Eichenprozessionsspinner : Kleine Raupe plündert die Kassen

Heinz Bismark zeigt eine Eiche an der Straße zwischen Barkow und Stolpe, an der er mehrere Nester des Eichenprozessionsspinners entdeckt hat.   Fotos: Michael Beitien
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Heinz Bismark zeigt eine Eiche an der Straße zwischen Barkow und Stolpe, an der er mehrere Nester des Eichenprozessionsspinners entdeckt hat. Fotos: Michael Beitien

In Stolpe wurden weitere Nester des gefährlichen Eichenprozessionsspinners gefunden / Kommune muss für Bekämpfung zahlen

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28. Juli 2014, 14:11 Uhr

Gefahr im Eichenwipfel an der Straße zwischen Stolpe und Barkow. Bürgermeister Heinz Bismark zeigt auf Nester des Eichenprozessionsspinners, die unter mehreren Ästen hängen.  Das Gespinst mit den giftigen Härchen von Raupen kann Menschen krank machen, wenn es sich löst. Reizungen von Augen, Haut und Atemwegen drohen. In einer Nachbarkommune war ein Gemeindearbeiter mehrere Tage krank geschrieben, nachdem er mit den gefährlichen Haaren in Kontakt gekommen war.

Deshalb müssen die Nester beseitigt werden. Zum Glück steht diese Eiche  an einer Kreisstraße, sagt Bismark. Der Landkreis muss  für die Beseitigung zahlen und nicht die Gemeinde.

Der gefährliche  Eichenprozessionsspinner hat die Stolper Gemeindekassen bereits arg geplündert. Allein im Vorjahr musste die klamme Kommune einen Anteil von 6000 Euro für den Hubschraubereinsatz    über Teilen des Landkreises gegen den Schädling zahlen. Dieses Jahr    gab es über Stolper Gemeindegebiet keine fliegende Schädlingsbekämpfung. Allerdings vom Boden aus. Auf 600 Euro haben sich    dafür die Kosten für seine Gemeinde summiert, sagt Heinz Bismark. Eichen an den Ortsrändern von Barkow, Granzin und am Dorfteich von Stolpe waren befallen. Der Parkplatz an der Raststätte an der Autobahn war wegen des Spinners zeitweise gesperrt. Einige der befallenen Eichen standen leider auch auf Gemeindegebiet.

Bismark, gelernter Landschaftsarchitekt, hat mittlerweile ein Auge für die Nester in den Wipfeln der Eichen. „Es ist eine Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist“, befürchtet er angesichts der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners trotz der groß angelegten Hubschraubersprühaktion im Landkreis. Wer weiß, wie es in den Eichen abseits der Straßen aussieht? Letztlich müsse die Natur das selbst richten.

Die Schädlinge breiten sich auch in anderen Kommunen aus. Erstmals mussten in diesem Jahr beispielsweise   Nester in Domsühl beseitigt werden, sagt Hans-Joachim Niemann, Ordnungsamtsmitarbeiter im Parchimer Umland. Doch er meint: Wenn nicht gesprüht worden wäre, gebe es noch weit mehr der Schädlinge.

Gefährlich ist es vor allem  mitten im Ort. Die Nester von drei befallenen Eichen  am Stolper Dorfplatz werden durch die Parchimer Fachfirma Lenz abgenommen, sagt   Niemann. Mit dieser Firma arbeiten die Kommunen zusammen.  „Wir sind mit der Arbeit sehr zufrieden“, so Niemann. Auch die Kosten seien vergleichsweise günstig.

 Im Prinzip müsse beim Fund von Nestern an allen öffentlich zugänglichen Flächen gehandelt werden, so Niemann. Auch außerhalb von Ortschaften, wenn Spaziergänger oder Radfahrer gefährdet sind.   Der Eigentümer des Grundstücks mit einem befallenen Baum, auch ein privater, müsse die Kosten zahlen. Einen solchen aktuellen Fall gibt es in der Gemeinde Ziegendorf.

Positive Nachricht für die Kommunen, aber auch für Privatbesitzer: In diesem Jahr beteiligt sich das Land zur Hälfte an den Kosten im Kampf gegen den Schädling. Über eine halbe Million Euro  hat  im Landkreis allein die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft gekostet. Davon entfallen 10 800 Euro auf die Kommunen im Amt Parchimer Umland. Im Vorjahr   mussten die Gemeinden dieses Amtes noch das Zweieinhalbfache berappen, ohne dass es eine Förderung gab.

Die Aktionen gegen den Eichenprozessionsspinner haben nicht das Ziel, diese Tiere auszurotten, betont Dr. Ute Greitens, Leiterin Fachdienst Gesundheit beim Landkreis Ludwiglust-Parchim. Ziel sei es, die Belastung für die Menschen gering zu halten.

 Aufgrund der Gesundheitsgefährdung für den Menschen will  das Amt die Massenvermehrung des Spinners aufhalten. Die Gefahr sind nicht die langen Gespinste der Nester, die man von weit erkennt, sagt Greipens, sondern es sind die Reste von Gifthaaren der Raupen, die sich daran verfangen haben und die natürlich auch in den Nestern nach der Häutung der Raupen bleiben. Über zehn Jahre können sie ihre giftige Wirkung behalten.

 Der Landkreis war zunächst durch Erkrankungen von Mitarbeitern der Straßenmeistereien  auf das Problem aufmerksam geworden. Es habe sich gezeigt, dass sich der Eichenprozessionsspinner mit den Jahren entlang der Alleen immer weiter ausgebreitet hat, sagt Greitens. Deshalb sollte speziell mit der Bekämpfung an diesen Baumreihen eine Bresche geschlagen werden.   Mit der Hubschraubersprühaktion ging es  nicht den  Nestern selbst, sondern die gefräßigen Raupen auf den Blättern der Eichen an den Kragen. Die Raupen fressen das Gift und nehmen es mit in die Nester.

Greitens hofft wie viele andere, dass die Natur hilft, die Massenausbreitung zu stoppen. Ein Feind des Eichenprozessionsspinners seien  beispielsweise die Raupenfliegen.

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