Mestlin : Künstler nähern sich dem Idealfall

Ganz entspannt beim Aufbau – die Künstler Andrea Imwiehe, Ulrich Diezmann und Werner Kuhrmann
Ganz entspannt beim Aufbau – die Künstler Andrea Imwiehe, Ulrich Diezmann und Werner Kuhrmann

Sommerausstellung Kunstlandschaft im Mestliner Kulturhaus erlebt die achte Auflage

svz.de von
12. Mai 2018, 05:00 Uhr

Das Kulturhaus Mestlin hat sich wieder in eine Kunstlandschaft verwandelt. Zum inzwischen achten Mal gibt es eine Sommerschau mit diesem Titel. Am Herrentag wurde sie eröffnet. Und der „Kunstlandschaft 8“ liegt wieder ein Thema zugrunde: „Idealfall“. Es weist den Betrachtern ein Stück weit den Weg durch die Schau, an der 26 Künstler beteiligt sind. Wie in jedem Jahr darf das Thema auch gedreht und gewendet werden.Es ist von vielen Seiten her zu verstehen.

Bereits das Mestliner Kulturhaus ist ein Ideal: Es wurde in den 1950er-Jahren als Ort für den „Idealfall“, also das Erreichen einer klassenlosen Gesellschaft, erdacht und gebaut. Heute ist es als Gebäude mit unvergleichlich viel Fläche für die Kunstschaffenden der Idealfall als Ausstellungsort.

Längst stammen die Künstler, die nach Mestlin kommen, nicht nur aus der näheren Umgebung. Werner Kuhrmann lebt in Bremen. In einem der hinteren Räume hat der Künstler kleinformatige, feinsinnige Collagen aufgehängt. Er teilt sich die von den Resten vieler Übermalungen gefleckte Wand mit Ulrich Diezmann aus Berlin. Bringt die Wand mit ihrem von der Zeit geschaffenen Zufallsmuster denn die Kunstwerke überhaupt noch zur Wirkung? „Die Wände sind toll“, urteilen die beiden Künstler. Ein idealer Hintergrund.

Ulrich Diezmanns Bilder hängen auf einer gedachten Linie, alle im gleichen Format, alle rot in Abstufungen. Werner Kuhrmann hingegen hat seine Collagen in „harmonischer Unordnung“ auf der Wand gruppiert. Alte Einbände, Schulbücher, Zeitschriften vom Flohmarkt haben den Künstler zu Montagen winziger Szenen aus ausgeschnittenen oder ausgerissenen Motiven angeregt. „Klein“, sagt der Skalpellarbeiter, „sind sie, aber in meinem Kopf werden sie riesig groß“. Kein Wunder, denn um diese Bilder aufnehmen zu können, müssen auch die Betrachter konzentriert hinsehen. Das macht die kleinen Werke groß. Kuhrmanns Ideal: Er will dieses Material in seiner Eigenart zur Wirkung bringen, das alte, von Licht gebräunte Papier mit den Bildchen von einst oder „dieses Elfenbeinweiß“.

Traumbilder, aber gehalten von der Komposition, so muten die roten Bilder des Berliners Diezmann an. „Die Landschaft steht immer am Anfang des Malvorgangs“, sagt er. Zumindest ist eine Horizontlinie zu sehen oder eine Landschaftsansicht. Aber letztlich ist es Phantasiestoff, in dem Tiere, Kirschen, Kleidungsstücke stehen, schweben und dabei den Betrachter irgendwie herausfordernd „ansehen“. Ausstellungsbesucher mag gerade das zur Frage nach der Bedeutung der Bilder anstacheln. Diezmann ermuntert die Gäste, ihn einfach anzusprechen. Der Idealfall für ihn: Dass Besucher seine Bilder auf ihre Weise „verstehen“. Er will nur ein Angebot machen.

Die Ausstellung im Kulturhaus ist an diesem Wochenende und den weiteren Sonnabenden, Sonntagen und Feiertagen bis zum 3. Juni zu sehen, jeweils von 11 bis 17 Uhr.






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