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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 17:52 Uhr

Parchim : Kein SPD-Genosse will Rollys Stuhl

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Sozialdemokraten finden in eigenen Reihen keinen Bewerber für Bürgermeisteramt / Weitere Gespräche / Auch Linke ohne Kandidaten

von
erstellt am 10.Jan.2015 | 16:00 Uhr

Die bevorstehende Bürgermeisterdirektwahl in der Kreisstadt steht für die Sozialdemokraten unter einem schlechten Stern. Auf der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins mussten die Genossen in dieser Woche eingestehen, dass es keinen Bewerber für die Nachfolge von Amtsinhaber Bernd Rolly aus den eigenen Reihen geben wird. „Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern“, gibt sich der Ortsvereinsvorsitzende Andreas Neumann enttäuscht. Für die Sozialdemokraten sinken damit die Chancen, dass in der SPD-Hochburg Parchim das wichtige Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters ab dem Spätsommer weiterhin von einer Frau oder einem Mann mit SPD-Parteibuch besetzt wird. Amtsinhaber Bernd Rolly – der nach der Wende zu den Gründungsmitgliedern der SPD in Parchim gehörte und inzwischen 21 Jahre an der Spitze der Stadtverwaltung steht – kann am 26. April aus Altersgründen bei der Wahl nicht mehr antreten. Er selbst hatte lange auf die Nachfolge seines Stellvertreters und Parteifreundes Detlev Hestermann gesetzt. Nachdem allerdings die Stadtvertreter aus den Reihen der CDU und der Linken im Juni des Vorjahres überraschend eine Wiederwahl Hestermanns in die Funktion des Ersten Stadtrates abgelehnt hatten, sank dessen Stern schneller als erwartet. Noch im Sommer war Detlev Hestermann aus Sicht des SPD-Fraktionsvorsitzenden Eckhard Büsch „erste Wahl“ für die Nachfolge von Bernd Rolly im Rathaus. Insbesondere seine unbestrittenen Fachkenntnisse sollten ihn auch als Bürgermeisterkandidat beflügeln. Für viele bis heute nicht nachvollziehbar, verfolgten die Sozialdemokraten diesmal eine Doppelstrategie. Hestermann konnte als Favorit ins Rennen gehen, aber mit einer bundesweiten Ausschreibung sollten womöglich bessere Interessenten gefunden werden. Im Rathaus tat man sich wochenlang schwer, einen geeigneten Ausschreibungstext zu entwerfen. Nachdem zunächst Verwaltungserfahrungen zwingend notwendig sein sollten, lenkte Bernd Rolly ein, schrieb selbst eine Stellenausschreibung, die im Herbst im Internet, der Parchimer Zeitung und Publikationen des Städte- und Gemeindetages veröffentlicht wurde. Am Ende des Ausschreibungszeitraumes gab es aber nur zwei Männer (aus Parchim und Niedersachsen), die sich für den Posten des Bürgermeisters in der Kreisstadt ernsthaft interessierten. „Ich habe dafür keine Erklärung und werde mich auch nicht spekulativ dazu äußern“, gab sich Bernd Rolly erst kürzlich gegenüber der Parchimer Zeitung selbst verwundert.

Für Detlev Hestermann hat die von seinen Parteifreunden initiierte Ausschreibung offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht. Anfang Dezember zog er die Notbremse und gab selbst bekannt, dass er als Kandidat für die Bürgermeisterwahl nicht mehr zur Verfügung steht. „Dienstlich, politisch und privat hat es einfach nicht gepasst“, so Detlev Hestermann gegenüber unserer Redaktion.

„Das war für mich eine große Enttäuschung“, räumt Andreas Neumann ein. Er hatte nunmehr gehofft, dass ein anderes SPD-Mitglied für Hestermann in die Bresche springt. Eine womöglich letzte Chance sieht der SPD-Ortsvereinsvorsitzende dennoch. Nachdem von den beiden Interessenten der Stellenausschreibung nur noch ein Mann aus Niedersachsen übrig blieb, will er mit ihm Kontakt aufnehmen. Darüber hinaus gebe es eine Frau aus Parchim, mit der die SPD ebenfalls sprechen werde. „Bevor wir entscheiden, ob die SPD eine Bewerbung unterstützt, muss natürlich geklärt sein, wie Mann oder Frau zu den sozialdemokratischen Vorstellungen von Kommunalpolitik stehen“, betont Andreas Neumann.

Viel Zeit bleibt nicht, denn nur noch bis zum 12. Februar können sich mögliche Kandidaten beim örtlichen Wahlleiter anmelden. Dafür ist u.a. eine amtsärztliche Untersuchung nötig. Wählbar ist nur, wer das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 60. Lebensjahr, vollendet hat.

Überraschend halten sich bei dieser Wahl auch die Linken komplett raus. Deren Fraktionsvorsitzende Elke-Luise Skiba hatte schon im SVZ-Sommerinterview erklärt, dass kein geeigneter Bewerber zur Verfügung steht. „Rollys Fußstapfen sind einfach zu groß“, räumt Elke-Luise Skiba ein.

Für die CDU könnte ein Traum in Erfüllung gehen. Mit dem parteilosen Dirk Flörke – derzeit Stadtpräsident – haben die Christdemokraten frühzeitig einen Kandidaten benannt, der hohe Sympathiewerte genießt, wie die Kommunalwahl im Mai gezeigt hat. Der Nachfolger von Bernd Rolly tritt sein Amt am 1. September an und wird für sieben Jahre gewählt.  

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