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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 17:59 Uhr

Vorgestellt : Manager der kleinen Auszeit

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Stephan Rauchfuss ist Marketing Manager des Movie Star und Allrounder

In der hohen Halle des Parchimer Movie Star sitzen wir an einem Tischchen unweit des Tresens und der Marketing-Manager der Dolby Digital Lichtspiele mit Surround-Beschallung, Stephan Rauchfuss, trinkt den dritten Pott Kaffee an diesem Morgen. Kaffee sei aber kein Muntermacher mehr für ihn, sagt er, er schmecke einfach nur. Dennoch war die Vermutung, er brauche ein Weckamin an diesem Morgen, nicht ganz aus der Luft gegriffen. Er sei, bis er vor Kurzem seine Bar „Watergate“ in Parchim eröffnete, gefühlt 24 Stunden jeden Tag im Movie Star gewesen, sagt er. Nach Hause sei er eigentlich nur zum Schlafen gegangen.

Kino hat ihn immer schon fasziniert. „Ich kann mir kein Leben ohne Kino vorstellen“, sagt der Parchimer. „Ich begann hier 2000 als Schüler mit dem Verkauf.“ Er deutet auf die ausladende Theke, auf der der unvermeidliche Popcorn-Automat steht und Kino-Kultur ausstrahlt. Aber hinter den gemütlichen und auch sehr schicken Attributen der Kinoausstattung lauert auf der Funktionsebene beinhart neue Technik. „In das Technische bin ich reingewachsen“, berichtet Rauchfuss.

Dass dies harte Arbeit war und ist, genauso wie der alltägliche Kampf mit Filmverleih, Rechte- und Lizenzinhabern, betont er nicht besonders. Er, der ab 2006 eine duale Ausbildung als Marketing Fachmann absolvierte, sagt aber immerhin von sich mit berechtigtem Stolz: „Ich habe die Live-Übertragungen bestimmter Events eingeführt.“ (So gab es jüngst die Übertragung eines Konzerts der Gruppe Rammstein in Paris. Gezeigt werden auch Konzertfilme klassischer Provenienz, etwa mit den Berliner Philharmonikern, mit André Rieu und so fort.) „Wir als Kino“, erläutert der junge Parchimer mir Technik-Dummie geduldig, „können in unseren drei Sälen drei verschiedene Live-Übertragungen gleichzeitig 1:1 via Satellit mit 5.1 Surround bringen. Kino-Ketten können das nicht!“ Uff!

Mit hohem Einsatz, so viel ist klar, hat Stephan eine Passion zum Beruf gemacht. Warum aber Kino, warum nicht beispielsweise Theater? Was ist das eigentliche Faszinosum, möchte ich gerne wissen. Kino, findet er, sei komplexer als Theater. „Man blickt in die verschiedensten Sphären.“ Für ihn sei der Sound auch extrem wichtig: „Bei guten Filmen vergisst man dann, dass man im Kino ist.“ Auf das Argument, dass der Surround-Sound, der mächtige Raumklang also, den Zuschauer noch zusätzlich mit in die Filmhandlung hineinzieht und eine soghafte Illusion entsteht, möchte er sich nicht recht einlassen.

Lieber spricht er davon, dass man sich im Kino eine gelungene „Auszeit“ nehmen, „den Kopf abschalten“ kann. Aber es geht ihm ohnehin nicht in erster Linie um Effekte. Er ist Cineast, kennt sich in der Kinoliteratur bestens aus. Unter dem Label „Arthouse“ ist er mitverantwortlich für den „besonderen Film“ im Movie Star, holt Nischenfilme abseits des Mainstreams ins Kino und auch seine persönlichen Lieblingsstreifen gehören in dieses Segment. Gut möglich, dass sich manch einer unter einem Marketing-Manager fürs Kino einen smarten Schnellredner und Schnelltelefonierer vorstellt, der alles demonstrativ sofort weiß, denn Nachdenken verschwendet Zeit. Auf einer solchen Stirn steht „Time is money“ geschrieben, auf Stephan Rauchfuss’ Miene ist dagegen während des ganzen Gesprächs eher Nachdenklichkeit abzulesen gewesen. Nachdenklichkeit nicht, weil er unsicher oder ihm ein Thema fremd gewesen wäre. Nein, er wägt seine Worte und was er ausspricht, ist auf sanfte Weise bestimmt.

Am Ende bleibt noch die obligatorische Schlussfrage zu klären, was der Manager glaube, am besten zu können: „Ich versuche alles annähernd perfekt zu machen“, sagt Stephan Rauchfuss und überlegt: „Aber ob das positiv ist?“

Monika-Maria Degner




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