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Feuerwehrverbände Parchim und Ludwigslust sollen fusionieren : Kameraden zeigen Landrat rote Karte

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Nach mehr als eineinhalb Jahren Großkreis will Landrat Christiansen, dass die Feuerwehrverbände Parchim und Ludwigslust fusionieren. Doch am Wochenende holte er sich bei der Jahrestagung der Parchimer eine Abfuhr.

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erstellt am 14.Apr.2013 | 06:03 Uhr

Dargelütz | So schnell fusionieren die Feuerwehrverbände Parchim und Ludwigslust nicht. Landrat Rolf Christiansen (SPD), der in dieser Frage Tempo macht, holte sich am Wochenende bei der Jahrestagung der Parchimer eine Abfuhr.

"Seit eineinhalb Jahren sind wir ein Großkreis und haben die meisten Probleme abgearbeitet. Aber mit der Fusion der beiden ehemaligen Kreisfeuerwehrverbände in Parchim und Ludwigslust klappte es bislang nicht", beklagte Rolf Christiansen vor dem Parchimer Feuerwehrverband in Dargelütz. Die einst getroffene Aussage, dass im ersten Halbjahr 2013 alles in Tüten sei, wird nicht gehalten und das sorgt beim Landrat nach eigener Aussage für Stirnrunzeln. "Was in Nachbarkreisen möglich ist, das sollte auch bei uns möglich sein und ich werde mich in diesem Punkt aktiver einbringen und nicht nur Moderator sein", betonte Christiansen, der sich "klare Zuständigkeiten" wünscht.

Der mit 81,1 Prozent der Stimmen wiedergewählte Verbandsvorsitzende Dietmar Arendt - es gab mit Manfred Jedzik einen Gegenkandidaten - sprach sich ebenfalls für eine Fusion aus, geht sie nur langsamer an. "Wir haben gute Gespräche gehabt, haben auch nach Kompromissen gesucht und einige gefunden. Aber wir haben inhaltlich in der einen und anderen Frage auch andere Vorstellungen", sagte Arendt. Unter dem spontanen Beifall der 111 Delegierten betonte er, dass "in einer Demokratie keine Verwaltung, sondern die Mitglieder des Parchimer Verbandes entscheiden". Und sein Amtskollege in Ludwigslust Heiko Dübel, betonte, dass beide Verbände gute Nachbarn seien und es etliche Kontakte zwischen den Verbänden bei Wettbewerben und anderen Begegnungen gebe.

Für Aufregung sorgte auch das Vorpreschen des Innenministeriums mit einem Eckpunktepapier zur künftigen Sicherstellung des Brandschutzes. Neben Dietmar Arendt kritisierte auch Landesbrandmeister Heino Kalkschies, dass dieses Papier im Februar erst der Öffentlichkeit und dann den Feuerwehren zur Verfügung gestellt wurde. "Dieses Papier enthält eine Sammlung von Ideen und Vorschlägen der verschiedensten Partner, auch wir waren beteiligt. Dass es aber der Öffentlichkeit vor uns übergeben wurde und ich hunderte Anrufe an diesen Tage bekam, das war so nicht in Ordnung", kritisierte Kalkschies. Er betonte ebenso wie Arendt, dass dieses Papier durchaus gute Ansätze für eine Diskussion biete und die Kameraden davon Gebrauch machen sollten und wollten. "Aber wenn in diesem Papier auch von Steuererleichterungen für Unternehmen, die die Feuerwehr aktiv unterstützen, gesprochen wird, dann ist das Augenwischerei. Man muss wissen, das hier nicht das Land, sondern der Bund zuständig ist", so der Landesbrandmeister.

Neben diesen beiden großen Themen ging es auch um die feuerwehrspezifischen Dinge, die im vergangenen Jahr die Kameraden bewegten. In der Öffentlichkeit werden vor allem die Einsätze wahrgenommen.

Statistisch gesehen, ertönte in der Region Parchim - Lübz - Plau - Sternberg - Crivitz mehr als einmal täglich die Sirene. 375-mal wurden Brände gelöscht und Hilfe bei Unfällen geleistet. Der Verbandswehrführer erinnerte an die schweren Brände wie am 15. Januar in Zieslübbe (zwei Scheunen brannten aus), am 25. April im Kohlenanzünderwerk in Parchim, den Brand einer Bootsschuppenanlage am 26. Mai in Lübz, mehrere Strohmieten in der gesamten Region, den Brand eines Fachwerkhauses am 17. Dezember in Herzfeld. Zu etlichen Unfällen rückten die Einsatzkräfte aus. So am 28. Mai, als ein Flugzeug mit vier Personen an Bord nahe Parchim abstürzte, oder am 18. November, als in Dabel und zwischen Mestlin und Vimfow jeweils eine Person bei Unfällen ihr Leben ließ. Stets waren dabei die Kameraden zum Teil psychisch und auch physisch bis an ihre Grenzen gegangen, vor allem, wenn bei diesen Einsätzen Tote zu beklagen waren.

Ohne gute Aus- und Weiterbildung, der sich die Blauröcke regelmäßig unterziehen, wären solche schwierigen Einsätze kaum zu bewältigen. Allerdings existieren auch Unterschiede in den Wehren. Vor allem beim Thema Atemschutz müsse aufgeholt werden. 303 Kameraden absolvierten 2012 die Atemschutzübungsanlage in Dargelütz. Das ist gut, aber es müssten mehr sein, denn meist fehlen gerade diese Spezialkräfte bei den Einsätzen und es müssen Wehren mit Atemschutzträgern nachgefordert werden. Positiv ist hier das Amt Ostufer Schweriner See zu nennen, die alle 41 Atemschutzträger in die Übungsanlage entsandten. Bei anderen besteht zum Teil deutlicher Nachholbedarf. Positiv wird die Ausbildungsmöglichkeit an der Landesschule der Feuerwehr in Malchow angenommen.

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