Menschenkette in Parchim : Lichter als Zeichen der Toleranz

Die Menschenkette zieht sich durch die Lange Straße. Fotos: Michael-Günther bölsche
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Die Menschenkette zieht sich durch die Lange Straße. Fotos: Michael-Günther bölsche

Einwohner aus Parchim und Umgebung bildeten am Sonnabend in der Langen Straße eine Menschenkette

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15. November 2015, 21:00 Uhr

Einwohner aus Parchim und Umgebung säumten am Sonnabend Nachmittag zum Einbruch der Dunkelheit mit Kerzen und Laternen die Lange Straße. Aus aktuellem Anlass verharrten sie eine Minute lang schweigend im Gedenken an die Menschen, denen keine 24 Stunden vorher in Paris das Leben genommen wurde.

Nach Polizeiangaben etwa 300 Mitbürger fanden sich zu dieser Menschenkette zusammen, um zu demonstrieren, dass Parchim eine tolerante Stadt ist. Eine Stadt, in der viele Menschen auch große Sorgen umtreiben, die aber trotz allem in der Lage ist, Menschlichkeit zu zeigen. Die Veranstaltung reihte sich ein in europaweit stattfindende Aktionen gegen Rassismus. In der Kreisstadt wurde sie vom Netzwerk für Flüchtlinge in Parchim auf Wunsch von Bürgern organisiert und vom Mecklenburgischen Landestheater unterstützt.

Aufgewühlt, schockiert und betroffen nach einer vor dem Fernseher verbrachten schlaflosen Nacht trat Mitorganisatorin Hanka Gatter ans Mikrofon. Sie verurteilte die Anschläge von Paris, hinter denen das Ziel stecke, die Grundfeste der Demokratie in Europa ins Wanken zu bringen, indem Angst vor Neuem, Fremdem geschürt wird. „Angst ist der Nährboden für Rassismus“. Dann fügte sie hinzu: Auch geflüchtete Menschen hätten Angst, Angst, dass der Terror, vor dem sie in der Heimat geflohen sind, sie hier wieder einholt.

Tolerenz ist ein Wertebild, für das auch Bilsen (21) sowie ihre vier Schwestern Gylsen (19), Edona (17), Lejla (15) und Nedjmije (11) öffentlich einstehen. Die Familie hat ihre Wurzeln im Kosovo und kam 2002 nach Parchim. Bilsen machte 2013 als Jahrgangsbeste ihr Abitur an der Beruflichen Schule des Landkreises in Parchim und ist heute als angehende Verwaltungsfachangestellte Klassensprecherin für die Auszubildenden in ihrem Ausbildungsbetrieb. Gylsen steckt mitten in der Ausbildung zur Industriekauffrau in Schwerin. Edona und Lejla besuchen die 11. bzw. 10. Klasse am Friedrich-Franz-Gymnasium. Nedjmije lernt an der Fritz-Reuter-Schule.

Für alle fünf war schon seit langem beschlossene Sache, dass sie sich am Sonnabend in die Menschenkette einreihen, gemeinsam mit guten Freunden, wie z. B. Nina aus Marnitz und Paula (16) aus Spornitz. Oder mit Paula (20) aus Parchim, die wie Gylsen in Schwerin lernt.

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