Parchim / Ludwigslust : Kreis will blaue Tonnen auch in Parchim

Bald auch in Parchim? Die blaue Tonne. Archiv
Bald auch in Parchim? Die blaue Tonne. Archiv

Die Abfallwirtschaft in Parchim und Ludwigslust ist völlig unterschiedlich geregelt. Ziel: Einheitliche Gebühren in beiden Altkreisen schaffen. Und das mit Hilfe der blauen Tonne.

svz.de von
19. Juni 2012, 10:47 Uhr

Parchim | Rolf Christiansen (SPD) scheint in guter Gesellschaft: "Fragen müssen gestellt werden", sagt der Landrat in der Debatte um höhere Müllgebühren im Parchimer Teil des Landkreises (wir berichteten). Auch Günter Grass nannte sein israelkritisches Gedicht "Was gesagt werden muss." Der Unterschied: Rolf Christiansen schiebt unlyrisch Zahlen nach, die das Handeln der politischen Akteure in der Endzeit des Altkreises Parchim doch in einem nicht sehr guten Licht erscheinen lassen.

"Wenn dem Landrat des neuen Kreises wenige Wochen nach seinem Amtsantritt ein Vermerk auf den Tisch flattert, dass für die Abfallwirtschaft eine Gebührenanhebung notwendig wird, dann stellen sich viele Fragen", so Christiansen. Das klingt ein wenig nach Griechenland. Obendrein habe das zuständige Fachamt dargelegt, dass es rechtzeitig auf die Entwicklung hingewiesen habe. Es sei abzusehen gewesen, dass die Rücklagen im Parchimer Bereich nicht zur Kostendeckung des Defizits reichen würden.

Der Knackpunkt: Nach dem Kommunalabgabengesetz MV hätte der Altkreis kostendeckend wirtschaften und Unterdeckungen zeitnah ausgleichen müssen, im Klartext hätten die Müllgebühren früher erhöht werden müssen. Immerhin sind nicht gedeckte 737 100 Euro keine Peanuts.

Dass die Verluste vielleicht geringer hätten ausfallen können, lassen Vergleiche ahnen. Offenbar ist das System der Grünschnittabfälle in Ludwigslust weniger kostenintensiv, wie Landrat Rolf Christiansen vorrechnet. Dort sammelte der Abfallwirtschaftsbetrieb im Jahr 2011 insgesamt 11 200 Tonnen Grünschnitt ein (Kosten 438 470 Euro), im Altkreis Parchim kamen 7700 Tonnen (Kosten 457 219 Euro) zusammen. Pro Tonne zahlte Parchim 59,38 Euro, Ludwigslust nur 39,15 Euro. Folge: Beide System kommen auf den Prüfstand. Christiansen: "Die Bürger dürfen ein möglichst ökologisches, komplexes und ausgewogenes Dienstleistungsangebot erwarten, jedoch auch zu moderaten Gebühren."

Auch beim Altpapier könnten beide Wege unterschiedlicher nicht sein. In Parchim gibt es derzeit ein so genanntes Bringsystem mit 387 Sammelcontainern, zusätzlich stellen private Entsorger blaue Tonnen auf und kassieren die Erträge für das Altpapier daraus. Im Altkreis Ludwigslust stehen 593 Behälter, zusätzlich hat der Kreis 19 000 blaue Tonnen verteilt.

Bisher hatten die Parchimer Kreispolitiker vorgerechnet, dass das Aufstellen der blauen Tonnen zu teuer sei. Es ist teuer, aber es rechnet sich auch. Die billige Parchimer Variante kostete 2011 nur 264 519 Euro, Ludwigslust löhnte 419 188 Euro. Dort waren mit 717 414 Euro die Erlöse höher als im Altkreis Parchim (619 021 Euro), unter dem Strich blieb aber mehr Geld für Parchim. Weil aber immer mehr Bürger die (in Parchim privat bewirtschafteten) blauen Tonnen benutzen, bröckeln die Erlöse. Von 2008 zu 2011 verlor Parchim 747 Tonnen, Ludwigslust mit der eigenen blauen Tonne legte um 1000 Tonnen zu. Um die Altpapiergewinne komplett abzufassen, will Landrat Rolf Christiansen das System "komplett kommunalisieren". Allerdings laufen die Verträge noch bis 30. Juni 2013. Vorher, das ist gewiss, wird die Gebührenerhöhung kommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen