Kleesten : Klosteramt-Feuer bleibt ungeklärt

Das kleine Dorf Kleesten – idyllisch gelegen. Seit dem Brand von 1814 ist – glücklicherweise – nie wieder etwas passiert.
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Das kleine Dorf Kleesten – idyllisch gelegen. Seit dem Brand von 1814 ist – glücklicherweise – nie wieder etwas passiert.

Vor mehr als 200 Jahren brannte altes Pächterhaus in Kleesten nieder. Dobbertiner Klosteramts-Spritze kam zu spät - Gutachter ratlos

svz.de von
22. März 2016, 12:00 Uhr

Wo heute das imposante Forsthaus in Kleesten steht, brannte vor 200 Jahren das alte Pächterhaus des Klosteramts mit dem Pferde- und Schafstall und allen Katen nieder. Im Beichtkinderverzeichnis von 1704 ist zu lesen: Kleisten als klein Dobbertinsch Gut und Schäferey.

Seit 1790 war Johann Christian Lierow Pächter des Klostergutes in Kleesten. Das belegt ein in den Klosterakten vorhandener am 3. November 1790 mit den Klosterprovisoren Hauptmann Bernhard Christoff von Blücher und Rittmeister Gottfried Hartwig von Weltzien abgeschlossener Contract. Pächter Lierow hatte drei Söhne, die studierten und später Klostergeschichte schrieben. Sein Sohn Ludwig war Amtsactuar in der Klosterverwaltung und Sohn Gustav Pastor und Dichter in der Dobbertiner Patronatskirche in Lohmen. Christian dagegen leitete ab 1830 das Gut seines Vaters in Kleesten weiter.

Am 15. April 1814 hatte der Tagelöhner Joachim Biermann beim Hacken auf dem Felde plötzlich auf dem Gutshof Flammen und Rauch aufsteigen sehen. Bis er zum Gehöft kam und die Brandmeldung im Klosteramt eintraf, – damals gab es ja noch kein Telefon – vergingen wohl mehrere Stunden. Vermutlich konnte man von Dobbertin aus auch schon die Rauchwolken sehen. Es dauerte dann eine gewisse Zeit, bis die Feuerwehren am Brandort eintrafen. In den Protokollen war darüber nichts vermerkt. Für die erste am Brandort eintreffende Feuerspritze zahlte damals das Klosteramt eine Spritzen-Prämie. Die Dobbertiner Klosteramts-Feuerspritze und auch die Goldberger Rad-Spritze kamen wegen des unbefestigten und schlecht befahrbaren Waldwegs zu spät, um Beistand zur Hemmung des Feuers leisten zu können.

Doch wie kam es zu diesem Brand, bei dem nur das weiter entfernt stehende Schäfer- und Hirtenhaus vom Feuer verschont blieb. Denn bei den ständigen Durchmärschen und Einquartierungen russischer und schwedischer Truppen in den Kriegsjahren zwischen 1806 und 1815 in Kleesten gab es dort keine Brände.

Schon fünf Tage nach dem Brand erschienen die Gutachter der Ritterschaftlichen Brandversicherungsgesellschaft zur Besichtigung des Brandschadens in Kleesten. Es waren der Herr Major von Meding auf Suckwitz und Herr von Weltzien auf Klein Tessin und die beiden mitgebrachten Fachleute, der Goldberger Zimmerermeister Johann Heinrich Rönfeld und der ebenfalls aus Goldberg stammenden Maurermeister Ludwig Fründt. Beide mussten unter Eid schwören, die Wahrheit zu sagen.

Das Ergebnis war eindeutig:
Zur Entstehung des Feuers habe man nichts ausfindig machen können. Der erlittene Brandschaden sei als totaler Brand anzunehmen und die Entschädigungssumme für die verunglückten Gebäude sei auszuzahlen. Das anschließende Protokoll wurde vom Notar des Klosteramts Christoph Friedrich Behrens gesiegelt.

Damit war eigentlich der Vorgang erledigt, doch im Klosteramt wurde alles immer sehr akkurat ausgeführt. So befragte man noch den Schäfer Hase und Tagelöhner Joachim Westphal, sie sollten ihnen unter ernstlicher Erinnerung die Wahrheit sagen. Beide sprachen einfach die Worte des Tagelöhners Joachim Biermanns nach.

Auch der Pächter Johann Christian Lierow betätigte, dass die vom Klosteramt angeschafften Feuergerätschaften vorhanden waren und zur Löschung des Feuers benötigt wurden. Es waren exakt drei Dachleitern mit nötigen Stützen, drei Feuerhaken und zwei lederne Feuereimer. Auf die Frage, ob die Schornsteine auch gefegt wurden, antwortete Pächter Lierow: Sie seien fleißig und öfters gefegt worden. Als Pächter habe er die Tagelöhner auch öfters daran erinnert. Danach unterschrieb auch der anwesende Klosterhauptmann Rittmeister August Friedrich von Lowtzow das Protokoll. Auf dem Landtag am 2. Dezember 1814 in Rostock war zu diesem recht großem Brand im Klosteramt Dobbertin zu vernehmen, das dieses total abgebrannte Gebäude auf dem platten Lande versichert war, doch zur Entstehung des Brandes habe man nichts ausfindig machen können.

Das seit 1907 als Forsthaus genutzte eingeschossige Eichenfachwerkgebäude wurde noch im Brandjahr 1814 durch die Handwerker des Klosterbauhofes aus Dobbertin errichtet. Das Klosterdorf Kleesten blieb seitdem von Bränden verschont, der vier Kilometer lange Landweg nach Dobbertin wurde asphaltiert und ist nun auch von der Feuerwehr sehr gut befahrbar.

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