Parchim : Letztes Ringen um Stimmen

Parteien stellten sich beim Wahlmarkt den Fragen der Parchimer – Einsatz bis Sonnabend

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23. Mai 2019, 05:00 Uhr

Straßenwahlkampf kurz vor dem Wahlsonntag: Die unabhängige Initiative „Wahlmarkt Parchim 2019“ lud gestern Bewerber für die Parchimer Stadtvertretung auf den Schuhmarkt ein, den direkten Draht zum Bürger zu pflegen. Vertreter fast aller großen Parteien folgten trotz Schmuddelwetters dem Aufruf. Die CDU und die UBfP waren vor Ort, bauten aber frühzeitig ihre Zelte ab.

Organisator Norbert Wiencke, der schon zu ähnlichen Veranstaltungen Kandidaten aller Richtungen zusammenbrachte, war erfreut: „Alle großen Parteien waren da, wir sind eigentlich sehr zufrieden.“ Auch wenn wegen der Kälte einige ihre Stände früher als geplant abrückten, von Müdigkeit war keine Spur. Doch ist Straßenwahlkampf in Zeiten des Internets noch das Mittel der Wahl?

„Ja“, sagt Tobias Pontow (AfD) entschieden. „Einerseits macht es Spaß und andererseits haben wir heute schon einige Themen aufnehmen können, die den Menschen wichtig sind.“ Seine Partei sei in den sozialen Netzwerken bei den jüngeren Leuten schon recht stark, doch um auch mit den älteren Generationen ins Gespräch zu kommen, biete sich der Wochenmarkt an. Da es jetzt auch nochmal auf die Mobilisierung der Nichtwähler ankomme, wollen die AfD-Kollegen mit Flyeraktionen bis Sonnabend weiter für sich werben.

Es sei immer von Vorteil, wenn man bereits bekannt ist, sagt Straßenwahlkämpfer und früherer Bürgermeister Bernd Rolly (SPD). Alle Kandidaten hätten gute Gründe, sich zu präsentieren, denn gute Listenplätze garantierten keinen Einzug in die Kommunalparlamente, macht Rolly deutlich. Anders als beim Bundestag oder dem Landtag bestimmen die Aufstellungslisten der Parteien nicht zwingend die Reihenfolge, in der die Kandidaten im Falle einer Wahl etwa in die Parchimer Stadtvertretung kommen. Auch wenn ein Kandidat relativ weit hinten steht, kann er mehr Stimmen bekommen und so seinen anderen Parteikollegen vorbeiziehen.

In kleinen Moderationsrunden nutzten die Kandidaten die Chance, per Mikrofon kurz ihre Positionen bekannt zu machen. Steffi Pulz (Linke) schätzt die offene und parteiunabhängige Plattform. „Es ist die Möglichkeit, vis a vis Sachen aufzunehmen. Insofern ist Straßenwahlkampf das schönste überhaupt, wenn man Politik mit den Bürgern gemeinsam machen will“, sagt die Kandidatin für die Stadtvertretung.

Schützenhilfe für die Grünen gab es sogar direkt aus Berlin: Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz hielt im Nieselregen das Fähnchen für seine Parteifreunde hoch. „Die Flüchtlingsproblematik scheint aktuell keine große Rolle mehr zu spielen, eher geht es aktuell um das Für und Wider der EU, ob sie gut oder schlecht ist“, macht von Notz eine Tendenz aus. Dass im Wahlkampf die Politik mit den Menschen intensiver ins Gespräch kommt als vielleicht zwischendurch, sei nicht ungewöhnlich. Das gute dabei: „Wir nehmen gerade eine spannende und demokratische Streikkultur wahr, die etwa in Fragen der Landwirtschaft die Brücke von der EU direkt in die Region schlägt“, so von Notz.

Jan Gatter, Mitorganisator des Wahlmarktes, trommelt für Europa. „Da gehts um mehr als richtig gekrümmte Gurken. Es geht um Reisefreiheit, Austausch und einen über 70 Jahre währenden Frieden“, so Gatter. Die sonst geringe Wahlbeteiligung bei der Europawahl sei nicht nachzuvollziehen. „Die Menschen sollten dringend ihr Kreuz machen“, sagt Norbert Wiencke. Und Jan Gatter ergänzt: „Wer sein Wahlrecht nutzt, der darf am Ende auch motzen, wenn es ihm nicht gefällt.“

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