Parchim : Kleiner Mühlenteich schlägt hohe Wellen

Ein Traumrevier für Petrijünger:  Die Fischereirechte für den 1,9 Hektar großen Markower Mühlenteich bekommen für zwölf Jahre die privaten Eigentümer des Nachbarhauses, die hier eine nachhaltige Fischerei mit Reuse betreiben wollen.
Ein Traumrevier für Petrijünger: Die Fischereirechte für den 1,9 Hektar großen Markower Mühlenteich bekommen für zwölf Jahre die privaten Eigentümer des Nachbarhauses, die hier eine nachhaltige Fischerei mit Reuse betreiben wollen.

Fischereirechte für Mühlenteich geht für zwölf Jahre an Besitzerin der Markower Mühle / Angelverband geht leer aus

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18. Mai 2017, 12:11 Uhr

Mit hauchdünner Mehrheit (11 Ja-, 7 Nein-Stimmen, vier Enthaltungen) haben die Stadtvertreter am Mittwochabend den Weg zur Neuvergabe der Fischereirechte für den Markower Mühlenteich frei gemacht.  Auf Antrag der SPD-Fraktion wurde die Aussprache nicht wie zunächst vorgesehen hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich geführt. Dem hatte auch die Antragstellerin zugestimmt.

Erstmals nach rund 70 Jahren kommt mit Monique Pribbernow  eine Privatperson  zum Zuge. Freizeitangler, darunter viele Kinder und Jugendliche, haben das Nachsehen. Ihnen standen  bislang in ihrer Heimatstadt vor allem der Wockersee, der Schalentiner See und auch der Markower Mühlenteich zur Verfügung. Mit der Entscheidung ist die beantragte Wiederverpachtung der Fischereirechte an den Landesanglerverband vom Tisch.  „Wir möchten hier eine allgemeinmedizinische Praxis mit naturheilkundlicher Ausrichtung und  sozialpädagogischen Angeboten  etablieren und gleichzeitig ein landwirtschaftliches Selbstversorgungskonzept inklusive der Nutzung der angrenzenden Teiche für Fisch- und Krebszucht aufbauen“, so Stefan Pribbernow im April 2015 gegenüber unserer Redaktion. Seine Frau Monique, die nun  die Fischereirechte erhält, hat Biologie studiert und einen  Masterabschluss im Fach Aquakultur.

Viel  investiertFür die Stadtverwaltung war es keine Überraschung, dass die  Besitzerin  der Markower Mühle nach dem Kauf des Areals im Frühjahr 2015 nun auch  die Fischereirechte für den Teich beantragt. Der Vertrag mit dem  Landesanglerverband war nach rund 43 Jahren am 31. Dezember 2016 fristgemäß ausgelaufen. Schon im Januar 2016 hatte der Verband für seine mehr als 42 000 Mitglieder (organisiert in 613 Vereinen) eine Verlängerung der Fischereipacht für das Gewässer in Parchim beantragt. Verwiesen wurde auf  die umfangreiche Hege und Pflege  durch die rund 1000 Angler der Parchimer Vereine. In den vergangenen Jahren wurde u.a. Fischbesatz – darunter Aale, Karpfen, Schleie und Hechte – im Wert von rund 3330 Euro eingesetzt. Der gesetzlich anerkannte und gemeinnützige Verband nach Bundesnaturschutzgesetz wollte die Hege hier langfristig fortführen. Die Fischereiexperten des Verbandes  erteilten den Plänen der privaten Investorin eine Absage. „Der Nutzfischertrag des Markower Mühlenteiches liegt laut Bonitierung im günstigsten Fall bei 41,6  Kilogramm pro Jahr. Diese Fischmenge entspricht nicht einmal der Durchschnittsmenge des jährlichen Fischkonsums von drei Personen“, so LVA-Geschäftsführer Axel Pipping. Eine Erhöhung des Ertrages wäre nur über Zufütterung möglich, würde aber zu einem erhöhten Nährstoffeintrag in die abfließende Wocker und den gleichnamigen See führen.

Auch die von der Investorin geplante Wasserentnahme für Permakulturen (Konzept für naturnahe Kreisläufe  in der Landwirtschaft) sehen die Experten kritisch: „In der trockenen Jahreszeit  wird jeder Liter in dem relativ kleinen Gewässer gebraucht“.

In den zurückliegenden Monaten  wurde in  Fachausschüssen der Stadtvertretung  hinter verschlossenen Türen über die Neuvergabe der  Fischereirechte kontrovers diskutiert. Eine Vorlage für die Stadtvertretersitzung im März wurde vom Bürgermeister kurzerhand zurückgezogen. Heinz Schünemann, Chef des Kreisanglerverbandes, hat sich  für seine Petrijünger stark gemacht. Er hat auch noch einmal darauf hingewiesen, dass in die Umverlegung der Wocker, die Ausbaggerung des Mühlenteiches und den Ersatzneubau für Auslaufbauwerk sowie die Dammsicherung bis zur Jahrtausendwende  öffentliche Mittel von mindestens einer Millionen DM geflossen sind.

Monique Pribbernow hat ihrerseits versichert, dass sie mit  den Anglern und vor allem  Jugendlichen künftig kooperieren will. Sie wird  Führungen anbieten und auch Angelkarten verkaufen. Ein von der SPD-Fraktion vorgeschlagener Kompromiss, im  Vertrag zwischen Stadt und Pächterin verbindlich zu regeln, dass Kinder und Jugendliche Angelscheine zu angemessenen Preisen erhalten, wurde von der Mehrheit der Stadtvertreter abgelehnt. Die neue Pächterin muss nun jährlich 110 Euro (10 mehr als vom Landesangelverband angeboten) für die Fischereirechte des Markower Mühlenteiches zahlen.

Vor wenigen Tagen hatte sich die Jugendgruppe des Kreisanglerverbandes Parchim noch einmal mit einem Appell an die Fraktionsvorsitzenden gewandt: „Wir haben an den Voigstorfer Teichen und dem Mühlenteich zahlreiche Aufbaustunden geleistet, um sie zu attraktiven Gewässer für Naturliebhaber zu machen. Es sollte der Allgemeinheit dienen und nicht Privatpersonen, die Verbotsschilder aufstellen. Lasst den Kindern den Zugang zu den Gewässern!“

In der sachlichen, kontroversen und teilweise emotional geführten Aussprache, wollten die Befürworter mit ihrer Entscheidung das Gesamtkonzept der Pribbernos nicht gefährden. Carsten Schwarz brachte es für die Kritiker auf den Punkt: „Die Angler haben Jahrzehnte hervorragendes geleistet und haben nun das Nachsehen“. „Ein trauriger Tag für die Angler“, so eine erste Reaktion von Heinz Schünemann, Vorsitzender des  Kreisanglerverbandes Parchim und Umgebung mit ca. 1000 Mitgliedern.

Kommentar "Privat geht vor" von Wolfried Pätzold

Was wiegt schwerer, gut 41 Kilogramm Nutzfische pro Jahr oder der Spaß am Angelsport, dem in Meckpomm mehr als 42 000 im Landesanglerverband organisierte Mitglieder nachgehen? Klar, man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber wie sagt ein Sprichwort „Angeln ist die einzige Art von Philosophie, von der man satt werden kann“. Die Stadtvertreter mussten Farbe bekennen. Der bisherige Vertrag für die Pacht der Fischereirechte war ausgelaufen. Ihre  Entscheidung „Privat geht vor“ gilt nun für zwölf Jahre. Alle müssen aber auch damit leben, dass die Angler und vor allem die Kinder und Jugendlichen dies nicht akzeptieren.
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