zur Navigation springen

Parchim : Kühe futtern für das grüne Label

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Handel drängt auf den Verkauf von gentechnikfreien Milchprodukten. Immer mehr Landwirte verzichten auf Einsatz von Soja im Futter.

„Ohne Gentechnik“ steht in dem kleinen, kaum auffallenden Kästchen auf den Milchpackungen in einem Parchimer Einkaufsmarkt. Der Handel setzt auf dieses neue recht unscheinbare Label. Und darauf stellen sich auch zunehmend Milchbauern im Parchimer Umland ein. Das bedeutet für die meisten Abkehr von gentechnisch verändertem Soja im Kuhfutter.


Rest vom Bierbrauen für die Milch


„Wir haben nur geringfügig Soja gefüttert“, sagt Bernd Pahl, Landwirt in Stolpe. Seit dem vergangenen Sommer verzichtet er darauf und liefert gentechnikfreie Milch an die Molkerei Arla. Als Ersatz für die notwendigen Eiweißzutaten verwenden die Stolper beispielsweise sogenannte Biertreber. Das sind ausgelaugte Rückstände des Malzes, die bei der Bierherstellung in der Lübzer Brauerei übrig bleiben. Auch füttern die Stolper ihre Kühe mit selbst angebauten Erbsen und kaufen zusätzlich Rapsschrot ein. Als Stärke-Komponente verwenden die Bauern hier geschrotetes Mais und Getreide aus eigener Produktion. Mit einem Cent mehr pro Liter Milch belohnt die Molkerei Arla die Landwirte für den Einsatz von gentechnik-freiem Futter. Im Fall von Stolpe kompensiert dieser Cent den zusätzlichen Aufwand, erfahren wir. Weil man eigene Futtermittel verwendet.


Kein Unterschied in der Milch nachweisbar


Es gibt aber auch Bauern in der Region, die die Umstellung gerade angesichts der nach wie vor nicht üppigen Erzeugerpreise und der schwierigen finanziellen Lager ihrer Betriebe lieber so lange wie möglich herauszögern wollen. Würde man beispielsweise auf das sehr teure gentechnikfreie Soja umsteigen, müsste man drei Cent mehr für die Erzeugung jedes Liters Milch einsetzen, rechnete ein Landwirt vor. Das mache der eine Cent mehr von der Molkerei nicht wett. Auch äußerte der Betriebsleiter aus der Nähe von Parchim Zweifel am Sinn der ganzen Umstellungsaktion. Denn in der Milch mache es keinen Unterschied und sei überhaupt nicht nachweisbar, ob die Kuh Gen-Futter bekommen habe oder nicht.


Erzeugerpreis macht weiterhin Sorgen


Holger Rebert, Landwirt in Friedrichsruhe, hat indes gute Erfahrungen damit, dass er gentechnisch veränderten Sojaschrot von der Speisekarte der Kühe gestrichen hat. Hier wurde diese Futterkomponente durch Lupinen aus dem eigenen Anbau ersetzt. Holger Rebert: „Die Milchleistung ist nicht abgesackt.“ Auch die Qualität stimme. 31 Liter pro Kuh und Tag werden hier gemolken. Der eine Cent mehr sei in Ordnung, allerdings macht sich Holger Rebert Sorgen, dass der Milchpreis, der über lange Zeit im Keller war und sich wieder erholt hatte, im April erneut um einen Cent gefallen ist. „34 bis 35 Cent brauchen wir“, sagt Rebert. Derzeit gibt es 32 Cent plus einen für die Gentechnik-Freiheit.

Es müsse jeder Betrieb für sich entscheiden, ob die Umstellung für ihn lukrativ ist, meint Frank Piehl, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Parchim. Wolfgang Rommel, Sprecher des Molkerei-Riesen Arla, betonte gegenüber SVZ, dass die Umstellung freiwillig und keine Verpflichtung sei. Für Arla gebe es weiterhin die Möglichkeit, auch Milch von Kühen, die gentechnisch verändertes Soja fressen, zu vermarkten. Denn außerhalb von Deutschland spiele das keine Rolle. Die Masse der Genossenschaftsmitglieder von Arla aus der Region setzt indes auf das Prädikat „Ohne Gentechnik“. Unter diesem Label liefern aus der Region Parchim mittlerweile 85 Prozent der Landwirte, so Rommel. 80 Prozent der gesamten Milch, die derzeit in Upahl verarbeitet wird, stammt aus diesem Segment mit dem grünen Label bzw. befindet sich in der Umstellungsphase. Ziel sei es, dass künftig sowohl in Upahl als auch am Arla-Standort in Karstädt zu 100 Prozent Milch mit der Bezeichnung „Ohne Gentechnik“ verarbeitet wird. Zum Anlass der Umstellung sagt Rommel: „Es war der Wunsch des Handels.“


Sauberes Image der Milch verteidigen


Wenn der Verbraucher das will, müssen sich die Landwirte dem stellen, meint Landwirt Bernd Pahl. „Wir wollen keinen Makel auf unseren Lebensmitteln. Milch hat ein sehr sauberes Image, das müssen wir mit allen Mitteln verteidigen.“

zur Startseite

von
erstellt am 27.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen