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Parchimer Zeitung

18. November 2017 | 15:18 Uhr

Parchim : Lichtblick mit Kunst aus der Tüte

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Bildhauer Herbert W.H. Hundrich erinnert an Tage im Sommer 2010. Heute 19 Uhr Eröffnung der Schau bei „Mode, Kunst und Wein“.

von
erstellt am 31.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Parchim Erinnern Sie sich, liebe Leserinnen und Leser der Parchimer Zeitung? Der Frühling im  Jahr 2010 war heiß und dies nicht nur aus meteorologischer Sicht. Die bevorstehende Kreisgebietsreform und die damit verbundene Frage „Wie wird die künftige Kreisstadt heißen?“,  ließen Jung und Alt vor sieben Jahren  nicht ruhen. Tausende gingen in Parchim auf die Straße, um mit einer riesigen Lichterkette – der größten Demonstration seit der  Wende 89 – dafür zu werben, dass Parchim  seinen Kreisstadtstatus behält. Kaum jemand hätte seinerzeit damit gerechnet, dass am Ende Parchim seine besseren Karten erfolgreich ausspielt.

Quasi in letzter Minute zogen  Parchimer Sympathisanten mit Prof. Dr. Wolfgang Vogt vom Kulturforum Pampin und dem international renommierten Künstler Herbert W.H. Hundrich ihren Überraschungsjoker. Mit einer Charmeoffensive wollten sie eine Wende einleiten.  Hundrich stellte drei illuminierte Großskulpturen zur Verfügung. Mit Schiffen der Eldeflotte wurden seine  „Lichtblicke“ bis in die Schlossbucht in Sichtweite zum Schweriner Landtag gefahren. Am 7. Juli 2010, dem Tag der Entscheidung, setzte sich Parchim mit nur einer Stimme Mehrheit durch.

Nach Freude folgte

ErnüchterungDoch die Ernüchterung folgte auf den Fuß. „Immer wieder werde ich bis heute darauf angesprochen. Wer zu mir in den Laden  kommt, will oft nicht nur einkaufen, sondern sein Herz ausschütten. Da spielt die Enttäuschung über die Entwicklung unserer Heimatstadt vielfach eine Rolle“, meint Brigitte Kowalsky, die seit zehn Jahren ihr Modegeschäft „Mode, Kunst und Wein“ in der Waagestraße in Parchim betreibt. In der zum Geschäft gehörenden Galerie hat die politisch engagierte Geschäftsfrau mit außergewöhnlichen Kunstausstellungen immer wieder für Aufsehen gesorgt. „Wir liegen auf einer Wellenlänge“, sind sich Brigitte Kowalsky und Herbert W.H. Hundrich einig. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima zeigte Hundrich an gleicher Stelle eine Kunstreflexion, die sogar europaweit für Furore sorgte.

Parchim braucht

einen neuen Ruck„Kunst sorgt für Bewegung. Da ist mir wichtig, das der Parchimer Lichtblick nicht in Vergessenheit gerät“, stellt Herbert W.H. Hundrich klar. Ein Versuch, den Original-Lichtblick vor der Stadthalle als Erinnerung an  „bürgerliches Engagement“ zu etablieren, ging schief. Vandalen haben das Kunstwerk  in der Nacht zum 3. November 2013 zerstört. Auch die Antwort Hundrichs – ein Stuhl als „Speakers’ Corner“ – zur öffentlichen Diskussion ging ins Leere.

Heute um 19 Uhr geht in  der Ladengalerie von Brigitte Kowalsky ein neuer „Lichtblick" an, der diesmal im wahrsten Sinne des Wortes aus der Tüte kommt. Herbert W.H. Hundrich hat eine streng limitierte Auflage einer 40 mal 60 Zentimeter großen Papiertüte jeweils als Unikat mit Motiven für den Ur-Lichtblick gestaltet, der während der zweimonatigen Ausstellungszeit zum Sonderpreis erworben werden kann.  Mit dazu gibt es die Dokumentation der Lichtblick-Aktion mit ihren Höhen und Tiefen. „Wir freuen uns auf viele Gäste und eine rege Diskussion. Die Parchimer sollten wieder Mut fassen, sich stärker einzubringen. Wir möchten  einen Impuls geben“, meinen die beiden. 

 

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