Mehr Fläche, weniger Objekte

Leiter des Parchimer Stadtmuseums gab in einer Veranstaltung des Heimatbundes Ausblicke auf die zukünftige Arbeit

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14. Januar 2019, 12:02 Uhr

Parchim einst eine Ackerbürger-Kleinstadt? Ein Vorurteil, das sich leider hartnäckig hält und Dr. Sven-Hinrich Siemers maßlos aufregt. Der Leiter des Stadtmuseums warb am Wochenende in einer Veranstaltung des Heimatbundes dafür, diesem Klischee mit mehr Selbstbewusstsein zu begegnen.

Parchim habe im Laufe der Jahrhunderte eine große überregionale Strahlkraft gehabt: als florierendes mittelalterliches Handelszentrum zwischen Magdeburg, Berlin und der Ostsee oder als Bildungsstadt, die berühmte Söhne und Töchter hervorbrachte. Als Beispiel führt der Museumsleiter Johannes Posselius (1528-1591) an, für den die erste Griechisch-Professur an der Universität Rostock eingerichtet wurde. Fast 200 Jahre tagte das höchste Gericht von Mecklenburg in Parchim. In der Eldestadt wurde oft Industriegeschichte geschrieben: Der in Parchim im 19. Jahrhundert fabrikmäßig gebrannte Kaffee aus der Zichorie mundete Kaffeetrinkern weit über Mecklenburg hinaus. Das Welt-Unternehmen Hydraulik Nord hat seine Wiege in der Eldestadt. Im Oktober jährt sich der Jahrestag der Grundsteinlegung zum 50. Mal.

Tradition und Innovation verkörpert die Backofenbau Parchim GmbH. Kein anderer heute noch in der Kreisstadt existierender Industriebetrieb kann eine Geschichte vorweisen, die so weit zurückreicht – bis ins Jahr 1874. Das Unternehmen behauptet auch im neuen Jahrtausend seinen festen Platz in der großen Ofenwelt weit über Deutschland hinaus. Die überregionale wirtschaftliche wie gesellschaftliche Bedeutung von Parchim soll sich nach dem Umzug des Stadtmuseums in das Industriedenkmal Kultur-Mühle wie ein roter Faden durch die neue Dauerausstellung ziehen: auf mehr Fläche, aber mit deutlich weniger Objekten, geordnet nach Themeninseln. „Wenn man sieht, wie voll das Museum jetzt ist, werden wir nicht alles zeigen können“, gibt Museumsexperte Dr. Siemers frühzeitig zu bedenken. Er leitet seit Herbst 2017 die städtische Ausstellung.

Sein Arbeitsbeginn in Parchim fiel zusammen mit dem Beginn einer enormen Umbruchszeit für das Stadtmuseum: Es bekommt ein neues Gebäude in einem zu sanierenden Industriedenkmal. Von solchen Rahmenbedingungen für einen zeitgemäßen Museumsbetrieb hat man in Parchim sehr lange geträumt. Wie der am neuen Standort aussehen wird, ist im neuen Grobkonzept für die Dauerausstellung zusammengefasst und bereits dem zuständigen Fachausschuss der Stadtvertretung vorgestellt worden (SVZ berichtete). Dr. Siemers hat das von einem Schweriner Architekturbüro im Auftrag der Stadt erstellte Konzept inhaltlich geschärft und weiterentwickelt. Dabei ließ er 18 Jahre Berufserfahrung, zum größten Teil in leitender Position, einfließen. Am Sonnabend machte der Historiker Mitglieder und Freunde des Heimatbundes mit seinen Vorstellungen von einem modernen Stadtmuseum als regionaler Identifikationsort und touristischer Standortfaktor vertraut. Siemers möchte die Besucher „mit Bildern, die im Kopf hängen bleiben und die sich herumsprechen“ anlocken. So ein Hingucker könnte zum Beispiel ein Dragoner zu Pferde sein. Oder eine Kaffeemaschine, damit Besucher den berühmten Zichorienkaffee einmal live verkosten können.

Darüber hinaus soll das künftige Museum auch eine Aufwertung als Regionales Forschungszentrum erfahren: mit einer Fachbibliothek und vernetzt mit dem Stadtarchiv, mit Räumlichkeiten für Konferenzen, Vorträge sowie Sonderausstellungen. Hier wird künftig ebenfalls die Kaelcke-Sammlung zugänglich sein. Dabei handelt es sich um die Persönlichkeiten-Sammlung des langjährigen Museumsleiters Wolfgang Kaelcke. Sie wird derzeit erfasst und überarbeitet sowie als Personendaten-Sammlung weitergeführt.

Auf die Frage einer Besucherin der Veranstaltung, wann der Umzug des Museums ins Haus steht, kann derzeit niemand eine Antwort geben. Ziel sei es, zum Ende des Jahres die Vergabe der Planungs- und Bauleistungen hinzubekommen, warf ein anwesender Kommunalpolitiker in die Runde. An dem bisher gehandelten Abschlusstermin für den Umbau der Elde-Mühle zum Theater- und Museumsstandort hat bisher noch niemand gerüttelt: Von 2022 ist die Rede. „Für den Übergang werden wir sicher noch viel Zeit benötigen in dem jetzigen Haus“, machte Siemers deutlich, dass der Umzug nicht von einem Tag auf den anderen zu stemmen ist. Nachdem das Konzept für die neue Dauerausstellung in Papier und Tüten ist, geht das kleine Museumsteam nun das nächste Projekt an: die komplette digitale Erfassung der Sammlung.

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