Parchim : Konkurrenten, die sich helfen

Unterstützen sich gegenseitig als Kollegen, sehen sich nicht als Konkurrenten: Frank Hildebrandt (l.) und Axel Pöcker, in Parchim niedergelassene Fleischermeister, stehen für Qualität.
Unterstützen sich gegenseitig als Kollegen, sehen sich nicht als Konkurrenten: Frank Hildebrandt (l.) und Axel Pöcker, in Parchim niedergelassene Fleischermeister, stehen für Qualität.

Mit Frank Hildebrandt und Axel Pöcker gibt es noch zwei selbstständige Fleischermeister in Parchim

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14. März 2018, 21:00 Uhr

Der Handel mit Lebensmitteln – unter großen Anbietern in unseren Tagen ein extremes Kampfgebiet, in dem nicht Qualität und Wichtigkeit, sondern vor allem die billigsten Preise zählen. Das sagt Axel Pöcker, selbstständiger Fleischermeister in Parchim: „Auf diesem Niveau können und wollen wir gar nicht mithalten.“

1986 kommt der damals 16-Jährige aus Dresden in unsere Region, wo die Familie die ehemalige Fleischerei Bergmann übernimmt. Von 1987 bis 1989 erlernt Pöcker seinen Beruf in Neustadt-Glewe und erlangt 1992 schließlich den Meistertitel an Deutschlands für seinen Bereich renommiertester Schule in Frankfurt am Main. Acht Jahre später übernimmt er die Firma und ist neben dem Stammgeschäft in der Langen Straße sowie einer Filiale am Ziegenmarkt von 2012 bis 2017 auch im Weststadtcenter präsent. Heute gibt es nur noch den Anlaufpunkt am Ziegenmarkt, das Stammgeschäft ist Produktionsort. „Bei mittlerweile 19 Supermärkten in Parchim alles kein Wunder“, meint Pöcker. Über das Geschäft mit zu rund 98 Prozent selbst hergestellten Produkten (je nach Saison bis zu 100 Stück) hinaus sei der Aufbau eines Partyservice in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich verlaufen: „Egal, ob für sieben, 70 oder 330 Leute – wir sind spontan lieferfähig und haben uns damit einen guten Namen gemacht.“ Eine individuelle Note ergebe sich auch im Geschäft durch die Würzung nach sächsischer Art und den verstärkten, ebenfalls sehr gut ankommenden Handel mit Wildfleisch. „Eine Chance hat man nur mit Individualität, mit hochwertigen Spezialitäten, die es sonst nicht gibt“, sagt Pöcker.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten, in denen die Existenz eines Fleischerfachgeschäftes schon seit vielen Jahren ein Fremdwort ist, gibt es in Parchim sogar noch zwei Stück. Das andere gehört Frank Hildebrandt, der wie Pöcker fast alle Produkte noch selbst herstellt. Auch sein Angebot schließt Partyservice ein, findet in der Regel jedoch nicht in dem Umfang wie bei Pöcker statt. Dafür gibt es hier mehr Mittagstisch und einen Liefer-Service. „Die Zeit der Konkurrenz ist lange vorbei“, sagt Pöcker. „Wir sind Kollegen, die sich helfen, anstatt sich weh zu tun. Miteinander muss sein, alles andere wäre unvernünftig.“ Hildebrandt bestätigt die Aussagen und ergänzt, dass einer dem anderen zum Beispiel mit Zutaten aushilft, wenn sich plötzlich herausstellt, dass die bevorratete Menge nicht ausreicht. Wer die beiden Männer einmal zusammen erlebt hat, stellt Miteinander zwischen ihnen nicht mehr in Frage. Nicht nur sie haben beschriebene Zusammenarbeit schon in die Realität umgesetzt: Als im Lehrbetrieb von Pöcker vor ein paar Jahren die Maschine zur Herstellung von Würsten versagt und niemand Rat weiß, stellt er ohne lange Diskussion seine zur Verfügung.

Frank Hildebrandts Großvater war Viehhändler und Hausschlachter. 1967 eröffnet er ein Geschäft Auf dem Sassenhagen, Mitte der 1980er-Jahre kommt das noch heute existierende in der Heidestraße hinzu, seit 1992 gibt es das Geschäft in der Lindenstraße.

Der heutige Inhaber übernimmt den Betrieb 2003 von seinem Vater. Mit dem Meister seines Fachs und einer Auszubildenden, deren Leistungen er lobt, arbeiten hier heute elf Beschäftigte. „Wir können uns nicht beklagen“, sagt Hildebrandt. Mittlerweile sei zu beobachten, dass immer mehr Menschen die gegenüber der Massenware bessere Qualität erkennen und sich auch dementsprechend verhalten. Alle Würste etwa stelle auch Hildebrandt nach alten Rezepturen selber her und bei der Auswahl des Fleisches werde auf Herstellungsland und -ort, auf die Fütterung und Haltung der Tiere geachtet.

Für ein Produkt ist die Fleischerei Hildebrandt besonders bekannt: Ihre jeden Tag neu produzierte Bockwurst. Der Mitarbeiter, der sie herstellt, darf kein Langschläfer sein, denn er muss bereits gegen 2 Uhr morgens zum Dienst antreten und alles geben. Der Chef weiß: „Vier Stunden später stehen die ersten Bauarbeiter oder auch andere Frühschichtler vor der Tür, zum Beispiel von Isover in Lübz.“

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