Kreisstadt wird weiter demontiert

Ein Haus mit Tradition und moderner Ausstattung: Die Berufliche Schule in der Kreisstadt. Foto: Archiv
Ein Haus mit Tradition und moderner Ausstattung: Die Berufliche Schule in der Kreisstadt. Foto: Archiv

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24. Mai 2013, 07:23 Uhr

parchim | Der Institutionen-Kahlschlag in der Kreisstadt geht weiter: Beschließen die Kreistagsabgeordneten den Schulentwicklungsplan, wird die Berufsschule Parchim noch in diesem Jahr degradiert. Lapidar heißt es im Plan: "Das Regionale Berufliche Bildungszentrum des Landkreises führt zwei unselbstständige Außenstellen, eine in 19370 Parchim und eine in 19230 Hagenow." Die CDU-Fraktion im Kreistag hat bereits Widerstand angemeldet. Fraktionschef Wolfgang Waldmüller: "Unsere Position ist klar: Kreisliche Gesellschaften und Institutionen sind in der Kreisstadt anzusiedeln. Die Kreisstadt muss als solche entwickelt werden, um kreisweit gleichartige Lebensbedingungen zu schaffen."

Die Verwaltung begründet ihren Vorschlag mit den zurückgehenden Schülerzahlen und einer entsprechenden Landesverordnung. Diese erlaubt nur noch Regionale Bildungszentren mit mindestens 1000 Schülern. Prognostiziert werden für Parchim 718 bis 719 Schüler bis zum Jahr 2018, für Ludwigslust/Hagenow knapp 1100 Schüler. Schlussfolgerung der Kreisverwaltung: "Da die berufliche Schule in Parchim die geforderte Mindestschülerzahl von 1000 Schülerinnen und Schülern pro Schuljahr sowohl im Planungs- als auch im Prognosezeitraum weit nicht mehr erreicht, muss sie zum Ende des Schuljahres 2012/13 als selbstständige Schule aufgehoben werden." Diese Rechnung funktioniert aber nur, wenn die Standorte Ludwigslust und Hagenow zusammengerechnet werden. Und: Die drei Beruflichen Schulen im Landkreis Ludwigslust-Parchim sollen organisatorisch zum Regionalen Beruflichen Bildungszentrum RBB umgestaltet werden, werden also ohnehin eine Einheit.

Dass der Sitz Ludwigslust sein muss, wie von Landrat Rolf Christiansen (SPD) als Verwaltungschef vorgegeben, ist aus der Verordnung des Bildungsministeriums schwerlich abzuleiten. Außer dem Schüler-Zahlenspiel findet sich nur noch ein Argument: die zentrale Lage zwischen den drei Standorten.

Die Schulkonferenz der Parchimer Berufsschule begrüßte im Beteiligungsverfahren die Ausrichtung auf ein Bildungszentrum, der Zusammenschluss sei sinnvoll. Der Auswahl des Sitzes Ludwigslust widersprechen die Parchimer: "Für diese Entscheidung gibt es keine sachliche Erklärung." Sie führen Argumente pro Parchim an. Dass die Schule nur fünf Minuten vom Bahnhof entfernt ist, sei "nicht entscheidungsrelevant", findet die Verwaltung. Zynisch: Auf das Argument, das Parchimer Gebäude sei behindertengerecht ausgestattet, antwortet die Verwaltung: "Eine Schulbaurichtlinie gibt es nicht mehr." Die Parchimer folgen dann der Rechenlogik des Landrats und listen die Schülerzahlen der drei Standorte auf, die mit oder ohne Absicht in der zahleninflationären Schulentwicklungsplanung fehlen: Parchim: 616 Schüler, Ludwigslust 590 Schüler, Hagenow 347 Schüler. Also ist Parchim ganz klar der Standort mit den meisten Schülerzahlen und müsste folgerichtig Sitz des Regionalen Bildungszentrums sein. Antwort der Verwaltung: "Wird zur Kenntnis genommen." Leider wird "nicht berücksichtigt", dass Parchim auch noch der Ort in Mecklenburg mit der ältesten schulischen Einrichtung für die Berufsausbildung ist.

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