Parchim : Leben von Jahrmarkt zu Jahrmarkt

Luxuriös ist das Innere des größten Wohnwagens auf dem Platz. Andreas und Claudia Zinnecker haben sich das Leben unterwegs so gemütlich wie möglich gemacht. Fotos: Viviane Offenwanger
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Luxuriös ist das Innere des größten Wohnwagens auf dem Platz. Andreas und Claudia Zinnecker haben sich das Leben unterwegs so gemütlich wie möglich gemacht.

Andreas Zinnecker, Betreiber des King Towers, spricht über das Leben im Wohnwagen und als Schausteller

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03. November 2014, 10:37 Uhr

Den Großteil des Jahres verbringen die Schausteller des Martinimarktes auf den verschiedensten Jahrmärkten und Festplätzen in ganz Deutschland. Unter ihnen auch Andreas und Claudia Zinnecker. Sie betreiben ihre Fahrgeschäfte bereits seit 26 Jahren selbstständig. Andreas Zinnecker stammt aus einer Zirkus Dynastie, deren Tätigkeit sich bis in die Königshäuser zurückverfolgen lässt. „So lange treiben wir in diesem Bereich schon unser Unwesen“, scherzt er. Kein Wunder also, dass der 46-Jährige sein Geschäft mit Leib und Seele führt.


Ein Leben unterwegs


Allein im Sommer kann man die Fahrgeschäfte der Zinneckers auf circa 20 bis 25 Plätzen erleben. Ein Mammutprojekt, bedenkt man den aufwändigen Transport, Auf- und Abbau. „Man könnte fast meinen, es ginge hier mit den Mainzelmännchen zu“, lacht er. In Wahrheit sorgen aber seine 14 Mitarbeiter dafür, dass alles so rund läuft. Wo andere Schausteller tagelang beschäftigt sind, steht sein 96 Meter hoher Turm in knapp elf Stunden. Sichtlich stolz ist er auf diese Leistung seiner Mitarbeiter. Aber der Chef baut auch selbst mit, wenn er dazu die Zeit findet. Dann steht er meist am Kran, wie er sagt.

Seine Geschäfte regelt der 46-Jährige von seinem Wohnwagen aus. In diesem Jahr wohl mit Abstand der Größte auf dem Platz. „Wir leben hier drinnen bestimmt nicht schlecht“, gibt er zu. Und doch vermissen Andreas und Claudia ihr eigenes Haus, das sie höchstens zwei bis drei Monate im Jahr zu sehen bekommen.


Eine ganz andere Ruhe


Am meisten, weiß Claudia sofort, vermisst sie die Ruhe dort. Tage und Nächte ohne Trubel, ohne ständiges Gedröhne und vor allem auch mit Wochenenden. „Nach zehn bis elf Monaten ständig draußen und dem ständigen Druck freut man sich so richtig auf das Ausspannen“, erzählt Andreas Zinnecker. Aber für ihr turbulentes Leben haben die beiden es sich so gemütlich wie möglich gemacht. Ihr Wohnwagen ist mit allem ausgestattet, was man sich nur wünschen kann. Von einem Flatscreen und geräumiger Couchgarnitur über eine voll funktionsfähige Küche bis hin zur Fußbodenheizung. „Das ist für uns das fahrbare Haus“, sagt Andreas. Wohlfühlen kann man sich darin auf jeden Fall. Denn von der sonst für Wohnwagen typische Enge kann man hier nicht sprechen. Und trotzdem wird der Platz von Monat zu Monat enger und das Paar sehnt sich nach seinem Haus. „Aber wenn wir dann dort einen Monat waren, zieht es uns auch schnell wieder raus.“ Den „Luxus“, den sich die Zinneckers mit ihrer mobilen Bleibe leisten, möchten sie aber auch ihren Mitarbeitern ermöglichen, die alle schon lange für das Paar arbeiten. Auch sie haben beispielsweise einen vierzehn Meter langen Anhänger mit Ausstattung von Dusche bis Fußbodenheizung. „Wenn ich gut lebe ist es mir wichtig, dass auch meine Leute gut untergebracht sind“, erklärt Andreas Zinnecker dazu. „Sie sollen sich fühlen wie in einem Hotel.“


Es wird überall mit Wasser gekocht


Sich selbst sieht er nicht als etwas Besonderes, nur weil er „ein großes Karussell“ hat. Für ihn ist die Leidenschaft für den Beruf das, was seinen Erfolg ausmacht. Denn noch heute hat er Freude am Jahrmarkt und kann diese Begeisterung an seine Kinder und inzwischen auch Enkel weitergeben. Die Schausteller seien über die Jahre zu einer großen Familie zusammengewachsen, wie er berichtet, und das sei auch das Schönste an seinem Beruf: Das man immer wieder auf tolle Menschen trifft und mit ihnen zusammen wächst. Auch die Freude der Besucher über seine Attraktionen erfreut ihn jedes Mal aufs Neue. „Die Leute wollten schon immer feiern. Darum glaube ich auch, dass das Volksfest nie zu Ende geht.

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