Porträt : Laura Boriczka: Die Stimme aus Parchim

Die Parchimerin Laura Boriczka ist Radio-Moderatorin in Berlin
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Die Parchimerin Laura Boriczka ist Radio-Moderatorin in Berlin

Im Porträt: Laura Boriczka alias Laura Larsson ist Moderatorin bei Radio Kiss in Berlin

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27. Mai 2017, 16:00 Uhr

Als Laura vor Jahren mit den Eltern Urlaub in Schweden machte, entdeckte sie, eingeritzt in einen hölzernen Steg, unter vielen anderen den Namen Laura Larsson. Das klang, fand sie, „total schön“, viel besser als Laura Boriczka. Sie konnte nicht ahnen, dass ihr beruflicher Weg einmal dort hin führen würde, wo es nicht unüblich ist, sich ein Pseudonym zuzulegen. Aber als die heute 27-Jährige nach einigem beruflichem Hin und Her fast aus dem Stand die Sendung „Berlin Battle“ beim Berliner Sender Radio Kiss erhielt, da fiel ihr der Name vom Steg wieder ein und sie wurde zur Moderatorin Laura Larsson.

„Na, das Café Melange ist doch eine Location! Da treffen wir uns“, schrieb sie in ihrer Mail, nachdem ich mehrere Treffs vorgeschlagen hatte. Gern. Als es dann soweit ist, kommt eine ziemlich große junge Frau im langen, wehenden Strickmantel und mit langen, wehenden blonden Haaren ins Café. Und eines fällt sofort auf, sieht man Lauras Gesicht zum ersten Mal: Sie hat schöne, ungewöhnlich große Augen. Ihre äußere Charakteristik überhaupt, denke ich, schlägt in der zerklüfteten Landschaft der individuellen Stile wohl eher ins Fach natürliche Weiblichkeit. Nach der Begrüßung möchte ich mich erst einmal in einem Punkt schlau machen. „Was genau ist denn eine Location“, frage ich die Wahl-Berlinerin. „Für mich ist das so was wie hier, etwas mit Wohnzimmerfeeling“, sagt sie. „Es muss doll gemütlich sein.“ Stylisches Design, wie es das oft in Berliner Kneipen gibt, mag sie nicht. Das ist ihr zu kühl.

Ihre Sendung „Berlin Battle“ ist eine Nachmittagssendung, die täglich von 15 bis 19 Uhr ausgestrahlt wird. Laura Larsson soll „die Leute in den Feierabend bringen“, wie es im Medien-Sprech heißt. Und dazu lockt sie Hörerinnen und Hörer mit täglich neuem Gesprächsstoff „on air“. Ein sehr populäres Thema, im Grunde aber ein alter Hut, der nun unter englischer Bezeichnung Neuauflage feiert, ist Body-shaming, die Scham also angesichts des (nackten) Körpers und des ungeschminkten Gesichts. Warum, frage ich Laura Boriczka, ist das gerade wieder so aktuell? Sie glaubt, das hänge mit der positiven Selbstdarstellung in erster Linie der Frauen in den sozialen Medien zusammen: „Viele manipulieren ihre Bilder doch so, dass sie maximal attraktiv erscheinen. Da wird auch mit technischen Tricks gearbeitet, zum Beispiel macht man sich auf dem Foto brauner, als man ist.“ Ich verstehe. Da niemand real so wie auf seinem geschönten Idealfoto aussehen kann, sind die kleinen, alltäglichen Abstürze vorprogrammiert.

Laura ist offenbar eine einfühlsame Moderatorin, misst die Untiefen der oft kontroversen Beiträge ihrer Hörer aufmerksam aus. Niemand soll den Schauplatz des „Berlin Battle“ verletzt verlassen. Der allzu kessen Lippe wird sanft der Äther entzogen, bestimmte Urteile fängt sie noch einmal ab, relativiert, setzt etwas dagegen.

Ein junger Mann beispielsweise, erzählt Laura, habe sich offen dazu bekannt, keine übergewichtige Frau akzeptieren zu können: „Ich will `ne Frau, die versucht wie ein Model auszusehen.“ Sein Kommentar nach dem Einspruch der Moderatorin: „Ich bin wenigstens ehrlich.“ Dass sogenannte Ehrlichkeit, ohne die Verletzungen anderer einzukalkulieren, einfach nur Grobheit ist, ist Laura Boriczka bewusst. Man spürt, dass der Kompass der jungen Moderatorin wie selbstverständlich (auch) an den Tatsachen der Gefühlswelt ausgerichtet ist.

Die Verwissenschaftlichung des kulturellen Lebens – sie studierte ein paar Semester Kultur-und Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität – hat ihren Lebensweg jedenfalls nicht beeinflussen können. Nach dem Ausflug an die Uni begann die Ära der Berlin-Praktika.

Der Testlauf von der Filmkomparserie über einen ersten Radiosender deutet schon die Richtung in die eigenen kreativen Möglichkeiten an. Dann klopfte sie beim ehemaligen Nischensender Radio Kiss an, begann auch hier ein Praktikum, schloss ein Volontariat an und als eine Kollegin sich verändern wollte, bekam sie „Berlin Battle“, die Sendung, von der sie sagt: „So schlimm geht`s da auch nicht zu.“

„Was fasziniert Sie besonders am Radio, das ja nur ein akustisches Medium ist? Heute ist doch alle Welt immer nur scharf auf Bilder“, frage ich. „Ich habe die Stimme und ihren Klang immer gemocht,“ sagt Laura. Schon als Kind sprach sie Geschichten auf ein Band auf. „Viele hören ja die eigene Stimme nicht gern, aber ich habe sie immer gemocht.“ So dürfte sie also am richtigen Ort angekommen sein. Seit einiger Zeit ist Lauras Stimme übrigens auch über den Podcast „Herrengedeck“ zu hören, der es bereits auf Platz zwei der bundesweit populärsten Podcasts im Bereich Comedy gebracht hat.

Übrigens hasst sie es, wenn man ihr erklärt, dass sie sich nicht aufregen solle. Und auf die Frage, was sie am besten könne, sagt die junge Moderatorin: „Ich glaube, ich kann sehr gut zuhören.“

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