Marderhund & Co. werden zur Plage

Peter Urban ist schockiert.
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Peter Urban ist schockiert.

Jagdexperte warnt: Gefahr durch eingewanderte Raubtiere wird unterschätzt / Bereits erhebliche Schäden in der Natur und bei Geflügelhaltern

svz.de von
03. Dezember 2013, 13:08 Uhr

Das, was Peter Urban jetzt erleben musste, hat selbst den erfahrenen Jagdexperten schockiert. In einer so genannten Lebendfalle hat er an nur einem Abend auf dem Gelände der Tierauffangstation in Kiekindemark zwei Marderhunde in erbärmlichen Zustand gefangen. Nachdem seit Tagen seine Hunde immer wieder anschlugen, hatte Peter Urban Schlimmes befürchtet. „Die Marderhunde haben die Räude und verbreiten womöglich noch andere Krankheiten“, so der Wildtierexperte. Die beiden Marderhunde wurden zwar sofort getötet, aber die Gefahr ist damit keinesfalls gebannt. Peter Urban hat inzwischen die gesamte Tierauffangstation desinfiziert und hofft, dass sich Jagdhunde in der unmittelbaren Nachbarschaft nicht angesteckt haben.

„Marderhund, Fuchs, Nerz, Iltis und zunehmend auch der Waschbär werden zur Plage“, meint Peter Urban und kann nicht verstehen, dass dieses Problem bislang bagatellisiert wird. „Das darf so nicht weitergehen!“, sagt er und gibt zu bedenken: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass auf der Wockersee jede Menge Wasservögel zu sehen waren.“ Die wachsende Zahl der Raubtiere bringen das natürliche Gleichgewicht aus dem Lot und werden auch für Menschen zur Gefahr.

Die Ursachen sind vielschichtig. Nachdem es kaum noch Abschussprämien für Raubtiere gibt, fehlt vielen Jägern der Anreiz, Fuchs & Co. im Zaum zu halten. Andere Jäger argumentieren, dass Füchse den Wäldern nutzen, weil sie Mäuse in großer Zahl vertilgen.

Peter Urban kann sich noch gut daran erinnern, dass vor rund zwei Jahrzehnten so genannte Tierfreunde die Käfige der früheren Nerzfarm nahe Plau am See geöffnet und mehrere tausend Tiere einfach laufen ließen. Die haben sich enorm vermehrt und sind heute auch in der Parchimer Region zu Hause. Bei der Nahrungssuche haben sie es vor allem auf Vögel abgesehen.

Die gefiederten Gesellen bekommen nun einen neuen Feind, die Waschbären. „Wenn wir nicht aufpassen, haben wir womöglich bald Verhältnisse wie in Kassel. Dort haben Waschbären die halbe Stadt besetzt und verursachen enorme Schäden“, sagt Peter Urban. Aber auch im Parchimer Stadtwald kann inzwischen jedermann sehen, was die eingewanderten Räuber anrichten. Zahlreiche Bruthilfen für einheimische Vögel haben Waschbären von den Bäumen geholt und auf der Suche nach Nahrung zerlegt. Auf dem Areal der derzeit leer stehenden Markower Mühle sind acht ausgewachsene Waschbären zu Hause.

„Viele Probleme sind von Menschenhand hausgemacht“, betont der Experte. Ungeschützte Futterstellen für herrenlose Katzen, achtlos weggeworfene Essenreste rund um Imbisseinrichtungen und falsch verstandene Tierliebe gehören aus seiner Sicht dazu. In Parchim sollen Fuchs&Co. in diesem Jahr schon rund einhundert Hühner bei privaten Geflügelzüchtern geholt haben. Mit jedem Wildtier steigt die Gefahr, dass ansteckende Krankheiten auf Katzen und Hunde unbemerkt übertragen werden. „Dann wird es gefährlich. Bislang gibt es keine Hinweise auf Tollwut, aber das kann sich ändern“, meint Peter Urban. Er rät jedermann, der bei seinem Haustier Veränderungen beispielsweise im Fell bemerkt, einen Tierarzt aufzusuchen.

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