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Parchimer Zeitung

25. November 2017 | 01:20 Uhr

Suchtberatung : Mehr Kiffer in unserer Region?

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Zahl der Klienten mit Cannabis-Sucht ist in Parchimer Beratungsstelle deutlich gestiegen. Alkohol bleibt Problem-Droge Nummer eins

von
erstellt am 06.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Wird mehr gekifft zwischen Parchim, Sternberg und Plau am See? Die Zahl der Klienten, die im Beratungs- und Therapiezentrum der Region wegen Cannabis-Sucht behandelt wurden, hat relativ deutlich zugenommen. 64 waren es 2016. Im Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 38. Diese Fakten nannte Marcus Müller, Koordinator der Einrichtung.

Relativ viele Klienten mit Problemen wegen illegaler Drogen kommen nach einem Führerscheinentzug in die Beratungsstelle wegen der dann fälligen Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU). Vielleicht werde mehr getestet, vermutet Psychologin Anja Riekehr. Aber auch Einrichtungen, die mit Jugendlichen arbeiten, versorgen das Zentrum mit neuen Klienten, so Marcus Müller. Der Cannabis-Konsum sei seit Jahren auf einem hohen Niveau. Nach seiner Auffassung gibt es Auffälligkeiten, wenn die Betroffenen in die Umschulung oder Ausbildung kommen und dann nicht in der Lage sind, die Anforderungen zu erfüllen, Fehltage ausweisen, sich nicht konzentrieren können. Überwiegend sind Cannabis-Konsumenten junge Leute.

Der langjährige, regelmäßige Konsum dieser Droge hat Folgen. Man merke es den Klienten an – sowohl in deren körperlicher Verfassung als auch in der Motivation, sagen die Experten in Parchim, die es auch mit sehr langjährigen Kiffern zu tun haben. Müller: „Je früher sie anfangen, desto problematischer für die Entwicklung.“

Überhaupt sei auffallend, dass Jugendliche im vergangenen Jahr sehr risikofreudig waren – auch was den Konsum von Alkohol angeht. Aber auch wegen Amphetaminen (Speed) gab es mehrere Vorfälle, selbst in der ländlich geprägten Sternberger Region.

Alkohol ist und bleibt allerdings nach wie vor die Problemdroge Nummer eins, mit dem die Suchtberater zu tun haben. Das geht aus der Jahresstatistik hervor. 669 Klienten nutzten die Beratungsstelle, 52 mehr als im Vorjahr. Davon hatten allein 466 Probleme mit Teufel Alkohol.

Es gab einige Umstrukturierungen im Beratungszentrum. Die langjährige Leiterin Jutta Scharf wechselte zum Jahresende auf eigenen Wunsch in eine andere Tätigkeit. Marcus Müller, der mit ihr in den 1990er-Jahren die Suchtberatung aufgebaut hatte, koordiniert jetzt die Parchimer Einrichtung mit ihren Außenstellen in Sternberg, Lübz und Plau am See.

Gut entwickelt hat sich die Tagesstätte. Nachdem es Probleme mit der Auslastung der 14 Plätze gegeben hatte, ist die Einrichtung unter Leitung von Ursula Soomann mittlerweile sehr gut besucht. Ein Grund: Früher richtete sich die Tagesstätte ausschließlich an Suchtkranke. Seit 1. Juli vergangenen Jahres können zusätzlich Menschen mit zwei und mehr Diagnosen betreut werden, beispielsweise wenn sie neben der Sucht eine psychische Erkrankung aufweisen. Für zusätzliche Angebote gibt es seit einem Monat personelle Verstärkung. Jetzt ist auch eine Ergotherapeutin in der Tagesstätte tätig. Ganz neu: Die Einrichtung verfügt über einen Garten, in dem sich die Klienten der Tagesstätte ab diesem Frühjahr betätigen können.

Zugenommen hat die Anzahl von Erwerbstätigen, die in der Beratungsstelle Hilfe suchen. Sie machen mittlerweile jeden vierten Klienten aus. Das Problem ist allerdings: Diese Süchtigen scheuen sich zuweilen davor, eine eigentlich nötige stationäre Behandlung über mehrere Wochen in Angriff zu nehmen, erfährt SVZ von Anja Riekehr. Die Betroffenen befürchten, wegen der langen Krankschreibung ihre Arbeit zu verlieren und können wegen des Jobs zuweilen nicht einmal die ambulanten Angebote der Beratungsstelle nutzen. (Weitere Zahlen und Fakten finden Sie in der Printausgabe und im E-Paper)

Hier finden Süchtige Hilfe

• Das Diakoniewerk Kloster Dobbertin ist Träger von zwei Beratungs- und Therapiezentren in Parchim und Ludwigslust.

• Sprech- und Öffnungszeiten gibt es alltags täglich in Parchim, Stegemannstr. 11 , Telefon 03871 / 66041 und in Ludwigslust, Kanalstr. 20; Telefon. 03874 / 29037.

• Das Beratungs- und Therapiezentrum Parchim bietet auch Sprechstunden an in Lübz, Grevener Str. 11, Montag 9 - 17 Uhr; Telefon 038731 / 23008 ; Sternberg, Luckower Str. 29a,  Dienstag 9 - 16 Uhr; Telefon 03874 / 451399;
Plau am See, Dr. Wilde Haus Quetziner Str. 2, Mittwoch (Gruppe), 17 - 19 Uhr, Telefon 03871 / 66041.

• Das Beratungs- und Therapiezentrum Ludwigslust führt auch Beratungen durch in Crivitz, Am Rathaus 1, Mittwoch 9 - 13 Uhr, Telefon 03863 / 225888 sowie in Dömitz.

Alle Informationen dazu unter www.kloster-dobbertin.de

 

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