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Parchimer Zeitung

25. November 2017 | 01:21 Uhr

Tradition : Karpfen begehrt seit der Antike

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Prächtige Schuppentiere in den Bimes-Teichen herangewachsen / Fischerfamilie Thies setzt auf naturnahe Aufzucht

von
erstellt am 17.Dez.2014 | 11:26 Uhr

Mit routiniertem Schwung holt Remo Thies mit seinem Kescher den Karpfen aus dem Hälterteich in Frauenmark. „Der hat gut drei Kilogramm und damit ein  Traumgewicht“, kommt der junge Mann sogleich ins Schwärmen. „Für die Karpfen war es wieder einmal ein tolles Jahr“, meint er. Der dreisömmrige Spiegelkarpfen, der  in den zur Bimes GmbH gehörenden Teichanlage Wismar Gröningsgarten herangewachsen  ist,  verbringt seine letzten Tage zusammen mit mehreren hundert Artgenossen in einem Hälterteich in Frauenmark. „Unser Wasser ist hier etwas ganz Besonderes. Es stammt aus rund tausend Quellen und ist garantiert schadstofffrei. So lieben es die Fische“, meint Remo Thies, Juniorchef der Bimes Binnenfischerei GmbH, die ihren Sitz in Leezen hat. Wenige Tage vor den Festtagen  erreicht das Arbeitspensum der Fischer ihren Höhepunkt. Im Familienunternehmen Bimes, den es bereits seit 1953 als volkseigenen und seit mehr als 22 Jahren als privaten Fischereibetrieb gibt, werden in diesem Jahr rund 10 000 Karpfen für das Weihnachtsessen oder den Silvesterschmaus zur Verfügung gestellt. Die Fische wurden naturnah aufgezogen, also nicht zusätzlich gefüttert. „Unsere Spiegelkarpfen haben ein ganz festes Fleisch und sind zur Freude vieler Kunden auch nicht fett“, versichert Seniorchef Guido Thies, der die Familientradition bereits in der elften Generation fortführt.

Obwohl sich einige Kunden ihren Karpfen bereits in den Tagen vor dem Fest in aller Ruhe aussuchen, steht der große Ansturm noch aus. „Darauf sind wir vorbereitet. Selbst am heiligen Abend und Silvester kann man nicht nur direkt an den Teichanlagen in Wismar-Krönigsgarten und Frauenmark die Fische fangfrisch kaufen. Traditionell gibt es sie unter anderem  auch in Godern, Dümmer und Leezen“, sagt der Chef.

Auch wenn  der Spiegelkarpfen 2014 als Festtagsbraten aus Seen und Teichen ungeschlagen die Nummer 1 bleibt, gibt es durchaus Alternativen. „Es spricht sich langsam herum, dass der fast ausgestorbene Ostseeschnäpel in Frauenmark wieder angeboten wird“, so Remo Thies. Dabei gilt der Ostseeschnäpel – bekannt auch als Steinlachs – bei Kennern schon lange als hervorragender Speisefisch. Die größten Exemplare werden bis zu 70 Zentimeter lang und bringen fünf Kilogramm auf die Waage. In den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts avancierte der Ostseeschnäpel  – auch Wandermaräne genannt    –vor allem unter dem Namen Steinlachs zum Modefisch bis in französischen Gourmetrestaurants.  Die Frauenmarker Teiche  im Binnenland erweisen sich  als  geeignete  Ersatzheimat für den Fisch, der hier in Stückzahlen von mehr als 100 000 Stück heranwächst.

Bevor bei  Großfamilie  Thies wie seit Urzeiten  ein Karpfen von mehr als zehn Kilogramm –  vom Chef stets persönlich zubereitet – am 25. Dezember auf den Tisch kommt, will Guido Thies Gutes tun. Der Tafel in Wismar werden Karpfen gespendet. Die Familienfischerei versorgt gemeinsam  mit dem  Kiwanis-Club wie in den Vorjahren die Schweriner Kinderheime mit Spiegelkarpfen. Auch hier gehört es zur Tradition, dass Weihnachten Fisch auf den Tisch kommt. Das damit gesparte Geld wird  für Geschenke ausgegeben.

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