GigaLiner : Länge läuft gigantisch

Von den Vorzügen des Euro-Combis ließ sich Harry Glawe durch Geschäftsführer Jens Stapelmann überzeugen.  Fotos: Horst Kamke
Von den Vorzügen des Euro-Combis ließ sich Harry Glawe durch Geschäftsführer Jens Stapelmann überzeugen. Fotos: Horst Kamke

Krüger&Voigt weitet EuroCombi-Betrieb aus

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01. Januar 2016, 21:38 Uhr

Mit Jahresbeginn wird die Parchimer Spedition „Krüger&Voigt“ ihre langen EuroCombi-Lastzüge auch auf Strecken in Brandenburg einsetzen. Das bekräftigte Geschäftsführer Jens Stapelmann im SVZ-Gespräch.

Geplant ist der Einsatz der EuroCombis zwischen dem Stammsitz im Parchimer Logistikzentrum und einer Produktionsstätte der Nordgetreide GmbH & Co. KG in Falkenhagen. Außerdem soll noch ein DHL-Logistikzentrum in Wustermark bei Berlin angesteuert werden. „Abnehmer und Konsumenten finden sich eher in Ballungsgebieten als in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern“, weiß Firmenchef Hergen Krüger. Ein Logistiker aus MV könne deshalb mit dem EuroCombi punkten.


Mehr Länge und mehr Räder - Gewicht gleich


Der etwa 25 Meter lange Lastzug – oft auch als GigaLiner bezeichnet – besteht in der Grundversion aus einem dreiachsigen Zugfahrzeug mit einem Aufbau und einem fünfachsigen Anhänger. Das zulässige Gesamtgewicht liegt ebenso wie mit der allseits bekannten Kombination aus zweiachsiger Zugmaschine und dreiachsigem Auflieger bei 40 Tonnen. Allerdings bietet der EuroCombi deutlich mehr Ladevolumen: Ob luftige Cornflakes-Kartons oder federleichte Styroporplatten – in ihn passen 18 Paletten Frachtgut mehr hinein als in die bisher eingesetzten Standard-Lastzüge mit 34 Paletten. „In den althergebrachten Lastzügen fahren wir zu viel Luft spazieren.“ Bei einer durchschnittlichen Zuladung von 270 Kilogramm pro Palette transportiert ein EuroCombi insgesamt nur etwas mehr als 14 Tonnen. „Es kommt auf keinen Fall mehr Gewicht auf die Straßen“, beschwichtigt Geschäftsführer Jens Stapelmann.

Bereits im Mai 2012 hatte sich MV-Wirtschaftsminister Harry Glawe bei seinem Besuch in Parchim von Stapelmann die Vorzüge der EuroCombis schildern lassen. Drei konventionelle Lastzüge seien durch zwei EuroCombis zu ersetzen, was Anschaffungs- und Wartungskosten, Personal, Treibstoff und Mautgebühren einsparen helfe.

Die einfache Strecke bis nach Falkenhagen messe 46 Kilometer, „wovon 21,8 in Brandenburg liegen“. 1,3 Kilometer davon führen durch Gewerbegebiete oder über Kreisstraßen, 3,2 Kilometer über die B 103 und 17,3 Kilometer über die Bundesautobahn A 24. In Brandenburg werde keine Ortschaft durchfahren , „und auf der gesamten Wegstrecke gibt es keine Engstellen“, lobte Stapelmann die Vorzüge dieser Route. Bei einem prognostizierten Frachtaufkommen von jährlich 128 000 Paletten müsse ein Standard-Lastwagzug 3 765 Touren absolvieren und dabei 346 380 Kilometer zurücklegen. Ein EuroCombi hingegen komme mit 2 461 Touren aus (minus 36 Prozent) und spule dabei 226 412 Kilometer herunter. „Das sind fast 120 000 Kilometer weniger“, rechnete Stapelmann vor. Bei einem Spritverbrauch von 30 Liter Diesel auf hundert Kilometern könne dadurch pro Jahr fast 36 000 Liter Diesel eingespart und der Ausstoß von Kohlendioxid um hundert Tonnen reduziert werden. „Das entspricht dem Flottenverbrauch von 37 Golf-Dieselfahrzeugen mit einer jährlichen Laufleistung von 20 000 Kilometern.“


Feldversuch dauert noch bis Jahresende


Bislang liegt jedoch noch keine bundesweite Zulassung für den Einsatz des neuen Fahrzeugtyps vor. Für Krüger & Voigt hatte das Land damals gemäß Paragraf 70 der Straßenverkehrszulassungsordnung eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die allerdings nur in MV galt. Der EuroLiner aus Parchim bediente demgemäß seitdem in regelmäßigem Shuttle-Verkehr die Tour nach Wismar und hatte sich dabei, so Stapelmann, „total bewährt“. Der Transport von Solar-Modulen ist inzwischen jedoch Geschichte. Stattdessen werden regelmäßig die Routen Parchim-Gallin-Vellahn sowie Parchim-Dassow-Selmsdorf befahren. Denn: Der Feldversuch wurde inzwischen auf MV, auf Brandenburg und damit bis zum Jahresende 2016 auf insgesamt 13 Bundesländer ausgeweitet. „Auf deutschen Straßen sind inzwischen 150 EuroCombi-Züge unterwegs“, weiß Stapelmann. Er rechnet fest damit, dass nach diesem Feldversuch der bundesweite Einsatz der EuroCombi im Normalbetrieb erlaubt wird, „allerdings dann nur auf einem so genannten Positiv-Straßennetz mit ausreichenden großen Kurvenradien und ohne Engstellen“.

Kritiker dieser Pläne befürchten, dass dadurch langfristig noch mehr Gütertransporte von der Schiene auf die Straße abwandern.

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