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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 23:32 Uhr

Kein Bus auf spiegelblanken Straßen

vom

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2011 | 05:58 Uhr

lübz/parchim | Dietmar Kuse ist Verkehrsleiter beim Reisedienst Parchim GmbH. Als er sich gestern Morgen um 4.15 Uhr in Wangelin auf den Weg zur Arbeit macht, ist es bis kurz vor Lübz eine Fahrt wie immer. Bis zu dieser Stelle nur deshalb, weil es hier leicht zu regnen beginnt und die auf den gefrorenen Boden fallenden, immer größer werdenden Tropfen die Straße bis Parchim längst in eine Eisbahn verwandelt haben. Auf ihr gibt es absolut keinen Halt - weder für Reifen noch für Schuhe. Nach einer Beratung mit dem Geschäftsführer des Reisedienstes steht um 5.45 Uhr fest: Die Busse bleiben auf dem Hof, was bedeutet, dass hunderte Kinder im Großraum Parchim nicht zur Schule gebracht werden können. "Die in keine Richtung leichtfertig gefällte Entscheidung, ob wir fahren oder nicht, liegt bei uns. Sicherheit steht immer obenan, denn wir tragen die Verantwortung für Menschenleben und müssen deshalb sehr genau abwägen", sagt Kuse. "In diesem Fall stand schnell fest, dass nichts mehr geht. Es war so spiegelblank, dass die Busse schon bei Schrittgeschwindigkeit auf dem Hof bei leichten Kurven geradeaus weitergerutscht sind." 46 sind im kombinierten Schüler-/Linienverkehr eingesetzt. Die Fahrer der drei Fahrzeuge, die das Betriebsgelände schon verlassen hatten, wurden per Funk angewiesen, anzuhalten. Einer war in der Nähe von Parchim und kehrte zurück, die beiden anderen blieben auf dem ZOB in Lübz.

Vom Reisedienst informierte Radiosender meldeten den Ausfall der Transporte, was jedoch bei weitem nicht jeder hörte. "Wo bleibt der Bus?" war demzufolge gestern Morgen die hundertfach gestellte Frage, die die drei Telefone im Büro des Parchimer Unternehmens heiß klingeln ließen. "Positiv ist, dass alle nach der Erklärung verständnisvoll reagiert haben", sagt Kuse. Ab 11.30 Uhr wurden zunächst vor allem die Hauptstrecken wieder angefahren.

Vom Ausfall des Busverkehrs besonders betroffen ist unter anderem das Lübzer Eldenburg-Gymnasium: 78 Prozent der 370 Schülerinnen und Schüler wohnen auswärts. Demzufolge kamen gestern nur 21 Mädchen und Jungen und aus der geplanten Exkursion der beiden zehnten Klassen zum Theater in Parchim wurde auch nichts: Eine Schülerin von 55 Gleichaltrigen stand am verabredeten Treffpunkt auf dem Bahnhof. "Auch diese Fahrt beziehungsweise schon das Hinkommen zum Treffpunkt wäre viel zu riskant gewesen", so die stellvertretende Schulleiterin Karin Rust. "Auch wir sind dazu verpflichtet, vorhersehbare Unfälle zu verhindern. Die Gesundheit steht über allem." Gegen 12 Uhr mittags - sonst die Hochzeit - hielten sich in dem großen Gebäude noch drei Schüler auf.

Unabhängig von Widrigkeiten verschiedener Art stellen Schulen die Betreuung sicher. "Regulären Unterricht gab es nicht. Die Kinder sprachen stattdessen mit Fachlehrern ab, wie man die Zeit sinnvoll nutzen könnte. Alle wussten, an welchen Projekten sie in mehreren Fächern arbeiten wollen/müssen und haben sich selbstständig beschäftigt", sagt die stellvertretende Schulleiterin Karin Rust. Übrigens: Alle Lehrer, die gestern morgen Unterricht hatten, waren irgendwie zur Schule gekommen. Nur fünf gelang dies zunächst nicht.

Auch Thomas Rosenfeldt, Leiter des Bürgeramtes im Amt Eldenburg Lübz und als solcher unter anderem für Ordnungsfragen zuständig, erging es auf dem ebenfalls von außerhalb angetretenen Weg zur Arbeit um kurz vor 7 Uhr nicht anders als allen. Sein Resümee: "Die Hauptstraßen - dem Winterdienst sei Dank - waren da schon ganz in Ordnung, aber einige Nebenstrecken glänzten im Scheinwerferlicht noch wie frisch lackiert. Alles andere als Schritttempo oder schon eine Bremsung hätte hier das Aus bedeutet."

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