zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

15. Dezember 2017 | 13:14 Uhr

Parchim : Kein Licht in Sicht bei Milchpreis

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Mitglieder des Bauernverbandes Parchim berieten / Marcus Schwarzer: Für etliche Betriebe hat der Überlebenskampf begonnen

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 16:16 Uhr

Die desolaten Preise für Milch und Schweinefleisch machen Bauern im Altkreis Parchim Sorgen. „Für etliche Betriebe hat der Überlebenskampf begonnen“, sagte Marcus Schwarzer, Vorsitzender des Bauernverbandes Parchim, am Dienstag bei der Mitgliederversammlung in Dargelütz.

Dr. Jürgen Buchwald, Abteilungsleiter  im Schweriner Landwirtschaftsministerium, nannte  einige vollzogene und angedachte Schritte, um den Bauern zu helfen. Doch seine Preis-Prognosen waren düster. „Kurzfristig ist keine Besserung in Sicht.“

Schon bis November  hatte es einen drastischen Rückgang bei den Milchpreisen gegeben auf durchschnittlich 28,2 Cent je Liter. Inzwischen zahlen die Molkereien im Land den Bauern noch weit weniger. Buchwald sprach von Durchschnittspreisen in Norddeutschland zwischen 26,7 und 26,8 Cent.

Nur im Süden der Bundesrepublik werde noch mehr gezahlt, wo   Milch von kleinen Molkereien zu Markenprodukten verarbeitet wird, sagte Buchwald. Und auch einige wenige Betriebe, die Ökomilch produzieren, erzielen gute Erlöse. Doch das sei eine Marktnische, meinte er. „Aber keine Rettung für konventionell wirtschaftende Betriebe.“

Ein Grund für den Preisverfall: Auf der einen Seite   haben Länder wie Irland, Holland und Belgien deutlich mehr Milch produziert, auf der anderen Seite bricht die Nachfrage weg – weil erdölexportierende Länder wegen des niedrigen Rohstoffpreises weniger Einnahmen haben, weil die Wirtschaft in China stottert und  wegen der Handelsbeschränkungen mit Russland.

Auch mit  Schweinefleisch und Ferkeln verlieren die Bauern Geld. Bei 1,32  Euro liegt derzeit der Kilopreis für Schlachtschweine. Erst bei 1,75 bis 1,80 Euro pro Kilo beginnt  eine kostendeckende Mast, so Buchwald. Für Milch nannte der Mann aus dem Ministerium die Zahl, dass gut gehende Betriebe 20 bis 21 Cent pro Liter variable Kosten aufbringen müssten.

Gerd Göldnitz, Vizepräsident des Landesbauernverbandes, warnte vor dieser Zahl, die noch nicht einmal die Lohnkosten berücksichtigen würde. Deutlich über 30 Cent liege nach seinen Worten die Grenze pro Liter Milch. Und darin sind noch keine festen Kosten berücksichtigt, so der Landwirt.

Harald Elgeti, Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, der als einer von vielen Gästen an der Mitgliederversammlung in Parchim teilnahm, erinnerte daran, dass die Politik  immer  darauf orientiert hat, große Molkereien zu bilden, weil die mehr Marktmacht haben. Das, so erhoffte man sich, sei besser für die Preise, die die Bauern erzielen können. Doch dieser Weg ist gescheitert. Mecklenburg-Vorpommern habe heute mit drei Molkereien die geringste Zahl und gleichzeitig die kleinsten Milchpreise. In Bayern gebe es die meisten Molkereien und die höchsten Milchpreise. Es sei deshalb Zeit umzusteuern – in der Politik und im Verband.

Das Feld der Probleme, die bei der Mitgliederversammlung angesprochen wurden, war vielfältig. So machte sich beispielsweise Landrat Rolf Christiansen Sorgen um die hohen Grundstückspreise, die hier lebende Bauern  nicht erwirtschaften können. Christiansen: „Eine Entwicklung, die wir überhaupt nicht begrüßen können.“

„Es wird das schwerste Jahr für uns Landwirte“, so Vizebauernpräsident Göldnitz. Er hofft, dass 2016 mit besseren Preisen zu Ende geht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen