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Eichenprozessionsspinner : Kreis lässt die Hubschrauber gegen fiese Raupe los

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Parchimer Umweltmedizinerin kritisiert Einsatz gegen Eichenprozessionsspinner / Ab Montag könnte es losgehen

von
erstellt am 07.Mai.2014 | 15:45 Uhr

Ab Montag könnten die Hubschrauber im Kampf gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners abheben. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat gestern eine Allgemeinverfügung erlassen, in der der Biozideinsatz aus der Luft angeordnet wird. Der Zeitraum vom 12. Mai bis zum 5. Juni ist für die Bekämpfung vorgesehen.

Das bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass die Lufteinsätze tatsächlich am Montag starten werden. „Die konkreten Termine richten sich nach der Larvenentwicklung und den Witterungsbedingungen“, heißt es in der Verfügung. So werde laut der Begründung bei Wind nicht geflogen. Die konkreten Bekämpfungsorte sollen jeweils am Tag vor der geplanten Sprühaktion auf der Internetseite des Landkreises (www.kreis-swm.de) bekannt gegeben werden. Dort findet man auch eine Karte mit den potenziellen Befallsflächen, die behandelt werden sollen. Weite Teile der B 5 zwischen Grabow und Boizenburg und der B 106 zwischen Ludwigslust und Schwerin gehören dazu. Gesprüht werden soll nur im Außenbereich, in Siedlungsrandlagen und innerorts, wenn Außenbereichsbedingungen vorliegen.

Den großflächigen Biozideinsatz aus der Luft hält längst nicht jeder im Landkreis für angemessen. „Der geplante Hubschraubereinsatz mit dem Mittel Foray ES steht in einem krassen Missverhältnis zur tatsächlichen Gefahrenlage“, sagt Dr. Renate Peßner, Allgemein- und Umweltmedizinerin aus Parchim. Es sei richtig, dass die Brennhaare der Spinnerraupen Kontaktallergien verursachen können. „Das kann das Mittel aber auch.“ Nicht umsonst ist Foray ES als ein Mittel eingestuft, das „allergische Hautreaktionen verursachen“ kann. Eine ganze Reihe von Sicherheitshinweisen werden dem Anwender gegeben. „Aerosol nicht einatmen“ beispielsweise. „Wie soll das gewährleistet werden, wenn gerade bei der Ausbringung mit dem Hubschrauber Sprühnebel entsteht?“, fragt sich Dr. Renate Peßner.

Der Landkreis will – wie im vergangenen Jahr – die jeweiligen Straßenabschnitte während des Sprüheinsatzes für rund 15 Minuten für den öffentlichen Straßenverkehr sperren. In der Anordnung ist auch betont, dass während der Behandlung und innerhalb von zwölf Stunden danach Menschen die behandelten Flächen nicht betreten dürfen. Das deckt sich mit den Anwendungsbestimmungen, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für Foray ES herausgegeben hat. Dort heißt es jedoch darüber hinaus, dass die Öffentlichkeit vor, während und bis mindestens 48 Stunden nach der Behandlung „in geeigneter Weise, z.B. durch Warnschilder“, darüber zu informieren ist.

Für Renate Peßner ist es zudem unverständlich, dass statt des im vergangenen Jahr nach Angaben der Behörden so erfolgreiche Mittel Dipel ES in diesem Jahr nicht zum Einsatz kommt, sondern stattdessen Foray ES. Dazu der Landkreis auf SVZ-Anfrage: „Der Wirkstoff (in beiden Mitteln, d.Red.) ist identisch… Es ist Bacillus thuringiensis subsp. Kurstaki“. Beide hätten auch die gleiche Zulassungsnummer. Während Dipel ES als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird, gibt es Foray ES als Biozid, also für Einsätze, die dem Schutz des Menschen dienen. „Die Unterscheidung, ob Pflanzenschutzmittel oder Biozid, hat nichts mit den Inhaltsstoffen zu tun, sondern mit den rechtlichen Grundlagen, nach denen es angewandt werden muss.“


 

 

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