zur Navigation springen

Kampf für Transparenz : Korruption lässt Parchimer nicht ruhen

vom

Norbert Wiencke aus Parchim ist seit Jahren für „Transparency International“ aktiv. Die weltweit agierende Organisation benennt ihr Hauptziel so: "Macht der Korruption ein Ende!" Wiencke sucht Mitstreiter.

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2012 | 11:29 Uhr

Parchim | Auch wenn er es eher gelassen sieht, mitunter dürfte sich Norbert Wiencke wie einst Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen fühlen. "In Parchim bin ich zwar offiziell der Alleinkämpfer für Transparency International, aber in Mecklenburg-Vorpommern gibt es immerhin sieben, in ganz Deutschland sogar mehr als 1000 offizielle Mitglieder und natürlich ungezählte Sympatisanten", sagt der stadtbekannte Wirt der Szenekneipe anno poll und Mitbegründer des Stadt-Bündnisses Alternative Liste für Bürgernähe, Umwelt und Soziales (Albus) selbstbewusst. Die weltweit agierende und nichtstaatliche Organisation Transparency International (TI) benennt ihr Hauptziel so: "Macht der Korruption ein Ende!"

Transparency International wurde 1993 in Berlin vom ehemaligen Direktor der Weltbank für Ostafrika, Peter Eigen, und Gleichgesinnten aus aller Welt gegründet. Prof. Dr. Edda Müller, Vorsitzende des deutschen Ablegers bringt es auf den Punkt: "Korruption ist der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Vorteil. Die Bekämpfung von Korruption und unethischen Verhalten ist für das Überleben demokratisch freiheitlicher Gesellschaften die größte Herausforderung unserer Zeit".

Norbert Wiencke war in der 80er Jahren im Rahmen seines Volkswirtschaftsstudiums bei einem Praktikum in einer Hamburger Spedition zum ersten Mal auf das Thema Korruption aufmerksam geworden. "Seinerzeit gehörte es bei internationalen Geschäften zum guten Ton. Da gab es kein Unrechtsbewusstsein und in vielen Länden war dies ohne hin bis in die 90er Jahre kein Straftatbestand", gibt Wiencke zu bedenken. Obwohl sich die Zeiten auch in dieser Frage grundlegend geändert haben, gebe es starken Handlungsbedarf und das aus Sicht von Norbert Wiencke auf vielen Ebenen. Dabei ist sich der Parchimer Aktivist durchaus im Klaren, dass Erfolge einen langen Atem erfordern. "Wer hätte seinerzeit gedacht, dass ein Informationsfreiheitsgesetz den Bürgern in Deutschland weitreichenden Einblick in die Entscheidungen der Ämter und Behörden ermöglicht", gibt Wiencke zu bedenken. Auch in der Parchimer Stadtvertretung hatte er vehement dafür geworben, mit mehr Transparenz ein deutliches Zeichen gegen Politikverdrossenheit zu setzen. Auf dem Erreichten wollen sich die Initiatoren keinesfalls ausruhen. Mehr als ein Wermutstropfen ist für viele, dass sich Bürger Informationen aus öffentlichen Verwaltungen zum Teil teuer erkaufen müssen. Auch die gültige Gebührensatzung der Stadt Parchim ruft Kritiker auf den Plan. "Eine Halbierung der Kosten wäre sicher sinnvoll", meint Norbert Wiencke.

In den zurückliegenden Tagen wurde in Fachausschüssen der Parchimer Stadtvertretung erneut über das Thema "Bürgerhaushalt" diskutiert. "Es wäre ein großer Erfolg für die hartnäckige Arbeit auch von Transparency International, wenn wir in Parchim einen Bürgerhaushalt ins Laufen bringen könnten", sagt Wiencke. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Nachdem vor Jahren die Vertreter der relativ kleinen Albus-Fraktion mit dem Vorschlag , einen Teil des Haushaltes der Stadt unter direkter Einflussnahme der Bürger zu planen, noch belächelt wurden, findet die Idee auch in den großen Fraktionen Sympathie. "Wie wichtig Haushaltstransparenz angesichts knapper Kassen ist, wird doch gerade wieder deutlich", meint der Parchimer Vertreter von Transparency International. Auf der kommenden Stadtvertretersitzung wird sich zeigen, ob die geplante Neufassung der Gebührenordnungen nach der kritischen Begleitung in Ausschüssen und der Öffentlichkeit eine Mehrheit im Stadtparlament und Akzeptanz bei Betroffenen findet.

Mut mache Norbert Wiencke die derzeit in Hamburg von der Initiative "Mehr Demokratie e.V." angeschobene Diskussion für ein weitreichendes Transparenzgesetz. Danach sollen beispielsweise alle öffentlichen Verträge für die Hansestädter auch öffentlich einsehbar werden. "Das wäre ein Meilenstein für die Demokratie in Deutschland", glaubt Norbert Wiencke.

Die Debatte um Bundespräsident Christian Wulff hat das Thema Korruption in ganz Deutschland neu angeheizt. Da stellt sich die Frage, ob so etwas auch in Parchim möglich wäre. "Wachsamkeit ist immer angebracht. Als Mitglied von Transparency International bin ich selbstverständlich auch vor Ort Ansprechpartner. In der Organisation ist sichergestellt, dass bei entsprechenden Verdachtsmomenten Hinweise streng vertraulich behandelt werden", so Wiencke. Unbedingter Informantenschutz ist bekanntlich auch ein wichtiger Grundsatz der Presse in Deutschland. Für den Parchimer steht fest, dass er sich weiterhin für die Ziele von Transparency International engagieren wird. "Freuen würde ich mich natürlich, wenn sich auch in Parchim weitere aktive Mitstreiter dafür finden würden."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen