagt der pädagogische Leiter des Notdienstes Silvio Winkler. Deshalb soll die Kapazität auf acht Plätze erhöht werden. „Wir brauchen für jedes Kind ein Einzelzimmer.“

365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag - immer wenn irgendwo Not ist, werden in der Parchimer Einrichtung Kinder aus dem Landkreis aufgenommen. „Wir sind fast immer zu 100 Prozent ausgelastet“, sagt Winkler. Die Kinder und Jugendlichen, die hier betreut werden, kommen nicht selten unter Einsatz von Polizei und Jugendamt. Ein Hauptproblem: Kindeswohlgefährdung. Nicht selten spielt Gewalt eine Rolle. Es gibt aber auch Fälle, wo Kinder und Jugendliche ihre Eltern angreifen oder die Erziehungsberechtigten nicht mehr fertig werden mit dem Nachwuchs, der sie bestiehlt oder andere Grenzen überschreitet. Manchmal stehen auch junge Leute in Not allein vor der Tür.

Oberste Priorität in der Jugendhilfe ist es, die Kinder oder Jugendlichen möglichst wieder in ihre Familien zurückzuführen. Deshalb spielt neben der Arbeit mit den Kindern auch die mit den Eltern ein wichtige Rolle.

Gleichzeitig mit der Erweiterung des Notdienstes qualifiziert das DRK die Arbeit in der Wohngruppe Fichtestraße. Bisher war hier vormittags, wenn für die jungen Leute Schulzeit ist, kein Pädagoge. Künftig gibt es eine 24-Stunden-Betreuung. Auch um zu gewährleisten, dass die Schulpflicht wahrgenommen wird. Diese durchgängige Betreuung gebe es schon in vielen Wohngruppen, erfuhr SVZ.

Ein völlig neuer Weg in Parchim: Ab Herbst wird es in der Stadt eine therapeutische Mädchenwohngruppe geben, erklärt die pädagogische Leiterin Cornelia Gomollok. Gedacht ist die Gruppe für sechs Mädchen zwischen 14 und 18/19 Jahren, die oft durch sexuelle und andere Gewalt traumatisiert sind und besonderen Schutz benötigen. Betreut werden sie ausschließlich von Frauen. Fast alle diese Mädchen seien psychisch krank bzw. davon bedroht, sagt Silvio Winkler. Sie haben schlechte Erfahrungen im Umgang mit Männern, wurden sexuell oder durch Macht missbraucht. Ein fachlich versiertes Frauenteam will den auch vom Verhalten äußerst schwierigen Mädchen gleichzeitig ein Frauenbild vermitteln, mit dem sie sich identifizieren können, sagt Cornelia Gomollok.

Ein Hauptproblem sei, für die Aufgaben in der Jugendhilfe die richtigen Leute zu finden, so Winkler. Wie andere Einrichtungen auch leidet das DRK unter Fachkräftemangel. Aus dieser Not heraus wird im Brüeler Raum eine Wohngruppe geschlossen. Den Standort Gustävel gibt es künftig nicht mehr. Die dortige heilpädagogische Wohngruppe zieht nach Brüel. Dafür wird die bisherige Brüeler Gruppe aufgelöst. Die Kinder und Jugendlichen aus dieser Gruppe ziehen an andere Standorte. Für jeden sei eine individuelle Lösung gefunden worden, sagt Winkler. Vergeblich habe man versucht, Fachpersonal zu finden und die Schließung zu verhindern.


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