Parchims Kino Movie Star : Leinwandhelden jetzt superscharf

<strong>Stephan Rauchfuss am Bedienfeld</strong> eines der modernen Digitalprojektoren im Parchimer Movie Star<fotos>michael-günther bölsche</fotos>
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Stephan Rauchfuss am Bedienfeld eines der modernen Digitalprojektoren im Parchimer Movie Starmichael-günther bölsche

Riesige Filmrollen auf Aluminiumspulen, ratternde Projektoren - das war gestern. Das Parchimer Movie Star ist im zwölften Jahr seines Bestehens nun vollständig digital ausgerüstet - die Kinogänger sehen und hören es.

svz.de von
28. Juni 2012, 11:15 Uhr

parchim | Riesige Filmrollen auf Aluminiumspulen, ratternde Projektoren - das war gestern. Das heutige Kino wird von modernster Digitaltechnik dominiert, geblieben ist nur der geliebte Duft von analogem Popcorn. Das Parchimer Movie Star ist im zwölften Jahr seines Bestehens seit einigen Tagen vollständig digital ausgerüstet - die Kinogänger sehen und hören es.

"Die Filme, die unsere Zuschauer erleben, haben jetzt die Qualität der Masterkopie, die der Regisseur haben will", schwärmt Stephan Rauchfuss, für Marketing im Parchimer Kino zuständig. Lichtintensität, tiefes leuchtendes Farbspektrum, auch nach einem Jahr in voller Qualität wie am ersten Tag - das sind einige Vorteile der neuen von der Firma Dolby stammenden Technik. "Die Bilder sind schärfer und knackiger", beschreibt Stephan Rauchfuss, "und das Klangerlebnis ist wesentlich besser als das von einer Musik CD". Auch das dreidimensionale 3D-Raumerlebnis wäre ohne Digitaltechnik nicht auf hohem Niveau möglich. Parchim ist mit speziell beschichteten weißen Leinwänden ausgestattet. Die garantieren große Blickwinkel, so dass auch Zuschauer, die nicht in der Mitte sitzen, ein 3D-Bild sehen.

Der Blockbuster kommt im roten Koffer nach Parchim

"The Amazing Spider-Man", einer der aufregendsten Neustarts des Sommers, kommt mitsamt seiner prallen Action in einem handlichen roten Köfferchen nach Parchim. Statt der großen und schweren Filmrollen im 30-Kilogramm-Paket steckt eine Festplatte darin. Die braucht es, weil ein 135-Minuten-Film wie Spiderman in HD-Auflösung bis zu 250 Gigabyte Speicherplatz benötigt. Zum Vergleich: Eine Film-Blue-Ray-Disc ist 21,7 Gigabyte groß. Die Datenmenge beschert auch eine visuell erhöhte Auflösung. Von den möglichen 3000 Linien des 35mm-Films kommen auf der Leinwand noch knapp 1000 Zeilen an, Zwischenschritte und Umkopiervorgänge sowie Abrieb fordern ihren Tribut. Digital soll rund 2000 Zeilen auf die Leinwand bringen.

Aber auch die Tage des Festplatten-Koffersystems sind gezählt. Früher oder später werden wohl alle Filmhelden über Satellit auf die Parchimer Leinwand einschweben, einige Filme werden heute auch schon so übertragen. Das Movie Star hat schon Konzerte auf diese Weise übertragen. Theaterleiterin Ute Wolffram erinnert sich an die Backstreet Boys: "Wir haben das live übertragen, eigentlich wollte ich nur reinschauen, ob alles okay ist. Ich bin dann sitzengeblieben. Es war super, klares Bild, bombiger Ton. Ich war begeistert." Noch einen Vorteil hat das digitale Kinoerlebnis. Die Macher können mehr Filme zeigen - 17 sind es in dieser Woche, auch die neue Kunstfilmreihe Arthouse am Sonntag und Dienstag läuft digital. Früher war es kaum möglich, Kopien zwei Wochen nach ihrem Start zu bekommen. Jetzt lassen sich die Werke nachspielen.

Das alles erforderte hohe Investitionen, geschätzte 100 000 Euro pro Saal. Aber auch die Betriebskosten steigen um gut ein Drittel. "Die 4000-Watt-Xenon-Lampe eines Digitalprojektors kostet 1300 Euro und muss alle sechs Wochen erneuert werden", rechnet der technische Leiter Ulf Klückmann vor. Ein privater Beamer ist z.B. mit 200-Watt-Lampen bestückt. Aber selbst wenn man sie nicht wollte, ohne Digital umrüstung wird kaum ein Kino überleben. Weil es kaum noch 35mm-Filmkopien gibt, werden die Verleihfirmen sie irgendwann nicht mehr produzieren.

Von der Umrüstung selbst haben die Parchimer kaum etwas bemerkt, obwohl sie mitten im laufenden Betrieb erfolgte. Ulf Klückmann: "Wir haben alles über Nacht gemacht: alte Projektoren raus, neue rein. 20 Leute haben hier gewirbelt."

Die Mühe hat sich gelohnt. Immer wieder bekommt die Movie-Star-Crew Rückmeldungen von den Besuchern. Auch im Vergleich mit anderen Filmtheatern in anderen Städten hören sie viele anerkennende Worte. So beschert ausgerechnet die modernste Technik dem guten alten Medium Film, das mit öffentlichen Vorführungen um 1895 begann, eine ungebrochen Faszination. Alles für noch packendere Erlebnisse, die uns unseren Filmhelden immer näher bringen.

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