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Dorfladen Siggelkow : Landmann übergibt Staffelstab

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Norman Mohr verabschiedet sich von seinem Dorfladen. Sandro und Nicole Möller wollen Erfolgsgeschichte fortsetzen

Der Landmann hört auf. Diese Nachricht hat sich in Siggelkow wie ein Lauffeuer verbreitet. Obwohl das Geschäft mit nur rund 60 Quadratmetern Verkaufsfläche auch im Parchimer Land eher zu den kleinen Läden gehört, hat es unter dem stilvollen Namen „Landmann“ seit mehr als fünf Jahren sogar überregional für viel Aufmerksamkeit gesorgt. „Heute Mittag um 12 Uhr ist für mich Schluss“, sagt Norman Mohr und ist keineswegs unzufrieden. „Aber schon übermorgen“, so der 38-Jährige sichtbar erleichtert, „geht es ab 8 Uhr weiter“. Unter gleichem Namen, mit gleichem Sortiment, aber einer neuer Besatzung nimmt der Siggelkower „Landmann“ weiter Fahrt auf. Sandro und Nicole Möller werden zusammen mit Verkäuferin Verena Kramer den „Tante-Emma-Laden“ mitten im Dorf weiter betreiben. „Auf unsere Kunden freuen wir uns schon sehr“, sind sich beide einig. Obwohl Möllers in unmittelbarer Nachbarschaft seit sieben Jahren ihren Pflege- und Betreuungsdienst „Leonardo“ betreiben und Norman Mohr gut kennen, hätten sie nicht im Traum daran gedacht, den Dorfladen nun selbst zu betreiben. „Ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, will mich perspektivisch meine handwerklichen Fähigkeiten in einer Selbstständigkeit ausleben und werde nun erst einmal im Marketing einer Handelskette meine Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen“, so Norman Mohr zu seinen Motiven. Mit der Region bleibt er eng verbunden, schätzt den Garten in Siggelkow und Parchim als Wohnmittelpunkt für die Familie. „Ich liebe im Beruf die Abwechslung, war bis zur Übernahme des Ladens in Siggelkow schon viel unterwegs“, so der junge Mann, der den Beruf eines Groß- und Außenhandelskaufmanns von der Pike auf erlernt hat. Als Landmann hat er 2011 in der dritten Generation einer Siggelkower Familie in den gleichen Räumlichkeiten das Geschäft aus der Hand von Mutter Sigrid Mohr übernommen. „Wir sind glücklich, dass uns Normans Mutter, die gleich über dem Geschäft wohnt, als erfahrene Geschäftsfrau in den kommenden Monaten mit ihren Erfahrungen zur Seite steht“, freuen sich die Möllers.


Kunden entscheiden


Der „Landmann“ ist für Siggelkow ein Stück Lebensqualität. „Die Kunden wissen zu schätzen, was es bedeutet, im eigenen Dorf auf die Schnelle einkaufen zu können“, meint Nicole Möller, die beruflich vor allem mit älteren Bürgern Kontakt hat. Dass es eine besondere Herausforderung ist, sich als kleines Geschäft, gegen die übermächtige Konkurrenz zahlreicher Discounter in der Region zu behaupten, ist auch den neuen Betreibern klar. „Aber für viele ist nicht nur der womöglich geringere Preis ausschlaggebend. Wer altersbedingt nicht mehr so mobil ist, oder nach einem langen Arbeitstag schnell noch einkaufen möchte, ist mit dem Laden in der Nachbarschaft gut bedient. Und, das habe ich immer wieder selbst festgestellt, auch mit unseren Preisen konnte ich durchaus mithalten“, fügt Norman Mohr hinzu.

Wer beim Landmann einkauft, kann aus einem sehr breiten Sortiment auswählen. Zusätzlich wird hier mit einem Bistro-Angebot und dem ansprechenden Weinregal bei den Kunden gepunktet. „Am Konzept werden wir im Wesentlichen festhalten. Das hat sich bewährt. Aber wir haben auch schon neue Ideen, wie der Landmann für Kunden aus dem Dorf und andere Gäste, die als Urlauber nur durchreisen, attraktiv bleiben kann“, sagt Sandro Möller. Die neuen Betreiber denken an ein „Landmann-Café“ und den Aufbau eines Lieferservice. Dabei bauen sie auf Unterstützung.

„Leider werden derartige Projekte nur sporadisch gefördert. Ich selbst habe vergeblich auf Hilfe gewartet. Wenn die Politik langfristig die Situation in den ländlichen Gebieten verbessern will, müssen auch kleine Geschäfte, die für eine sinnvolle Infrastruktur unverzichtbar sind, Fördermittel bekommen“, sagt Norman Mohr. Er hat sich in einer Arbeitsgruppe der Gemeinde, die sich für die wirtschaftlichen Zukunft von Siggelkow einsetzt, engagiert und im Laden mit seinen Mitbürgern dazu das Gespräch gesucht. „Wir wollen ein lebendiges Dorf bleiben. Da sind alle Generationen zum Mitmachen aufgerufen. Mit dem ,Landmann’ wurde etwas geschaffen, dass eine Perspektive verspricht“, ist sich Sandro Möller sicher.

Wenn sich nach der morgigen Inventur am Mittwoch Punkt 8 Uhr wieder die Türen beim „Landmann“ öffnen, soll die Erfolgsgeschichte weiter gehen. An der Treue der Kunden wird es liegen, ob die Wünsche, die Norman Mohr seinen Nachfolgern mit auf den Weg gibt, aufgehen.  

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erstellt am 30.Mai.2016 | 11:45 Uhr

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