Wirtschaft : Lahmes Internet bremst Firmen

Stefan Hornig in der Fensterproduktion bei MFT in Spornitz. Der Betrieb hat in einen modernen Maschinenpark investiert.
Stefan Hornig in der Fensterproduktion bei MFT in Spornitz. Der Betrieb hat in einen modernen Maschinenpark investiert.

Nachteil im Wettbewerb: In Gewerbegebieten in Parchim und Spornitz reicht die Breitbandversorgung nicht aus.

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10. August 2015, 08:00 Uhr

Schneckentempo statt zügige Fahrt auf der Datenautobahn: Betrieben in Gewerbegebieten in Parchim und in Spornitz macht eine zu langsame Breitbandversorgung Probleme. Viele Privathaushalte in Städten haben eine um ein Vielfaches schnellere Leitung. Das ist ein Wettbewerbsnachteil für Firmen der Region.

Beispiel: die Firma MFT in Spornitz. Auf einem umkämpften Markt könne sich die Fensterbaufirma nur behaupten mit schneller Lieferbereitschaft und der Berücksichtigung individueller Kundenwünsche, erfährt SVZ von den Prokuristen Jürgen Schimanski und Thorsten Schneider. Die Firma hat in Spornitz mehrfach erweitert und in einen modernen Maschinenpark investiert. Schon mit dem Angebot an die Kunden entstehen Datensätze, die direkt an die CNC- gesteuerten Maschinen gehen.

Doch ein Wettbewerbsnachteil für die Spornitzer ist das langsame Internet. Das Problem sind die geringen Upload-Raten. Das heißt die Geschwindigkeiten, mit denen von außen auf Daten des betrieblichen Server zugegriffen werden kann. Derzeit ist es ein Geduldsspiel, wenn beispielsweise ein Verkäufer im Kundengespräch wichtige Daten vom Server im Herstellerbetrieb nutzen will. Und die Spornitzer Firma musste wegen des lahmen Internets bisher auch ihre Pläne auf Eis legen, einen sogenannten E-Shop zum Verkauf von Zubehör für die Fenster zu etablieren.

Um Sorgen mit dem Netz ging es kürzlich auch bei einem Besuch von Wolfgang Waldmüller (CDU-Landtagsabgeordneter) und des künftigen Parchimer Bürgermeisters Dirk Flörke bei Bulk Medicines & Pharmaceuticals Production (BMP) im Parchimer Gewerbegebiet Neuhofer Weiche. Wirtschaftsunternehmen wie BMP monieren, dass Updates nur zögerlich funktionieren oder bestimmte Datenvolumen nicht zufriedenstellend mit Kunden ausgetauscht werden können, hieß es nach dem Besuch.

Im Parchimer Gewerbegebiet wurde zumindest in Kooperation mit dem kommunalen Anbieter Wemacom ein schnelleres Internet auf Funkbasis installiert. Das wird von den Stadtwerken vermarktet, derzeit von vier Betrieben genutzt und funktioniert offenbar ohne Beschwerden, wie SVZ von Wemacom erfuhr. Waldmüller und Flörke fragen allerdings, ob dieses WLAN-Netz nicht vor dem Hintergrund wachsender Datenströme bald an seine Grenzen stößt.

Die Telekom hat keine Ausbaupläne für die Gewerbegebiete in Parchim und Spornitz, erklärte Pressesprecherin Stefanie Halle auf Nachfrage unserer Zeitung. Generell gelte bei jedem Ausbau: Er muss wirtschaftlich sein.

Halle verweist auf Alternativen, auf spezielle Angebote für Unternehmen. Sie benötigen eine höhere Bandbreite als Privathaushalte, meistens feste IP-Adressen, Standleitungen sowie spezielle Service-Leistungen im Bereich Software und Wartung, sagt sie. Deshalb biete man maßgeschneiderte Lösungen mit dem Produkt Company Connect an.

Nach einer Telekom-Standleitung hatte sich MFT erkundigt, erfuhr SVZ von Jürgen Schimanski. Das Ergebnis: Teuer und dennoch in Spornitz mit zu geringen Uploadraten.

Es bestehe die Möglichkeit, dass sich Unternehmen zusammenschließen und mit Telekommunikationsanbietern Kontakt aufzunehmen, erklärte Halle. Die vorhandene Infrastruktur werde geprüft und ein möglicher Ausbau durchgerechnet: Sollte sich eine Deckungslücke ergeben, müsste das Gewerbegebiet bzw. die Interessengemeinschaft diese mittragen.

Das Unternehmen Wemacom, in der der kommunale Energieversorger Wemag die Mehrheit hat, tritt in der Region ebenfalls als Anbieter auf. Wie SVZ von Mitarbeiter Rainer Killer erfuhr, führt nach Spornitz eine Glasfaserleitung dieses Unternehmens. Und es sind Betriebe in der Gegend um den Bahnhof darüber verbunden mit der Datenautobahn. Die Leitung führt direkt an der Bundesstraße entlang und ist nicht weit entfernt beispielsweise von Firmen wie MFT. Auf Wunsch könne man den Unternehmen dieses Gebiets ein Angebot erstellen. So preiswert wie ein privater Anschluss sei das aber nicht zu haben, deutete Killer an. Er verweist u.a. auf zusätzlichen Service und Leistungen für Firmen.

Bei Wemacom wird auch darüber nachgedacht, ob man neben der bereits geschaffenen Funklösung ein Festnetz im Gewerbegebiet Neuhofer Weiche in Parchim verlegt.

Die Kommunalpolitiker Flörke und Waldmüller hatten kürzlich erklärt, im Interesse des Gewerbegebietes Parchim sei es wichtig, um eine Förderung der Infrastrukturmaßnahme "Breitbandausbau" zu ersuchen.

Auch der Spornitzer Bürgermeister Dieter Eckert sieht Handlungsbedarf. Das Internet sei in Spornitz nicht nur für die Betriebe, sondern insgesamt zu langsam.

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