Ludwigslust-Parchim : Märzwinter gibt Kreisstraßen den Rest

Das Ende ist absehbar: Der Verfall ist größer <strong>Dauerstress </strong>für den Winterdienst
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Das Ende ist absehbar: Der Verfall ist größer Dauerstress für den Winterdienst

Der harte Winter verschärft die Lage auf den Parchimer Kreisstraßen. Doppelt so viele Räum- und Streueinsätze wie im vergangenen Jahr und immer weniger Geld für den Erhalt. Das sorgt für Unmut im Kreistag.

svz.de von
20. März 2013, 12:07 Uhr

parchim | Jetzt setzt auch noch der harte Märzwinter dem Kreisstraßennetz zu. Doppelt so viele Räum- und Streueinsätze wie im vergangenen Jahr und immer weniger Geld für den Erhalt. Kommunalpolitiker warnen im Kreistag Ludwigslust-Parchim bereits vor dem Zerfall der Infrastruktur. "Dieser Winter ist ein intensiver", sagt Hans-Georg Zwang stirnrunzelnd und blickt auf das Schneetreiben vor dem Landratsamt. Der Fachdienstleiter Straßen- und Tiefbau im Landkreis hat schon jetzt doppelt so viele Einsätze wie im vergangenen Jahr gezählt. Rückten die Kreisstraßenmeister im Parchimer Bereich 2011/12 insgesamt 260-mal aus, fuhren sie in diesem Jahr schon 550 Einsätze. Ähnlich das Bild im Altkreis Ludwigslust: 325 Einsätze im vergangenen Jahr, jetzt mussten Schneepflüge und Streuwagen schon 615-mal raus.

Lieferengpässe bei Streusalz gibt es nicht, der Kreis hält in Silos immer die Menge vorrätig, die für drei bis vier Tage benötigt wird, rund 475 Tonnen. Insgesamt hat die Verwaltung sich die Option für 2800 Tonnen Streusalz gesichert, die mit 230 000 Euro zu Buche schlagen.

Fünf Straßenmeistereien mit 83 Mitarbeitern, davon 51 im Winterdienst, kümmern sich um die 978 Kilometer Kreisstraßen, 132 Kilometer Radwege und 82 Brücken. Kreisstraßenmeistereien gibt es in Parchim (Dargelütz), Lübz, Crivitz, Hagenow und Ludwigslust. Der Winterdienst arbeitet von 3 Uhr nachts bis 22 Uhr. "Bei Extremwetterlagen wird auch die Nacht durch geschoben", erklärt Fachdienstleiter Hams-Georg Zwang. Die Tourenpläne seien so gestaltet, dass in drei bis vier Stunden alles beräumt sei.

Die Löcher, die der Winter in die Straßen reißt, lassen sich derzeit nur provisorisch im so genannten Kaltflickverfahren stopfen. "Das ist natürlich keine Dauerlösung", sagt Zwang. Sobald die Witterung es zulässt, werden die Schäden beurteilt und behoben. Aber, daran lässt der Fachdienstleiter keinen Zweifel, es stehen weniger Mittel zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass eine Oberflächensanierung vielleicht gerade mal zwei Jahre halte. Zwang: "Wir fahren unsere Substanz auf Verschleiß." Nur 25,6 Prozent der Abnutzung werden derzeit durch Neuinvestitionen ersetzt. Ein Umstand, der auch Landrat Rolf Christiansen auf den Plan ruft: "Diese Entwicklung ist auf Dauer nicht verkraftbar. Dem kann nur durch Wiedergewinnen der eigenen Investitionskraft durch Haushaltsausgleich und Schuldenabbau entgegengewirkt werden." Bis es so weit ist, bleibt Hans-Georg Zwang nur, eine Prioritätenliste abzuarbeiten. Ganz schlimm sieht es zum Beispiel auf der K 25 zwischen Lübz und Burow aus, auf der K 29 bei Barkow oder auf der K 08 bei Borkow .

Dieses Thema ist längst auch hochpolitisch geworden, wie die Haushaltsdebatte im Kreistag gezeigt hat. "Die Investitionen von 1,1 Millionen für die Kreisstraßen sind viel zu wenig, Hier geht es um die Sicherheit unserer Bürger. Auf Dauer führt das zu einer Verdopplung oder Verdreifachung der Kosten", hatte CDU-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller gewarnt. Wolfgang Bohnstedt von den Linken sprach gleichfalls von einem gewaltigen Sanierungsstau, hier müsse es bald ein Umdenken geben, sonst spare man sich tot. Zustimmung gab es hier auch von den Grünen, während die FDP noch einen drauf setzte: "Unserer Kreisstraßen sehen bald aus wie Golfplätze, voller Löcher. Der Mittelstand wird sich bedanken, wenn er unsere Investitionsliste sieht, da fällt der Kreis als Auftraggeeber komplett aus."

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