Zölkow : Land unter auf vielen Feldern

Große Wasserlachen auf dem Acker bei Hof Grabow. Andrè Schult zeigt eine Fläche an der Warnow, die bei extremer Feuchtigkeit nicht selten unter Wasser steht.
Große Wasserlachen auf dem Acker bei Hof Grabow. Andrè Schult zeigt eine Fläche an der Warnow, die bei extremer Feuchtigkeit nicht selten unter Wasser steht. Fotos: Michael Beitien

Extreme Niederschläge der letzten Monate machen Bauern weiter zu schaffen. Lagerkapazität für Gülle und Gärreste wird knapp.

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29. Januar 2018, 05:00 Uhr

Noch drei Tage: Ab 1. Februar dürfen die Landwirte wieder Gülle, Gärreste und Dung auf die Felder und Wiesen ausbringen. Vorausgesetzt die Böden sind überhaupt aufnahmefähig. Viele Landwirte zählen die Stunden. Denn die Lager mit dem Dünger aus der Tierproduktion sind knackend voll.

Andrè Schult, Geschäftsführer der Agrarproduktion Zölkow e. G., zeigt ein Feld bei Hof Grabow. Hier, in unmittelbarer Nähe der Warnow, die derzeit sehr viel Wasser führt, ist der Boden besonders feucht. Große Wasserlachen stehen auf dem Feld. Wie auch an vielen anderen Orten mit schweren Böden müssen sich die Landwirte in Geduld üben. Ein Drittel der Ackerflächen des Zölkower Betriebes befindet sich aber auf Sandflächen, wo überschüssiges Wasser relativ schnell versickert. Wenn die Flächen befahrbar sind, geht es hier ab Februar los mit der Düngung des Grünlands.

Trotz des extrem nassen Vorjahres haben die Zölkower die Arbeiten im Herbst geschafft. Nur auf einem Hektar konnten sie wegen des Zustands der Böden nicht ernten. Das schlage nicht zu Buche, sagt Schult. Alle Winterkulturen seien im Boden. Nicht mehr geschafft haben die Landwirte allerdings die Gülle wie geplant auszubringen. 800 Kubikmeter blieben im Lager, weil die Flächen nicht mehr befahrbar waren. Die Bauern dürfen ohnehin nur noch bis Ende Oktober den Dünger auf Grünland bringen. Auf den Ackerflächen ist - abhängig von der Kultur – schon früher Schluss.

Das extrem feuchte Jahr wirkte sich nicht nur auf den Feldern, sondern auch in den größtenteils nach oben offenen Güllebecken aus, die zusätzlich mit Regen gefüllt wurden.Im Vorjahr waren allein in der Zölkower Region 400 Millimeter Niederschlag über dem Durchschnitt gefallen. Ältere Leute aus dem Dorf sagten, eine solche Nässe habe es hier zuletzt in den 1960er-Jahren gegeben. Eigentlich verfüge seine Genossenschaft über ausreichend Güllekapazitäten, sagt Schult. Aber eine Konsequenz aus diesem Jahr sei, dass man wohl ausbauen müsse. Auch ohne am Viehbestand von rund 650 Rindern etwas zu ändern.

Mit der Ausbringung der Gülle haben die Zölkower ein Lohnunternehmen beauftragt, das die entsprechende Technik hat, sagt Schult. Auf Grünland wird schon seit längerer Zeit durch Schlitzen die Gülle bis in den Wurzelbereich der Grasnarben gebracht. Auf dem Acker kommen Schleppschläuche und -schuhe zum Einsatz. Dadurch wird die Geruchsbelästigung minimiert. „Man muss auch an die Anwohner denken“, sagt der Chef der Genossenschaft. Und für die Bauern ist es wichtig, die Nährstoffe an die richtige Stelle zu bringen.

Nachdem im Nachbarland Schleswig-Holstein längst volle Güllelager gemeldet wurden, geht Schult davon aus, dass mittlerweile auch Mecklenburg an den Grenzen der Lagerkapazität ist. „Wir auch“, sagt der Zölkower. „Da ist nicht viel Luft.“ Damit der selbst hergestellte Dünger ab Februar ausgebracht werden kann, muss allerdings die Witterung mitspielen. Am idealsten für alle Bauern wäre ein frostfreier und trockener Februar.

Bei der Entscheidung, wo Gülle ausgebracht wird, beachten die Zölkower übrigens auch die Windrichtung. Hierbei hilft Schult ein Blick auf die Windräder im Ort, die sonst eher für Ärger Anlass geben.

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