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Friedrichsruher Umwelt-Erfahrungen fließen in interaktives Handbuch ein : Kleine Füchse als pfiffige Naturbeobachter

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Die Erfahrungen der Friedrichsruher Kindertagesstätte im Bildungsbereich Natur und Umwelt fließen in ein interaktives Handbuch ein, das deutschlandweit Kitas zugänglich

gemacht werden soll.

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erstellt am 19.Dez.2012 | 10:56 Uhr

Friedrichsruhe | Großer Jubel bei den pfiffigen Füchsen in Friedrichsruhe: Endlich hatte Frau Holle den Fuchsbau auf dem in diesem Jahr neu geschaffenen Naturspielplatz der Kindertagesstätte gleich für ein paar Tage am Stück in ein Schneekleid gehüllt. Nach einer fröhlichen Rodelpartie bezogen die Jungen und Mädchen schnell wieder ihre Beobachtungsposten, um die Vögel im Winter zu studieren, die auf dem Spielplatz und im Innenhof natürlich immer zum Rasten willkommen sind.

Eines der spannendsten und aufregendsten Jahre in der Geschichte der kommunalen Kita neigt sich dem Ende entgegen. Vor den Augen der Kinder und mit ihnen gemeinsam entstand seit dem Frühjahr ein natürliches Umfeld, das pfiffigen Füchsen ideale Bedingungen bietet, die Natur in ihrer Vielfalt mit allen Sinnen zu genießen, sich in ihr geborgen zu fühlen und von der Natur zu lernen.

Dieses Projekt sowie das bereits im Sommer 2010 verwirklichte Vorhaben, den Innenhof zu einem Garten der Sinne umzugestalten, in dem das Element Wasser dominiert, gehört nun zu den "Lehrbeispielen", die in einem interaktiven Handbuch auf DVD zusammengestellt sind und damit allen interessierten Kindertagesstätten bundesweit zugänglich gemacht werden sollen. Herausgeber ist die Weiterbildungsgemeinschaft zur NaturkindergärtnerIn (siehe Hintergrundkasten) mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz.

Das elektronische Handbuch umfasst über 5000 Seiten mit wertvollen Ideen, Tipps, Erfahrungen und Videoimpressionen. Insgesamt fließen in diese Sammlung 152 Projekte ein, die Gegenstand von berufsbegleitenden Weiterbildungen zur Naturkindergärtnerin / Facherzieherin für Natur & Ökologie waren und in den Kindergärten vor Ort umgesetzt wurden. Unsere Region ist neben den Pfiffigen Füchsen aus Friedrichsruhe auch mit Projektbeispielen aus der AWO-Kita "Spatzennest" in Parchim vertreten.

Als Friedrich Krüger von der Weiterbildungsgemeinschaft 2009 Heide Blank und ein Jahr später Birgit Schröder aus der Friedrichsruher Kita in seinen Seminaren begrüßen konnte, spürte er auf den ersten Blick, dass hier zwei Erzieherinnen für ihre Sache brennen und dass dieser Enthusiasmus vor Ort sowohl vom gesamten Team als auch von den Eltern, Gemeindevertretern und von vielen weiteren Partnern mitgetragen wird. "Dieses vielfältige Miteinander mündet hier in tolle Organisationsstränge, wodurch wiederum ein tiefer pädagogischer Mehrwert für die Kinder erzielt wird", fand Friedrich Krüger erst kürzlich die Bestätigung vor Ort. War der Naturkindergarten in Friedrichsruhe doch eben erst im Herbst Gastgeber eines mehrtägigen Aufbauseminars für Naturkindergärtnerinnen unter seiner Leitung. 20 Erzieherinnen aus ganz Deutschland bzw. mit Petra Henkelmann eine Agraringenieurin sorgten vier Tage lang für noch mehr Leben in der Bude. Vom Baulärm ließen sich die Gäste dabei kaum beeindrucken: Die Erweiterung der Kita für die Randzeitenbetreuung war zu diesem Zeitpunkt gerade in vollem Gange. Beeindruckt waren sie hingegen von der erlebten Gastfreundschaft. Für alle Seminarteilnehmer fand sich ein Quartier im Dorf. Das Rahmenprogramm weckte noch mehr Lust auf Mecklenburg und Bannys Team mit Silvia Siegfried in der Küche verwöhnte die Seminarteilnehmer mit typisch Mecklenburger Kost, so gut wie bei Muttern.

"Es ist schön zu sehen, wie hier in Friedrichsruhe überall Begeisterung in der Sache spürbar ist", ging Friedrich Krüger regelrecht das Herz auf. Der ehemalige Gemeindepfarrer aus Erkerode und langjährige Fachberater für Kindertageseinrichtungen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig investiert nur zu gern etwas von seiner mit dem Eintritt in den Ruhestand gewonnenen Zeit und engagiert sich seit 2001 auf dem Gebiet der Fort- und Weiterbildung im Bereich Naturpädagogik. "Ich bin dankbar, dass ich das machen darf. Mir bereitet es unheimlich viel Spaß, Anregungen zu geben." Besonders zuhause fühlt sich Friedrich Krüger auf dem Gebiet der Gestaltung von naturnahen Spielplätzen. Wenn er mit Seminarteilnehmern von der Idee bis hin zu maßstabsgerechten Modellen "Baupläne für die Zielvorstellung der Umgestaltung" entwickeln darf, ist das für ihn eine große Erfüllung. Sein von ihm 1998 herausgegebenes Handbuch aus der Praxis für die Praxis "Kindergärten - Spielen in der Natur" gilt bis heute als geschätztes Standardwerk.

Etwas Bleibendes für die pfiffigen Füchse schaffen wollten auch die Teilnehmer des Aufbauseminars: Sie gestalteten gleich neben dem Spielplatz eine Ruderalfläche aus Sand, Steinen und Schottermaterial, die künftig "Schutzstatus" genießt: Hier können die Kinder schon bald beobachten, was gedeiht, blüht und welche Tiere an diesem Ort heimisch werden. Mitnehmen durften die Seminarteilnehmer aus diesem mecklenburgischen Dorf viele Anregungen für die eigene Arbeit. "Beschwingt" kehrte nach vier Tagen Petra Henkelmann zurück an ihre Wirkungsstätte als Leiterin eines Nabu-Zentrums in der Lutherstadt Wittenberg. Der Sinnesgarten der pfiffigen Füchse zum Beispiel geht ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf.

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