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Parchimer Zeitung

20. November 2017 | 20:26 Uhr

Parchim : Kinderarmut auch im Kreis Thema

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Zahl der Betroffenen in Ludwigslust-Parchim höher als im Bundesschnitt

von
erstellt am 20.Mär.2017 | 16:57 Uhr

Kinderarmut ist sichtbar: Auf dem Schulhof, auf dem Spielplatz. Oder mit traurigen Gesichtern vor den Spielzeuggeschäften, weil Mutti doch kein Geld für angesagte Sachen hat. Deshalb kämpft die Landtags- und Kreistagsabgeordnete Jacqueline Bernhardt (Die Linke) mit anderen Kommunalpolitikern für die Volksinitiative des Netzwerks Kinderarmut (wir berichteten). Gerade erst sind am Wochenende in Hagenow 50 Unterschriften dazugekommen. Die Volksinitiative hat das Ziel, den Landtag aufzufordern, sich für Veränderungen einzusetzen. 15 000 Stimmen sind dafür nötig, der aktuelle Stand war gestern beim Landesjugendring noch nicht zu erfahren.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim weist zwar landesweit die niedrigste Arbeitslosenquote aus, steht auch bei der Kinderarmut besser da, als andere. Dennoch seien die Zahlen schlechter als im Bundesdurchschnitt, sagt Jacqueline Bernhardt. Der lag 2015 bei 14,7 Prozent. So viele Kinder und Jugendliche leben in Familien, die Grundsicherungsleistungen (Hartz IV) bekommen. Im Landkreis beträgt die Quote 16,3 Prozent (2011: 17,9 Prozent). Das sind 5143 Mädchen und Jungen. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 21,4 Prozent. Bernhardt: „Das zeigt, dass es Handlungsbedarf gibt. Wir möchten, dass das Thema im Gespräch bleibt.“ Besonders betroffen sind jüngere Kinder. Ihre Zahl liegt über dem Kreisschnitt von 16,3 Prozent (3-6 Jahre: 18,9 Prozent).

Zu viele Menschen würden beim Thema zunächst abwinken, sagt der Linken-Kreisvorsitzende Marko Schmidt: „Kinderarmut? Gibt es bei uns doch nicht, sagen einige. Lehrer sagen uns aber, dass immer wieder Kinder hungrig zur Schule kommen oder keine Winterkleidung haben. Besonders betroffen sind Alleinerziehende. Die Volksinitiative soll auch in dieser Hinsicht die Augen öffnen.“ 56,4 Prozent der betroffenen Kinder in MV leben nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in alleinerziehenden Familien (bundesweit 50,2 Prozent).

Jacqueline Bernhardt sieht aber auch konkrete Ziele: „Statt des herrschenden Flickenteppichs brauchen wir eine landeseinheitliche Regelung der Personalschlüssel in den Kitas, die Kita muss für die Eltern kostenfrei sein, Kinder und Jugendliche brauchen kostenfreie Angebote für eine sinnvolle Freizeitgestaltung und nicht zuletzt muss die Jugend- und Schulsozialarbeit im Land endlich dauerhaft gesichert werden.“

Dr. Margret Seemann, SPD-Fraktionschefin im Kreistag, nennt zwei Schwerpunkte, „sonst bekommen wir das Thema nicht von der Agenda.“ Es müssten vernünftige Löhne gezahlt werden, insofern sei das Thema auch ein wirtschaftliches. Und für Bildung, Erziehung und Teilhabe müsse Geld in die Hand genommen werden. Seemann: „Im Kindergartenalter entscheidet sich, welche Chancen Kinder haben. Die Lebenschancen dürfen nicht von der sozialen Schicht abhängen.“

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